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Karfreitagsversammlung mit Herbert Fahndel

Letzte Aktualisierung: 22. Mai 2019


Gastgeschenk für Herbert Fahndel - Bild: Florian Faab

Mit dem ehemaligen Top-Schiedsrichter Herbert Fandel kam ein Gast zur Schiedsrichtergruppe Ostallgäu, an den sich selbst die jüngeren Schiedsrichter der Gruppe Ostallgäu gut erinnerten. So sehr hatten sich Szenen aus Fandels Karriere in ihr Gedächtnis eingegraben. Und der ehemalige Fifa-Schiedsrichter, den Obmann Ingo Weber in Altdorf begrüßte, sorgte mit seinen Erinnerungen für gebannte Zuhörer.

Mit einem kurzweiligen und humorvollen Vortrag zog Fandel seine Ostallgäuer Kollegen in seinen Bann. Bereits als zwölfjähriger leitete er ein C-Jugend-Spiel. In seiner aktiven Zeit als hochklassiger Unparteiischer  - viermal war er in Deutschland Schiedsrichter des Jahres - pfiff er bedeutende Partien. Neben zwei

DFB-Pokal-Finals bleiben zwei weitere Ereignisse in seiner Vita als Karrierehöhepunkte präsent: das Champions-League-Endspiels 2007 zwischen dem FC Liverpool und dem AC Mailand sowie die Berufung für die Euro 2008 in Österreich und der Schweiz. Drei Partien leitete Fandel dort, unter andrem das Viertelfinale zwischen Italien gegen Spanien.

Geprägt haben den heute 55-Jährigen aber auch zwei andere Begegnungen - zum einen das Qualifikationsspiel zur Euro 2008 zwischen Dänemark und Schweden. Schweden hatte zunächst 3:0 geführt, ehe Dänemark zum 3:3 ausglich. Doch in der 89. Minute kam es zum Eklat. Im Rücken von Fandel, jedoch von seinem Assistenten beobachtet, beging der Däne Christian Poulsen im eigenen Strafraum eine Tätlichkeit an seinem Gegenspieler. Die Folge: Rote Karte und Elfmeter. Zur Ausführung des Strafstoßes kam es nicht, weil ein stark alkoholisierter Dänemark-Fan den Platz stürmte und Fandel niederschlug, "Uhrzeit, Spielstand oder sonstige Umstände spielen keine Rolle. Ein tätlicher Angriff auf einen Schiedsrichter lässt nur eine Entscheidung zu: Abbruch", beschrieb Fandel die Situation. Morten Olsen, damals Dänemarks Coach, war über diesen Vorfall so schockiert, dass er sich nach Spielschluss in Fandels Kabine begab und dafür entschuldigte. "Ein harter Hund wie Olsen sitzt in meiner Kabine und heult wie ein kleines Kind, weil er sich so schämte. Das bleibt mir ewig in Erinnerung", sagt Fandel.


Gruppenführung mit Herbert Fahndel - Bild: Florian Faab

Die zweite denkwürdige Partie als Schiedsrichter war das Bundesliga-Spiel Rostock gegen Ulm. Vier Rote Karte verteilte Fandel - alle für Ulmer Spieler. Auch Ulms Trainer und den Sportdirektor verwies Fandel auf die Tribüne. "Da war Feuer unterm Dach. Mein damaliger Chef zog mich anschließend für zwei Wochen aus dem Verkehr, um mich der medialen Meute nicht zum Fraß vorzuwerfen", erinnerte sich Fandel.

Nationalspieler Miroslav Klose hinterließ bei Fandel ebenfalls bleibenden Eindruck. Klose, damals im Trikot von Werder Bremen, bekam im Spiel gegen Bielefeld einen Elfmeter zugesprochen. Die Aktion war umstritten, und nach Rückfrage bestätigte Klose, dass es kein Strafstoß war. "Einen Top-Fußballer wie Klose mit so viel Respekt und Anstand findet man im heutigen Profi-Fußball leider immer seltener", meinte Fandel.

Sein Lebensmotto "Zufrieden zurückgeblickt, nach vorne gelebt!" habe nicht nur mit seiner Karriere zu tun, sondern sei stets Leitfaden für sein Tun und Handeln. Für Fandel hat oberste Priorität, in seinen Ausführungen akzeptiert zu werden - vorausgesetzt, die Leistung stimmt. "Kompetenz musst du dir erarbeiten, Erfahrung kommt von selbst, Persönliches baut sich auf. Aber Akzeptanz ist für mich das zentrale Element der Mitarbeit."

Heute coacht Fandel fünf Elite-Schiedsrichter und ist Mitglied der europäischen Schiedsrichter-Kommission. Mit einer kleinen Fragerunde endet sein Vortrag.

Autor: Ingmar Beutel 

 

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