Header Image - 2012

Wir wollen zu den Top-Teams aufschließen

Letzte Aktualisierung: 20. September 2012

klicken zum Vergrößern

Endlich ist es soweit: Nach dreiwöchiger Verzögerung greifen am dritten Spieltag alle Mannschaften in die 23. Saison der Frauen-Fußball-Bundesliga ein. Eigentlich war der Saisonstart für Anfang September geplant, doch die U20-WM und eine Länderspielpause sorgten für Aufschub.Thomas Wörle, der als Spieler unter anderem für den FC Augsburg, den TSV 1860 München II, die Kickers Offenbach und die SpVgg Greuther Fürth aktiv war und seit 2010 Bayern-Trainer ist, sprach mit dem Bayerischen Fußball-Verband vor dem Ligaauftakt der Bayern-Frauen gegen Jena über die Schwierigkeiten in Zusammenhang mit dem verzögerten Saisonstart, das Potenzial seiner jungen Mannschaft und die Erwartungen für die kommende Spielzeit:


Am 23. September startet auch für Bayern endlich die Bundesliga-Saison. Freuen Sie sich darauf?

Ich freue mich sehr und auch die Mannschaft kann den Saisonstart nicht mehr erwarten. Erst kam die U20-WM in die Quere, dann die Länderspielpause. Nach mittlerweile elf Wochen Vorbereitung wird es Zeit, dass es losgeht. Die Spannung ist groß.

Für die Trainingssteuerung ist der verzögerte Start eine Katastrophe. Inwiefern hat sich die Verzögerung auf ihre Arbeit ausgewirkt und wie haben Sie Ihr Team bei Laune gehalten?

Durch den verzögerten Start ist es natürlich nicht leicht, die Mannschaft auf den Punkt fit zu bekommen. Wir sind eigentlich davon ausgegangen, dass wir das erste Spiel bestreiten. Dass es jetzt erst los geht, ist nun mal so. Ich habe den Spielerinnen zwischendurch ein paar Tage frei gegeben und auch mal eine lockere Einheit eingebaut. Anders wäre eine so lange Vorbereitung körperlich nicht machbar.

Was erwarten Sie im Auftaktspiel gegen Jena?

Das wird ein ganz schweres Spiel. Bei der 1:2-Niederlage im ersten Saisonspiel gegen Frankfurt stand Jena kurz vor einer Sensation. Erst kurz vor Schluss hat das Team das entscheidende Gegentor bekommen. Ich habe das Spiel gesehen. Auf uns wartet ein Gegner, der sehr kompakt steht und aggressiv agiert. Wir selbst hingegen wissen noch nicht genau, wo wir stehen. Trotzdem wollen wir natürlich gewinnen.

Mit welchen Zielen starten Sie in die Saison?

Unser langfristiges Ziel ist es, den Abstand zu den Top-Mannschaften der Liga kontinuierlich zu verringern. Dafür müssen wir konstanter in unseren Leistungen werden. Das geht, vor allem mit einer so jungen Mannschaft, nicht von heute auf morgen. Nach Rang sechs im letzten Jahr wollen wir diesmal am Ende auf einem Platz zwischen vier und sechs landen.

Der Gewinn des DFB-Pokals in der Vorsaison kam für viele einigermaßen überraschend. Steigen mit dem Erfolg jetzt auch die Erwartungen?

Dass die Erwartungen steigen, ist im Sport doch ganz normal. Man darf aber nicht vergessen, dass unser Weg ins Finale relativ einfach war. Im Endspiel hat dann eben alles gestimmt. Wir haben einen perfekten Tag erwischt und Frankfurt war nicht ganz so gut drauf.

Im Pokal geht es bereits zum Auftakt wieder gegen den 1. FFC Frankfurt. Ein Traumlos oder hätten Sie sich einen einfacheren Gegner gewünscht?

Einerseits ist Frankfurt nominell die Übermannschaft der Liga und natürlich Favorit, andererseits freue ich mich auf das Spiel. Es ist schön, dass wir ein Heimspiel haben. Viele haben nach dem Finalsieg von einer Eintagsfliege gesprochen. Wir wollen aber auch diesmal den Frankfurterinnen Paroli bieten und eine Runde weiterkommen. Zu Hause ist einiges möglich. Zudem hatte Frankfurt zum Saisonstart auch so seine Probleme.

Nach der enttäuschenden Hinrunde, die durch viele Verletzungen bedingt war, hat die Mannschaft in der Rückrunde überzeugt. Nach Platz fünf 2011 und Platz sechs im letzten Jahr - Wann wollen Sie mit ihrer Mannschaft zu den Top-Mannschaften der Liga aufschließen?

Die Drucksituation nach der nicht so erfolgreichen Vorrunde war enorm. Nach der guten Rückrunde wäre es aber falsch zu denken, ganz oben mitspielen zu können. Da muss man die Kirche im Dorf lassen. Wir sind noch nicht soweit, dass wir mit unserer jungen Mannschaft über eine ganze Saison konkurrenzfähig sein können. Das dauert noch ein paar Jahre. Dennoch wollen wir schon jetzt den Top-Mannschaften Paroli bieten und gegen sie den einen oder anderen Punkt holen.

Gina Lewandowski und Katrin Hartmannsegger sind die einzigen Neuzugänge der Saison. Inwiefern verstärken die beiden Spielerinnen den Kader?

Gina Lewandowski kommt aus Frankfurt und wird uns in der Defensive mit Sicherheit weiterhelfen. Sie ist zweikampfstark, sehr aggressiv und bringt mit ihren 27 Jahren auch die nötige Erfahrung mit. Katrin Hartmannsegger ist aus der zweiten Mannschaft zu uns gestoßen. Sie ist eine junge, talentierte Spielerin, die in ihren Trainings- und Wettkampfleistungen noch konstanter werden muss. Sie muss um ihren Platz kämpfen.

Was erwarten Sie sich in der kommenden Saison von Lena Lotzen, die ja in Japan mit der U20-Nationalmannschaft eine sehr gute WM gespielt hat?

Lena ist eine fantastische Spielerin und hat das Potenzial, der Frauen-Bundesliga ihren Stempel aufzudrücken. Sie war wegen der Weltmeisterschaft jetzt aber fast fünf Wochen nicht bei der Mannschaft. Ich weiß noch nicht genau, wie ihr körperlicher Zustand derzeit ist. Wir müssen ihr Zeit geben, damit sie sowohl physisch als auch psychisch die Strapazen der letzten Wochen verarbeiten kann. Das ist bei jungen Spielerinnen unglaublich wichtig.

Wie schwer wiegt der Ausfall von Julia Simic?

Eine Spielerin wie Julia Simic würde jeder Mannschaft fehlen. Das Team ist es mittlerweile ja schon gewohnt, ohne Julia auskommen zu müssen. Dennoch wünschen wir uns, dass sie nach ihren zwei Kreuzbandrissen schnellstmöglich wieder fit wird. Mit ihr sind unsere Möglichkeiten größer. Sie bringt eine unglaubliche Kreativität in die Mannschaft, will jeden Ball haben und hat eine sehr gute Übersicht.

 
Spitzenvereine