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Wilhelm: "Fußballiade war eine echte Erfolgsgeschichte"

Letzte Aktualisierung: 7. Januar 2016

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Verbands-Jugendleiter Karl-Heinz Wilhelm über die Rolle des BFV-Livetickers: "Niemand wartet auf die Montags-Zeitung, um Ergebnisse, Torschützen und Tabellenstände zu erfahren."

2015 stand ganz im Zeichen der Fußballiade in Landshut. Doch die nächsten Herausforderungen warten schon. Im Interview mit bfv.de spricht Verbands-Jugendleiter Karl-Heinz Wilhelm über die Höhepunkte des neuen Jahres, die sportlichen Ziele, den BFV-Liveticker, die Fair Play Liga und die bayerische Talentförderung in den DFB-Stützpunkten und den BFV-Nachwuchsleistungszentren.

Was war für den Jugendbereich das sportliche Highlight des Jahres 2015?

Karl-Heinz Wilhelm: Ganz klar die Fußballiade im Juni in Landshut. Denn sie hat ein herausragendes Signal der Begeisterung für den Fußball ausgesendet. Jugendliche aller Altersklassen waren über mehrere Tage in ihrer Begeisterung für den Sport vereint - bei den verschiedenen Turnieren, aber auch bei den unzähligen Freizeitfußballangeboten. Bis in die späten Abendstunden ist der Ball gerollt. Für jeden war etwas Passendes dabei und über allem thronte ein unglaublich intensives Gemeinschaftsgefühl. Den vielen beteiligten Vereinen, den freiwilligen Helfern und den Mitarbeitern des Bayerischen Fußball-Verbandes gebührt ein großes Lob für deren Engagement und die professionelle Ausrichtung. Und nicht zuletzt auch den Teilnehmern der Inklusionsturniere und des Blindenfußball-Spieltags. Deren Leistung steht für die Vielfältigkeit des Fußballsports und zeigt zugleich die grenzenlose Begeisterung für unseren Sport sowie die integrative Kraft des Fußballs. An vier Tagen hat die breite Öffentlichkeit ein beeindruckendes Bild der bayerischen Fußballfamilie und der Stärke der Amateurvereine bekommen.

Was sind die großen Herausforderungen im Jugendbereich im Jahr 2016 - und wie werden diese angegangen?

Karl-Heinz Wilhelm: Rein sportlich gesehen geht es natürlich in erster Linie immer um Erfolge und Titel. Direkt nach der EM der Herren in Frankreich steht die U17-Junioren-EM in Baden-Württemberg an, wo sich der deutsche Nachwuchs natürlich erfolgreich präsentieren will und sich Deutschland als hervorragender Gastgeber zeigen möchte und sicher auch zeigen wird. Ebenso sollen natürlich die bayerischen Nachwuchsteams eine gute Rolle spielen und viele Talente den nächsten Karriereschritt erfolgreich meistern. Neben dem reinen Sport auf dem Platz gibt es aber noch viele weitere Herausforderungen und wichtige Termine.

Welche?

Karl-Heinz Wilhelm: Da geht es grundsätzlich immer um die Fragen einer optimalen Talentförderung und auch die Rahmenbedingungen für die Vereine an der Fußballbasis. Ganz wichtig sind beispielsweise die Jugendfachtagungen im Februar, zu denen der DFB Kreisjugendleiter aus ganz Deutschland eingeladen hat. Dort gilt es, die Weichen für die Zukunft zu stellen und natürlich auch darum, die Interessen, Ideen und Vorschläge der bayerischen Vereine vorzustellen und zu diskutieren. Auf Landesebene führen wir diese Vereinsdialoge regelmäßig, denn aufgrund der heterogenen Struktur in Bayern haben wir regional höchst unterschiedliche Situationen und entsprechend auch höchst unterschiedliche Herausforderungen zu meistern. Wir haben gute Konzepte und Lösungsansätze, die auch für andere Landesverbände interessant sind. Wir können wiederum von Lösungen und Erfahrungen anderer Landesverbände profitieren. Deshalb sind die Fachtagungen so wichtig. Große Herausforderungen werden nur gemeinsam gelöst, der regelmäßige Austausch ist dabei ein Schlüssel zum Erfolg. In der bayerischen Talentförderung haben wir zudem die Lücke zu schließen, die durch den Abschied von unserem Cheftrainer Reinhard Klante entstanden ist. Er hat sich nach 30 höchst erfolgreichen Jahren und vielen wegweisenden Konzepten und Projekten zu Jahresbeginn in den Ruhestand verabschiedet. Das wird uns gelingen, davon bin ich überzeugt. Wir haben in einigen Bereichen aber auch noch viel Arbeit vor uns, gute Projekte erfolgreich weiterzuentwickeln und erfolgreich zu machen. Beispielsweise wollen wir die Digitalisierung weiter vorantreiben. Zur Saison 2016/17 werden wir den Nachweis der Spielberechtigung vereinfachen, wovon in erster Linie die Vereine profitieren. Das Foto in der Spielerliste im Elektronischen Spielbericht ist dann für den Nachweis der Spielberechtigung ausreichend. Die Passmappe mit den Spielerpässen ist nicht mehr nötig und damit fällt für Vereine mit vielen Mannschaften das immer wieder neue Zusammenstellen der Mappen für die Spiele weg. Das Ganze funktioniert aber natürlich nur, wenn für alle eingesetzten Spieler auch das entsprechende Foto im SpielPlus hinterlegt ist. Deshalb appelliere ich schon jetzt an die Vereine, in der SpielPlus-Anwendung die entsprechenden Porträtfotos zu ihren Spielerinnen und Spielern hochzuladen.

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Bei der Fußballiade in Landshut waren Jugendliche aller Altersklassen über mehrere Tage in ihrer Begeisterung für den Sport vereint.

Haben Sie weitere konkrete Beispiele?

Karl-Heinz Wilhelm: Wir müssen zum Beispiel nach wie vor noch viel Kraft in die "Fair Play Liga" investieren. Wir haben in der Vergangenheit zwar schon viel erreicht, viele Hürden überwunden und Berührungsängste abgebaut - in allen Regionen Bayerns. Aber das ist ein fortlaufender Prozess - nicht zuletzt durch die vielen Kinder, deren Eltern und den häufig wechselnden Trainern und Betreuern, die in den jüngsten Altersklassen jedes Jahr zum ersten Mal mit dem Thema in Berührung kommen. Für die älteren Jahrgänge sind die weiteren BFV-Schulungsangebote wie Fit für Kids oder die neuen Führungsspieler-Schulungen von großer Bedeutung. Information und Qualifizierung sind für den Erfolg unabdingbar. Nicht nur für den sportlichen Erfolg, sondern insbesondere auch dafür, die Kinder langfristig für den Fußball zu begeistern und an den Verein zu binden. Der Nachwuchs ist unser aller Kapital. In den letzten Monaten ist natürlich zudem das Thema "Integration von Flüchtlingen" immer stärker aufgekommen. Der Fußball kann hier Großes leisten und es wird bereits bayernweit Herausragendes in den Vereinen auf die Beine gestellt. Integration fordert aber auch von allen Beteiligten unglaublich viel Kraft und Engagement. Das wird uns 2016 und auch darüber hinaus begleiten und beschäftigen. Die bayerische Fußballfamilie hat aber ein sehr ausgeprägtes "Wir-Gefühl". Das macht vieles einfacher und stimmt mich sehr zuversichtlich.

Zurück zum Sport: Wie beurteilen Sie die Situation der bayerischen Junioren-Bundesligisten?

Karl-Heinz Wilhelm: Die genaue Analyse der Junioren-Bundesligisten und damit der Nachwuchsteams der bayerischen Profiklubs überlasse ich den Verantwortlichen der jeweiligen Nachwuchsleistungszentren. Generell denke ich, dass wir in der Talentförderung in Bayern top aufgestellt sind - in der Spitze, aber auch bis hinunter zur Basis. Ich begrüße sehr, dass auf allen Ebenen die individuelle Weiterentwicklung des Einzelnen im Vordergrund steht und nicht nur der kurzfristige Erfolg. Ich sehe aber auch, dass der Druck auf die Talente schon enorm ist, selbst in den jüngeren Jahrgängen. Meist kommt der Druck dabei von außen, nicht selten von den Eltern. Natürlich gehören Titel und Erfolge zum Fußball dazu. Es gilt aber immer: Fördern und auch fordern, aber eben nicht überfordern. Diese Gratwanderung muss man schaffen und es muss attraktive Perspektiven für die Talente geben, die den letzten Sprung vielleicht nicht oder nicht sofort schaffen. Sie dürfen dem Fußball und den Vereinen nicht verloren gehen. Das wäre der ,worst case'. Damit dies nicht passiert, ist das richtige Händchen bei allen Beteiligten gefragt. Mit dem engmaschigen Netz der BFV-Talentförderung und den vielen bayerischen Vereinen mit einer qualitativ hochwertigen Nachwuchsarbeit sind wir aber grundsätzlich sehr gut aufgestellt. Ich bin froh, dass in Bayern dabei auch alle grundsätzlich an einem Strang ziehen, vom kleinen Dorfverein bis zum Bundesliga-Klub. Und dass wir wirklich jedem Talent die Möglichkeit einer top-professionellen und individuellen Förderung bieten können. Das ist nicht selbstverständlich.

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Bei der Fair Play Liga stehen der Spaß am Fußball und der faire Umgang miteinander im Vordergrund. Ergebnisse sind Nebensache.

Der BFV-Liveticker ist im Herren- und Frauenbereich - vor allem in den Spitzenligen - ein echtes Erfolgsmodell. Wird der Liveticker auch im Jugendbereich in Zukunft eine größere Rolle spielen?

Karl-Heinz Wilhelm: Natürlich wird er das. Warum? Alle Aktiven, die Vereine und jeder Fußballfan möchte schnellstmöglich darüber informiert werden, was auf dem Platz los ist. Ein Liveticker ist heute selbstverständlich und wird erwartet. Vor Jahren war das noch eine Sache für den Profi-Fußball, mittlerweile ist das auch im Amateurfußball normal. Und dieser Erwartungshaltung müssen wir Rechnung tragen. Das ist mittlerweile unstrittig und die Zahl der von den Vereinen angebotenen Liveticker steigt rasant. Angefangen hat es im Herren-Amateurspitzenfußball, aber längst ist der Liveticker auch im Jugendbereich angekommen. Nicht zuletzt weil gerade für Jugendliche Smartphones, Apps und Ticker für deren Kommunikation völlig selbstverständlich sind. Da wartet niemand auf die Montags-Zeitung, um Ergebnisse, Torschützen und Tabellenstände zu erfahren. Die Frage ob Liveticker ja oder nein, stellt sich also gar nicht mehr. Unsere Aufgabe als Dienstleister der Vereine ist es schlichtweg, dieses Angebot so funktional wie möglich zu gestalten.

2015 gab es bayernweit Runde Tische zum Thema Jugendfußball - was waren die wichtigsten Erkenntnisse und welche Maßnahmen folgen daraus konkret?

Karl-Heinz Wilhelm: Die letzten ,Runden Tische' haben erst Mitte Dezember stattgefunden und werden aktuell ausgewertet. Von daher kann ich kein End- sondern nur ein Zwischenfazit ziehen. Aber das fällt schon sehr positiv aus. Denn wir haben gleich mehrere Ziele erreicht: Es wird wieder intensiv miteinander und nicht übereinander gesprochen, Vereine und Verband arbeiten eng zusammen und erarbeiten konkrete Lösungen für konkrete Probleme, die bekanntlich regional höchst unterschiedlich ausfallen können. Bereits umgesetzte Wünsche der Teilnehmer, unter denen ja auch viele aktive Jugendliche waren, sind eine flexiblere Spieltagsgestaltung in den Kreisen und auch die Möglichkeit, Pokalrunden in Turnierform auszutragen. Nicht jede Anregung oder jeder Wunsch wird sich als sinnvoll herausstellen, aber wir setzen uns als Verband mit jedem Vorschlag auseinander. Ich kann auch nur jeden ermutigen, sich kreativ einzubringen und den Fußball mitzugestalten.

Eine zentrale Rolle, um Kindern ohne Leistungsdruck den Spaß am Fußball zu vermitteln, ist die schon angesprochene Fair Play Liga. Wie groß ist Akzeptanz bei den Vereinen mittlerweile?

Karl-Heinz Wilhelm: Die "Fair Play Liga" ist grundsätzlich eine Erfolgsgeschichte, aber auch leider noch nicht überall angekommen. Wir müssen hier noch Aufklärungsarbeit leisten. Vor allem bei den Eltern und den Vereinsverantwortlichen. Bei den Kindern - wir reden hier von der F-Jugend und damit von den Kleinsten - läuft das im Grunde reibungslos und automatisch. Denn sie wollen einfach Fußball spielen und Spaß haben. Das ¬Ergebnis ist völlig zweitrangig. Problematisch wird es erst dann, wenn sie von außen mit Erwartungshaltungen konfrontiert werden wie unbedingt gewinnen, viele Tore schießen, nur die Besten spielen. Ich habe bereits den Erfolgsdruck im Jugendbereich angesprochen. Wir wissen, dass mit solchen Erwartungshaltungen nicht nur der Gedanke des Fairplay einen schweren Stand hat, sondern oft auch die Entwicklung und die Begeisterung insbesondere der kleinen Kicker auf der Strecke bleiben. Solange dieser Fakt infrage gestellt wird, werden wir Diskussionen haben. Diese Diskussionen werden wir aber immer wieder führen. Das ist ein teilweise mühsamer Prozess, aber er ist zum Wohle der Kinder unumgänglich und wir merken, dass wir jedes Jahr wieder ein gutes Stück weiter sind.

 
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