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Integration beim FC Rinchnach

Letzte Aktualisierung: 9. November 2016

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A-Junioren der SG Rinchnach-Kirchdorf mit Amir, Ahmadreza, Ibrahim, Amer, Mohammad und Hamzhe; stehend v.r.n.l. Trainer Thomas Schneider, Christine Haas und Sozialarbeiterin vom Marienheim Kathrin Röck kniend 1. v.l.

Integration auf und neben dem Fußballplatz
Marienheim Regen und FC Rinchnach arbeiten Hand in Hand

Die Flüchtlingsthematik ist bekanntlich in aller Munde. Kann die vielfach herbeigeschworene Integration gelingen? Und wenn ja, mit welchen Maßnahmen und mit welchem Aufwand? Diese und viele weitere Fragen zum Thema werden derzeit kontrovers diskutiert. Noch deutlich sensibler wird die Diskussion, wenn es dabei um unbegleitete minderjährige Flüchtlinge (UMF) geht. Wie Integration gelingen kann, zeigt ein schönes Beispiel des FC Rinchnach.

Schon vor rund zwei Jahren, als die Flüchtlingswelle mutmaßlich auf dem Höhepunkt war, waren die Rinchnacher um Christine Haas Vorreiter in punkto Integration von jugendlichen Asylsuchenden. Schnell hatte man Kontakte zur Bayerwald-Akademie in Weißenstein geknüpft. Eben genau dorthin, wo viele unbegleitete minderjährige Flüchtlinge aus Afghanistan und Syrien untergebracht waren. Regelmäßig suchten Christine Haas mit ihrem Gatten Peter, seines Zeichens 2. Vorsitzender des FC Rinchnach den Austausch. Schnell bemerkte man, dass Fußball die große Leidenschaft der Jugendlichen ist. Fußball als Ausgleich zum zunächst nicht gefüllten Alltag. Die Rinchnacher organisierten Schnuppertrainings und luden die Jugendlichen zu Spielen ein. Daraus entwickelte sich eine enge Beziehung, die bis heute Bestand hat. Der FC um dessen 1. Vorsitzenden Markus Kurz blickt nun knapp zwei Jahre zurück und ist mit der Entwicklung, als auch dem Status-Quo sehr zufrieden.

"Massoud ist bereits fester Bestandteil der zweiten Mannschaft des FC", so der Abteilungsleiter der Sparte Fußball Anton Dannerbauer. Die Mannschaftsverantwortlichen um Andreas Kroner und Hans Schuster organisieren sich über Fahrgemeinschaften so, dass der mittlerweile in der Außenwohngruppe des Marienheims wohnende Massoud stets mit an Bord sein kann. "Eine absolute Selbstverständlichkeit", so die FC-Verantwortlichen.

Amir, Ahmadreza, Ibrahim und Amer sind Jugendliche bzw. junge Erwachsene und kicken unter Coach Michael Schneider bei den A-Junioren der Spielgemeinschaft Rinchnach-Kirchdorf. Die Vier wohnen ebenfalls im Regener Marienheim, welches momentan 9 unbegleitete minderjährige Flüchtlinge (UMF) betreut und begleitet. "Wo es geht, unterstützen wir unsere Jungs", erzählt die Sozialarbeiterin Kathrin Röck, die Betreuerin dieser jungen Flüchtlinge. "Soweit es möglich ist, versuchen wir die Jungs zum Training und den Heimspielen zu fahren, weil wir deutlich sehen, welchen Zugewinn sie aus dem Sport mit der dort gelebten Kameradschaft ziehen", so Röck.

"Um derartige Erfolge zu erzielen, muss man bekanntlich zunächst in Vorleistung gehen", so das Credo von Initiatorin Christine Haas. Den Herausforderungen hat sich der FC gestellt. "Beispielsweise ist der bürokratische Aufwand ziemlich hoch, um die Jugendlichen aus Syrien oder Afghanistan hierzulande in den offiziellen Spielbetrieb zu bekommen", so Dannerbauer rückblickend. Dennoch hat der umtriebige Spartenleiter alle Hürden gemeistert. "Nun kennen wir die Vorgänge und Erfordernisse, es sind alle spielberechtigt", freut sich Dannerbauer, der auch ein Stück weit Verständnis für die strengen Regularien zum Erlangen eines Spielerpasses zeigt.
Seit rund einem Jahr sind auch in Rinchnach Flüchtlinge untergebracht. Zunächst in einer Gemeinschaftsunterkunft im Ortsteil Rosenau. Auch hierhin hat Christine Haas, zusammen mit dem Rinchnacher Johann Grimm schnell Kontakte geknüpft. Die Leidenschaft der Untergebrachten war die selbige - Fußball. Auch hier ist der Integrationsprozess mit dem FC in vollem Gange. Nur ein Beispiel: Mohammad und Hamzhe, beide in Rinchnach beheimatet und allzu gerne auf dem Fußballplatz, unterstützen Peter Haas mit größtem Eifer bei der regelmäßigen Platzpflege.

"Die Jungs sind top, sie fühlen sich wohl bei uns und sind sowohl menschlich als auch sportlich eine absolute Bereicherung für den Verein", resümiert Peter Haas. Und die Erfolgsstory geht weiter. "Die Flüchtlinge organisieren sich untereinander und bringen ab und an auch neue Gesichter mit", weiß Initiatorin Christine Haas. Sie hofft vor allen Dingen, dass die Jugendlichen auch längerfristig in der Region bleiben.

Foto/Bericht: Sebastian Egner, FC Rinchnach

 

 
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