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Ausbildungsentschädigung bei Vereinswechseln von Vertragsspielern

Die auf ehrenamtlichem Engagement beruhende Nachwuchsarbeit in den Amateurvereinen bildet das Fundament des deutschen Fußballs. In über 4.500 bayerischen (deutschlandweit knapp 26.000) Vereinen wird viel Zeit und Geld in die Betreuung und Ausbildung des Fußball-Nachwuchses investiert. Regelmäßig werden auch im Amateurbereich die besten Spieler von höherklassigen Vereinen abgeworben.

Ob die abgebenden Vereine eine Ausbildungs- und Förderungsentschädigung für ihren Aufwand erhalten, hängt maßgeblich von der Zahlungsbereitschaft des aufnehmenden Vereins ab:

  • Anmerkung zur Wartefrist: Verzichtet der aufnehmende Verein auf eine sofortige Spielerlaubnis für Verbandsspiele und nimmt die vorgeschriebene Wartefrist gemäß der BFV-Spielordnung in Kauf, muss keine Ausbildungsentschädigung gezahlt werden.
  • Problemfall Vertragsspieler (ehem. Vertragsamateur bzw. Nicht-Amateur ohne Lizenz): Schließt der aufnehmende Verein in Vereinswechselperiode I (Sommer) für den verpflichteten Spieler einen Vertragsspielervertrag (umgangssprachlich: Amateurvertrag) ab, entfällt die Ausbildungsentschädigung.

Hintergrund

Bis Juni 2005 haben die kleineren Vereine beim Vereinswechsel von einem anderen System der Ausbildungsentschädigung stärker profitiert. Um zu verhindern, dass fertig ausgebildete Talente von anderen Vereinen zum Nulltarif abgeworben werden können, war der aufnehmende Verein im Sinne eines Interessenausgleichs gemäß der DFB-/BFV-Spielordnung verpflichtet, für den von ihm zum Vertragsspieler gemachten unter 23-jährigen Spieler eine Ausbildungsentschädigung an die Vereine zu bezahlen, für die der Spieler innerhalb der letzten fünf Jahre vor der Verpflichtung spielberechtigt war. 

Dieses deutschlandweit im Fußball akzeptierte System zum Ausgleich von Ausbildungskosten für junge Fußballspieler und -spielerinnen, die nach ihrer Ausbildung als Vertragsspieler zu einem höherklassigen Verein wechseln, wurde mit einem Urteil des OLG Oldenburg vom 10. Mai 2005 außer Kraft gesetzt. 

Nach einer Klage des VfB Oldenburg gegen den SV Wilhelmshaven (beide Niedersächsischer Fußball-Verband), der die Zahlung von Ausbildungsentschädigungen für fünf verpflichtete Spieler verweigerte, erklärte das Gericht das gut funktionierende System als verfassungswidrig, da es gegen Artikel 12 des Grundgesetzes verstoße und die Freiheit der Berufswahl der betroffenen Spieler ungerechtfertigt einschränke.

Rechtliche Auswirkungen/Folgen des Urteils

Der Deutsche Fußball-Bund musste in der Folge die entsprechenden Bestimmungen und damit einen wichtigen Anreiz zur Nachwuchsarbeit für die kleineren Vereine aus der Spielordnung streichen. Da es sich hierbei um Bestimmungen im allgemein verbindlichen Teil der DFB-Spielordnung handelte, waren auch der BFV sowie alle weiteren Landesverbände dazu verpflichtet, die entsprechenden Bestimmungen in seinen/ihren Ordnungen aufzuheben.

Was ist seitdem passiert? Welche Position nimmt der BFV ein?

  • Unmittelbar nach der Urteilsverkündung hat sich der BFV in einer Presseerklärung gegen die Rechtsauffassung des OLG Oldenburg ausgesprochen, welches das Recht des einzelnen Nachwuchsspielers auf freie Berufswahl als vorrangig gegenüber den Interessen der abgebenden (zumeist kleineren) Amateurvereine auf -ohnehin nur teilweisen- Ersatz der ihnen entstandenen Ausbildungskosten erklärt hat. Übersehen wird nach Meinung des BFV hierbei, dass jeder einzelne der betroffenen Spieler gar keine Chance hätte, den Fußball zu seinem Beruf zu machen, wenn nicht über viele Jahre hinweg zahllose Jugendtrainer in ihrer Freizeit sich um seine qualifizierte Ausbildung gesorgt hätten.

Den kompletten Wortlaut der BFV-Presseerklärung vom Mai 2005 finden Sie unten

  • BFV-Präsident Dr. Rainer Koch hat am 11. Mai 2005 das Urteil in einer Stellungnahme wie folgt bewertet:
    "Es zerstört ein deutschlandweit im Amateur- und Lizenzfußball akzeptiertes und bestens bewährtes System zum Ausgleich von Ausbildungskosten für junge Fußballspieler, die nach ihrer Ausbildung als Vertragsamateur zu einem höherklassigen Verein wechseln."
    (.)
     "Einmal mehr müssen sich die ehrenamtlichen Jugendmitarbeiter in den Fußballvereinen fragen, wofür sie ihre Arbeit machen, wenn andere Vereine die von ihnen fertig ausgebildeten Nachwuchsspieler zum Nulltarif abwerben können."
  • Der BFV steht auf der Seite der vielen kleineren Vereine, die eine gute Ausbildungsarbeit leisten, aber dafür vielfach nicht entlohnt werden, weil sehr gute Spieler zu einem anderen Verein wechseln und durch Abschluss eines Vertragsspielervertrages die Ausbildungsentschädigung entfällt.
  • Der BFV hat das Urteil nicht einfach hingenommen, sondern ist bemüht, die bestehenden Lücken im System zu schließen. Dabei müssen sich der Bayerische Fußball-Verband und der DFB jedoch an die Grundsätze der staatlichen Gerichtsbarkeit halten. Auch eine separate bayerische Lösung des Problems ist ausgeschlossen, da der BFV an eine bundeseinheitliche Regelung gebunden ist. Eine Änderung der Vorschriften ist demnach nur über den DFB-Bundestag zu erreichen. Dies ist auf dem Bundestag 2010 geschehen (siehe unten).

Die aktuellen Bestimmungen zum Vereinswechsel von Amateur- und Vertragsspielern (BFV-SpO, § 47 ff. u. § 53 ff.) finden Sie hier.

BFV-Presseerklärung zur Ausbildungsentschädigung
Stand: 29.09.2009 | PDF (13 kB)
 

Neuerungen 2010 zugunsten der abgebenden Vereine

Auf dem DFB-Bundestag im Oktober 2010 in Essen wurde eine Anpassung beschlossen, die den Talentschutz im Rahmen der rechtlichen Möglichkeiten deutlich verbessert und den abgebenden Vereinen zu Gute kommt. So wurde zum einen das Mindestgehalt für einen Vertragsspieler auf den nach aktueller EU-Rechtsprechung maximal vertretbaren Betrag in Höhe von 250 Euro angehoben (100 Euro mehr als bisher) und zugleich die Möglichkeit geschaffen, über die gesamte Vertragslaufzeit zu prüfen, ob die fälligen Sozialversicherungsbeiträge ordnungsgemäß abgeführt werden. Dies war bisher nur sehr eingeschränkt möglich.

Eine Arbeitsgruppe unter dem Vorsitz von BFV-Präsident Dr. Rainer Koch, der sich im Kampf für eine gerechte Ausbildungsentschädigung seit Jahren auf die Seiten der kleinen Vereine stellt, hatte diese Anpassungen ausgearbeitet. "Wir waren es den vielen tausend kleinen Vereinen schuldig, der Entwicklung, lieber einen Spielerzum Vertragsspieler zu machen als die Ausbildungsentschädigung zu zahlen, im Rahmen der mit dem EU-Recht zu vereinbarenden Möglichkeiten einen Riegel vorzuschieben und gerade in den unteren Amateurklassen eine Verbesserung herbeizuführen", ist Dr. Koch froh über den DFB-Bundestags-Beschluss. Die neue Regelung tritt bereits zum nächstmöglichen Zeitpunkt, dem 1. Juli 2011, in Kraft. Ein Vertragsspieler kostet dann mindestens 3000 Euro pro Jahr, zuzüglich Steuer- und Sozialabgaben.

 
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