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Teamarbeit für den Amateurfußball

Letzte Aktualisierung: 29. April 2013

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Die Verbandsspitze beim intensiven Gedankenaustausch während der Klausurtagung

Eine Situationsanalyse der Fußballvereine anhand des Sportentwicklungsberichts, die Ergebnisse der Runden Tische zur Zukunft des Jugendfußballs, Verbandsfinanzen, Frauenfußball, Relegationsmodelle im Herrenspielbetrieb auf Verbandsebene, Bildungsarbeit, die Situation der bayerischen Schiedsrichter: Das Programm der zweitägigen Klausurtagung des BFV-Vorstandes in Würzburg war wieder prall gefüllt, intensives Arbeiten für die Zukunft des bayerischen Amateurfußballs stand auf dem Plan.

"Die Klausurtagung steht natürlich schon im Zeichen der Kreis- und Bezirkstage und des Verbandstages im nächsten Jahr. Wir wollen fortsetzen, was wir vor drei Jahren begonnen haben, nämlich die intensive Zusammenarbeit mit den Vereinen unter dem Motto ,Verband und Vereine - ein Team'. Eine der zentralen Fragen ist sicher, wie wir unter den veränderten Rahmenbedingungen im beruflichen und familiären Umfeld das Ehrenamt zukunftsfähig machen können, wenn zugleich die Anforderungen an Funktionäre immer größer werden", betonte BFV-Präsident Dr. Rainer Koch.

Sportentwicklungsbericht 2011/12: Vereine haben geringe Mitgliedsbeiträge

BFV-Geschäftsführer Jürgen Igelspacher präsentierte zu Beginn der Klausurtagung wesentliche Ergebnisse des Sportentwicklungsberichts (2011/12), den die Deutsche Sporthochschule Köln regelmäßig im Auftrag des Deutschen Fußball-Bundes erstellt. Zu den wesentlichen Zielen der reinen Fußballvereine zählen demnach die Vermittlung von Werten, die preiswerte Möglichkeit, Sport zu treiben und Menschen mit Migrationshintergrund Sport zu ermöglichen. Im Vergleich zu den Mehrspartenvereinen sind die Bereiche "Ältere Personen im Sport" sowie "Gesundheitssport" bei reinen Fußballvereinen weniger in der Vereinsphilosophie verankert.

Der Mitgliedsbeitrag lag zum Zeitpunkt der Erhebung im Durchschnitt bei zwei Euro pro Monat für Jugendliche und 4,50 Euro für Erwachsene (reine Fußballvereine). "Das ist wirklich wenig für die Erwartungen, die an einen Verein gestellt werden", betonte Igelspacher. Verbesserungspotential sah der BFV-Geschäftsführer in der Beratung der Vereine beim Aufbau von Schul-Kooperationen. Über 50 Prozent gaben in der Studie an, dass ihnen die Angebote der Sportverbände unbekannt seien.

84 Prozent der reinen Fußballvereine haben laut Sportentwicklungsbericht eine ausgeglichene Einnahmen-Ausgabe-Situation, 16 Prozent weisen ein Defizit aus. Zu den wesentlichen Ausgaben zählen Zahlungen an Trainer, Übungsleiter und Sportler sowie Unterhalts- und Betriebskosten für eigene Sportanlagen. Als große Probleme nennen viele Fußballvereine neben der finanziellen Situation die Bindung und Gewinnung ehrenamtlicher Mitarbeiter, Übungsleiter und Schiedsrichter sowie die demografische Entwicklung und die örtliche Konkurrenz durch andere Sportvereine.

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Verbands-Spielleiter Josef Janker erläutert mögliche neue Modelle bei den Auf- und Abstiegsregelungen

"Die Vereine haben in der Studie auf der einen Seite viele Probleme aufgelistet. Zugleich sagen aber zahlreiche Klubs, dass ihr Verein so bleiben soll wie er immer war. An dieser Stelle müssen wir uns intensiv Gedanken machen, denn die Menschen heute wollen nicht mehr ausschließlich die gleichen Angebote wie vor zehn, 20 oder 30 Jahren", machte BFV-Präsident Koch deutlich, dass es wichtig sei, Althergebrachtes ohne Denkverbote auf den Prüfstand zu stellen, Problemlösungen und Visionen mit den Vereinen gemeinsam zu entwickeln und diese schrittweise, aber zielgerichtet in die Tat umzusetzen.

Runde Tische zum Thema Jugendfußball: Spielgemeinschaften flexibilisieren

500 Vereinsvertreter  haben im Rahmen der Kampagne "Pro Amateurfußball" an den 24 bayernweiten Runden Tischen zur Zukunft des Jugendfußballs teilgenommen. Als Schwerpunkte haben sich die Themen Spielgemeinschaften und Jugendfördergemeinschaften, Übergang der Junioren in den Herrenspielbetrieb, Fairplay-Liga bei den G- und F-Junioren, Trennung von Leistungs- und Breitenfußball  und dezentrale Ausbildungsmöglichkeiten für Juniorentrainer herausgestellt. "Wir wollen den Vereinen so schnell wie möglich, aber auch so nachhaltig wie möglich helfen und insbesondere die Spielgemeinschaften mehr an die Bedürfnisse der Vereine anpassen", erklärte Verbands-Jugendleiter Karl-Heinz Wilhelm. Dazu soll bei den Spielgemeinschaften zum Beispiel die Spielerliste abgeschafft und die Spielklassenobergrenze angehoben werden. Die Fair-Play-Liga wird als Pilotprojekt ab Sommer voraussichtlich in nahezu allen BFV-Kreisen getestet, eine mögliche Einführung soll bei den Kreis- und Bezirkstagen zur Abstimmung kommen. Der Vorstand war sich einig, dass bei der Entwicklung neuer Rahmenbedingungen für den Jugendfußball auch die großen Unterschiede zwischen Ballungsräumen und ländlichen Regionen bedacht werden müssen. Bis zu den Kreis- und Bezirkstagen bzw. dem Verbandstag im kommenden Jahr soll ein neues BFV-Jugendkonzept erarbeitet werden.

Frauenfußball: Kein Reformbedarf bei Spielklassenstruktur

Silke Raml, Vorsitzende des Verbands-Frauen- und Mädchen-Ausschusses, stellte die aktuelle Spielklassenstruktur des Frauenfußballs in Bayern vor. "Aktuell sehen wir nach Rücksprache mit den Bezirken und Vereinen hier keinen Reformbedarf", informierte Raml, die zugleich berichtete: "Wir erkennen grundsätzlich im bayerischen Frauenfußball eine Tendenz zur Verlagerung vom Leistungsbereich in den Freizeitbereich. Die weitere Entwicklung werden wir genau beobachten und die Erkenntnisse in unsere zukünftige Arbeit einfließen lassen."

Relegation im Herrenspielbetrieb auf Verbandsebene

Weniger Direktabsteiger, mehr Relegationsteilnehmer und dadurch länger Spannung im Abstiegskampf bis zum Saisonende sowie möglichst viele attraktive Spiele in der bundesligafreien Zeit - auf der Basis dieser Grundgedanken präsentierte Josef Janker Relegationsmodelle für den Herrenspielbetrieb auf Verbandsebene. "Wir diskutieren alle Vorschläge mit den Vereinen und beziehen sie in die Entscheidungsfindung ein", betonte der Verbands-Spielleiter.

In der Regionalliga Bayern könnten zukünftig nur noch der Tabellenletzte direkt absteigen und die vier davor stehenden Mannschaften gemeinsam mit den beiden Tabellenzweiten der Bayernliga eine einfache Relegationsrunde mit fünf Spielen "jeder-gegen-jeden" austragen. Die drei bestplatzierten Regionalligisten hätten drei Heimspiele, die anderen Vereine zwei Heimspiele. Nach fünf Spielen ergäbe sich eine Abschlusstabelle, der die konkret für die neue Regionalliga-Saison benötigten Vereine entnommen werden könnten (abhängig von der Zahl der Aufsteiger in und Absteiger aus der 3. Liga).
In der Bayernliga wäre ein Modell mit zwei Festabsteigern (Platz 18 und 17) und einer Relegation denkbar, an der jeweils die drei Mannschaften von Platz 14 bis 16 der beiden Bayernligen teilnehmen, plus dem am schlechtesten platzierte Bayernliga-Dreizehnte und die fünf Landesliga-Zweiten. Die insgesamt zwölf Mannschaften würden dabei auf zwei Sechsergruppen aufgeteilt. Die Relegation zwischen Landesliga und Bezirksliga könnte in zwei K.o.-Runden in regionalen Gruppen mit Hin- und Rückspiel ausgetragen werden.

Neuer Bildungsplan mit allen BFV-Angeboten soll entstehen

BFV-Vizepräsident Volker Wedel stellte die inhaltliche Zielsetzung der zukünftigen BFV-Bildungsarbeit vor. "Wir wollen die Vereine mit den vorhandenen und neuen Qualifizierungsangeboten noch stärker dabei unterstützen, durch gut ausgebildete Vereinsmitarbeiter die Grundlagen für ihre eigene Zukunft legen zu können", erklärte der Vorsitzende des BFV-Bildungsausschusses. Zu den fünf Zielgruppen gehören die Vereinsmitarbeiter der Fußballpraxis (u.a. Trainer und Betreuer), Vereinsfunktionäre mit Organisations- und Verwaltungsaufgaben (u.a. Vorstand, Schatzmeister, Abteilungsleiter) und zudem die Schiedsrichter, BFV-Funktionäre und hauptamtlichen Mitarbeiter des Verbandes. Alle Angebote des BFV sollen in einem neuen Bildungsplan zusammengefügt werden.

Schiedsrichterbefragung: Ergebnisse sind Basis für neue Maßnahmen

Verbands-Schiedsrichterobmann Rudolf Stark ging im Rahmen der Klausurtagung auf die Ergebnisse der BFV-Schiedsrichterbefragung (siehe hier) ein. Die hatte gezeigt, dass sich Bayerns Schiedsrichter einerseits sicher fühlen und bisher nur in den seltensten Fällen (nur vier von 1060 antwortenden Schiedsrichtern) bislang selbst tätlich attackiert worden sind. 90 Prozent aller Schiedsrichter bestätigen dies ausdrücklich in ihren Antwortschreiben. Gleichzeitig äußerten aber andererseits über 40 Prozent, dass sie sich Sorgen machen. Zudem beklagen sie in starkem Maße verbale Attacken von Zuschauern und Vereinsverantwortlichen. Insgesamt 50 Prozent sehen im Verhalten von Spielern, Trainern, Funktionären, Zuschauern und Eltern das größte Problem. 

Die Ergebnisse der Umfrage sind eine wichtige Grundlage für die neue Arbeitsgruppe "Schiedsrichter" im Rahmen der Kampagne "Pro Amateurfußball" sowie die Arbeit des Verbands-Schiedsrichter-Ausschusses. "Wir machen uns intensiv Gedanken, wie wir die Schiedsrichter noch besser unterstützen können", erklärte Stark.

Mögliche neue Maßnahmen, die momentan intensiv diskutiert werden, könnten zum Beispiel unter anderem eine Schiedsrichter-Prüfung sowie anschließende Spielleitungen für Trainer, Ganz-Jahres-Aktionen "Gemeinsam und Fair", die Benennung von Vereinsverantwortlichen für Schiedsrichter, eine Respekt-Kette, die verstärkte Schulung und Einweisung der Vereins-Ordnungsdienste, ein verstärktes Coaching für Nachwuchsschiedsrichter, Paten für Schiedsrichter-Neulinge und Persönlichkeitsschulungen für Schiedsrichter sein. Um die Kommunikation aller Beteiligten untereinander zu verbessern und verschiedene Vorschläge gemeinsam zu besprechen, werden aktuell bayernweit Runde Tische mit Schiedsrichtern und Vereinsvertretern geplant.

 
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