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Knut Kircher Gast bei Karfreitagsvesammlung

Letzte Aktualisierung: 27. April 2017

(IB) - Die "Freude am Entscheiden", wie er seinen Vortrag überschrieben hatte, kann auch schnell getrübt sein. Beispielsweise bei dem fatalen Elfmeterpfiff im Spiel des FC Bayern gegen den FC Augsburg kurz vor Schluss aus der Vorsaison, der den Münchnern den Sieg brachte. "Wenn dann unmittelbar nach Spielschluss vier Fernsehanstalten auf einmal Interviewanfragen stellen, dann ist klar, dass irgendwas faul ist", gestand Knut Kircher. Er war zu Gast bei den Ostallgäuer Schiedsrichtern und plauderte bei ihnen aus dem Nähkästchen des Bundesliga-Alltags. Obmann Jürgen Hecht hatte den früheren Fifa-Schiedsrichter nach Altdorf eingeladen und damit einen Coup gelandet. Es war der Höhepunkt der gut zweistündigen Veranstaltung, abgerundet mit zwei besonderen Ehrungen, Fisch- und Kässpatzenessen. Der ehemalige Bundesliga- und Fifa-Schiedsrichter stammt aus dem Schwabenländle. Kircher, Jahrgang 1969, wohnt in der Nähe von Rottenburg am Neckar. Er begann seine Kariere mit 17 Jahren. 2002 stieg er in die Bundesliga-Elite auf und hatte 2004 erstmals als Fifa-Unparteiischer internationale Einsätze. Insgesamt 244 Bundesliga-Spiele leitete er, 2012 wurde er zum Schiedsrichter des Jahres gewählt. 

Er machte Mut zur "Freude am Entscheiden". In erster Linie gehe es um Wahrnehmung und Vermittlung von Entscheidungen. "Nicht immer ganz einfach", gestand der fast zwei Meter große Hüne. Sei es bei besagtem Bayern-Spiel oder bei der verbalen Zurechtweisung des Löwen-Spielers Christopher Schindler im Relegationsrückspiel des TSV 1860 München gegen Holstein Kiel in der Saison 2014/15, als Schindler versuchte, mit einer Schwalbe einen Elfer zu ergaunern. "Ich wusste, er war gelb vorbelastet. Ich musste schnell entscheiden: erneut gelb und damit Ausschluss oder verbaler Einlauf - für alle ersichtlich? Die zweite Variante schien mir angebracht. Wir standen uns gegenüber, mein Zeigefinger auf seiner Brust, um ihn auf Distanz zu halten, dann Nettigkeiten ausgetauscht mit der klaren Ansage: Noch so ein Ding und Du gehst duschen", sprudelte es aus dem sympathischen Schwaben nur so heraus. Doch diese Entscheidung hatte einen Haken. Er bekam direkt von einer großen Boulevard-Zeitung aus Hamburg einen Anruf. "Wenn die einen Schiedsrichter abfeiern wollen, dann sollten spätestens sämtliche Alarmglocken schrillen", sagte der Vater von drei Kindern scherzhaft. 

Die weiteren Anforderungen, die auf einen Bundesliga-Schiedsrichter im Schnitt je Spiel zukommen: rund zwölf bis 14 Kilometer Laufleistung, 250 bis 300 Entscheidungen und der Körper muss eine durchschnittliche Herzfrequenz von 168 Schlägen verkraften. Außerdem nehmen 50 Kameras aus den unterschiedlichsten Blickwinkeln jede einzelne Szene genau unter die Lupe. "Und dabei können sich sogenannte Experten über angeblich klare Situationen auch nach vier verschiedenen Zeitlupen nicht einigen", konnte sich Kircher einen Seitenhieb auf alle "Bundestrainer" nicht verkneifen und brachte damit zum Ausdruck, wie schwer dieser Job ist. Nach mehr als einer Stunde kurzweiligem Vortag, mit vielen Videoszenen aus dem Bundesliga-Alltag untermalt, beendete Kircher seinen Vortrag unter tosendem Applaus der Ostallgäuer Kollegen. Obmann Hecht bedankte sich und überreichte als Gastgeschenk einen Korb mit Allgäuer Schmankerln, darunter ein Schiedsrichter-Fan-Schal. 

Hecht ehrte mit einem Präsent zudem zwei verdiente Schiedsrichter, die aus Altersgründen nicht mehr aktiv pfeifen: Manfred Hecht vom SV Pforzen für 30-jährige und Franz Gärtner vom TSV Oberbeuren für 50-jährige Schiedsrichtertätigkeit. Natalie Hecht erhielt vom Verband eine besondere Ehrung. In der vom DFB mitinitiierten Aktion "Danke Schiri" wurde sie in der Kategorie "Schiedsrichter Frauen" für besondere Tätigkeit im Ehrenamt ausgezeichnet. Als ehemalige Aktive betreut sie die Neulinge und bereitet diese auf ihre ersten Einsätze vor. Zudem unterstützt die Geehrte den Vorstand in administrativen Bereichen. 

 
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