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"Katastrophale Benachteiligung des Amateursports"

Letzte Aktualisierung: 28. Januar 2016

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Hessens Innenminister Peter Beuth, BFV-Präsident Rainer Koch und Christoph Schmidt vom Deutschen Sportwettenverband (v. l.) im angeregten Gespräch.

BFV-Präsident Rainer Koch hat am Mittwochabend und Donnerstagmorgen am parlamentarischen Abend der CSU-Fraktion bzw. dem parlamentarischen Frühstück der Oppositionsfraktionen im Bayerischen Landtag teilgenommen. Als Podiumsgast diskutierte er über das Thema "Spiel Regeln". Für den parlamentarischen Abend war auch der hessische Innenminister Peter Beuth angereist, der zu Beginn die fünf Leitlinien der hessischen Landesregierung für eine zeitgemäße Glücksspielregulierung vorstellte.

Beuth betonte dabei, dass die derzeitige Lage auf dem Glücksspielmarkt auf längere Sicht untragbar sei. Aus Sicht des Bayerischen Fußball-Verbandes (BFV) und damit des gesamten Amateurfußballs in Bayern interessant ist dabei vor allem die zweite Leitlinie, die die Aufhebung der Zahl der zu vergebenden Sportwettkonzessionen fordert. Nach dem Glücksspielstaatsvertrag vom 1. Juli 2012 sollte in einer siebenjährigen "Experimentierphase" der Sportwettenmarkt für 20 private Anbieter geöffnet werden, die sich beim Land Hessen über ein zweistufiges Bewerbungsverfahren für eine Konzessionen bewerben konnten. Dieses Verfahren wurde durchgeführt, die Konzessionsvergabe liegt derzeit jedoch auf Eis, da abgelehnte Bewerber gegen das Verfahren klagten. Das Verwaltungsgericht Wiesbaden urteilte im Mai 2015, dass das Verfahren intransparent gewesen sei und gegen die EU-Dienstleistungsfreiheit verstoßen habe. Aus diesem Grund verpflichtete das VG Wiesbaden das Land Hessen dazu, die Vergabe der Sportwettenkonzessionen an die 20 ausgewählten Bewerber vorerst zurückzustellen.

Unter der Verzögerung des Vergabeverfahrens leidet vor allem der Amateurfußball. Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) hat bereits 2012 einen Sponsoringvertrag mit dem staatlichen Wettanbieter ODS Deutschland (Oddset) abgeschlossen. Ohne eine gültige Konzession ist Oddset jedoch das Werben für Online-Wetten untersagt. Aufgrund dessen verschlechtert sich die Situation von Oddset gegenüber den privaten Wettanbietern zusehends. Denn deren nicht konzessionierten Angebote, die hauptsächlich im Internet zu finden sind, werden vom Staat derzeit toleriert. Die privaten Anbieter führen sogar Steuern an den Fiskus ab, obwohl ihr Angebot illegal ist. Im Jahr 2014 nahm der Bund 226 Millionen Euro aus der Wettsteuer ein.

Jährlich gehen Millionbeträge verloren

Bereits im Juli 2014 verabschiedete die Konferenz der Regional- und Landesverbände des DFB eine Resolution, in der sie den Stillstand im Vergabeverfahren beklagte und die Politik zum Handeln aufforderte. Sowohl den Bundesländern als auch dem Breitensport - und besonders dem Amateurfußball - gehen dadurch jährlich Millionenbeträge verloren. Bei der Podiumsdiskussion im bayerischen Landtag äußerte sich Koch sehr deutlich dazu: "Eine katastrophale Benachteiligung des Amateursports ist eingetreten. Der einzige Sportwettenanbieter, der nicht fungieren darf, ist der staatliche Anbieter ODS. Für den Amateursport kommt aber auch niemand anders als ein staatlicher Anbieter in Betracht." Durch die nicht erfolgte Umsetzung des Konzessionsverfahrens hätten der BFV und der Amateurfußball erhebliche finanzielle Einbußen hinnehmen müssen. "Allein der BFV hat in den vier Jahren fast eine Million Euro deswegen verloren."

Die weiteren Podiumsgäste Mathias Dahms (Präsident des Deutschen Sportwettenverbandes), Thomas Deissenberger (Geschäftsführer der Sky Media GmbH) und Matthias Kirschenhofer (Geschäftsführer der Sport1 Media GmbH) waren sich einig, dass der jetzige Zustand nicht akzeptabel sei und dringend eine rechtssichere Regulierung gefunden werden müsse. "Statt einer Begrenzung auf 20 Anbieter sollte jeder Anbieter, der die Richtlinien erfüllt, eine Konzession erhalten. Wir brauchen eine qualitative und keine quantitative Regulierung", so Hessens Innminister Beuth. "Die Festlegung auf 20 Anbieter ist unsinnig. Ich bin absolut dabei, eine qualitative Prüfung und Zulassung vorzunehmen", erklärte Deissenberger. Auch der anwesende bayerische Innenminister Joachim Herrmann schloss sich den Meinungen von Beuth und den anderen Podiumsgästen an. "Die Situation ist für alle Beteiligten nicht zufriedenstellend. Die Erwartungen, die mit dem Staatsvertrag verbunden waren, sind nicht in Erfüllung gegangen", so Herrmann.

Beuth betonte jedoch auch, dass eine Lösung nur gefunden werden könne, wenn die Ministerpräsidenten aller Länder einen Konsens erreichen: "Wir werben darum, dass das gelingt. Wenn wir uns mit Bayern einig werden, wäre das ein wichtiges Signal an alle anderen Länder." Vorstellbar wäre dann eine Änderung der entscheidenden Passagen im Glücksspielstaatsvertrag.

 
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