Während vor allem im Jugendfußball die Spieler und Mannschaftszahlen bayernweit zurückgehen und die demografische Entwicklung die Vereine vor große Zukunftsherausforderungen stellt, schreibt der Schiedsrichterbereich weiter neue Rekordzahlen. Knapp 16500 Referees, so viele wie nie zuvor, sorgen auf Bayerns Sportplätzen aktuell für einen geregelten Spielablauf. Im BFV-Interview spricht Verbandsschiedsrichterobmann Rudolf Stark über das Erfolgsgeheimnis, die Arbeit in den SR-Gruppen und seine Erwartungen an die Vereine.
In den letzten vier Jahren hat der BFV über 1500 neue Schiedsrichter gewonnen, 16464 bayerische Referees im Januar 2011 sind neuer Rekord. Es sieht so aus, als müsse man sich bei solchen Zahlen um das bayerische Schiedsrichterwesen keine Sorgen machen.
Rudolf Stark: Die neue Statistik stimmt mich in der Tat optimistisch. Auch im Frauenbereich haben wir mit 590 Schiedsrichterinnen einen neuen Spitzenwert erreicht. Ich denke, wir haben unsere Hausaufgaben gemacht, müssen jetzt aber auch weiterhin intensiv daran arbeiten, die hohe Zahl an Schiedsrichtern und Schiedsrichterinnen zu halten.
Was ist das Erfolgsgeheimnis der Schiedsrichterarbeit in Bayern?
Rudolf Stark: Alle 73 Schiedsrichtergruppen kümmern sich intensiv und mit großem Engagement um den Nachwuchs und bieten unheimlich viele Neulingskurse an. In den ländlichen Regionen, wo die Anmeldezahlen natürlich nicht so hoch sind, wie in München oder Bamberg, versuchen wir, die Kurse gruppenübergreifend durchzuführen. Jeder, der gerne Schiedsrichter werden will, soll auch die Chance dazu bekommen. Auch beim Schiedsrichter-Erhalt haben wir große Fortschritte gemacht. Unsere zahlreichen Aus- und Fortbildungsangebote für die Obleute und Lehrwarte tragen jetzt Früchte. Die Idee ist einfach und effektiv: Schon bei ihrem ersten Einsatz werden unsere jungen Schiedsrichter von erfahrenen Kollegen begleitet, damit sie die Pfeife bei möglichen Anfangsschwierigkeiten nicht gleich wieder an den Haken hängen.
In welchen Bereichen gibt es denn auch bei den Schiedsrichtern noch Potential?
Rudolf Stark: Bei den Herren sind wir im obersten Leistungsbereich mit sechs Bundesliga- und vier FIFA-Schiedsrichtern schon jetzt erstklassig aufgestellt. Bei den Frauen hingegen haben wir viele Schiedsrichterinnen mit großem Potential, die aber noch nicht den Sprung in die 1. oder 2. Bundesliga geschafft haben. Da würde ich mir schon die eine oder andere bayerische Schiedsrichterin mehr im deutschen Spitzenfußball wünschen. Im Amateurfußball gibt es zwei große Ziele: Wir arbeiten zum einen intensiv daran, dass alle Frauenspiele in Bayern auch von Frauen geleitet werden können, zum anderen wollen wir alle Spiele bis einschließlich der D-Junioren klassenunabhängig mit geprüften Schiedsrichtern oder zumindest mit geschulten Spielleitern besetzen. Aktuell pfeifen bei unseren jüngsten Fußballern gerade auf dem Kleinfeld oft Vereinsvertreter oder Eltern, die sich in ihrer Freizeit ehrenamtlich zur Verfügung stellen. Für diesen Kreis bieten wir jetzt eine Grundausbildung zum "Kleinfeld-Spielbeauftragten" an.
Wie bewerten Sie die Zusammenarbeit zwischen Schiedsrichtern und Vereinen?
Rudolf Stark: Klar ist: Wir brauchen für den Erhalt unserer Schiedsrichterzahlen auch die Vereine. Das gilt für die Neugewinnung genauso, wie für das Miteinander auf und neben dem Platz. Ein vernünftiger und respektvoller Umgang ist ganz wichtig. Da stehen wir in ständigem Kontakt mit den Vereinen. In den meisten Fällen klappt das Zusammenspiel reibungslos. Manchmal wünsche ich mir aber mehr Verständnis.
Das heißt?
Rudolf Stark: Fußball bedeutet Emotionen. Die Sache ist nur: Wenn jeder, der sich so richtig über eine Schiedsrichter-Entscheidung aufregt, bereit wäre, selbst die Pfeife in die Hand zu nehmen, hätten wir bis in die unterste Spielklasse wahrscheinlich sogar Linienrichter. Aber ganz im Ernst: Jeder weiß doch, wie groß die Herausforderung ist, ein Spiel über 90 Minuten fehlerfrei zu leiten. Und jedem muss klar sein, dass Angriffe oder Beleidigungen besonders für Neulinge Gift sind. Von motivierten, jungen Schiedsrichtern und Schiedsrichtern profitieren wir alle.














