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Interview mit Josef Janker: Selbstbewusst ins neue Jahr

Letzte Aktualisierung: 12. Januar 2016

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Verbands-Spielleiter Josef Janker

Das Jahr 2015 ist Geschichte, mittlerweile ist das Fußballjahr 2016 in vollem Gange - auch wenn der Ball vorerst in der Halle rollt. Im Interview blickt Verbands-Spielleiter Josef Janker zwar auch noch einmal kurz auf die Highlights des letzten Jahres zurück, widmet sich dann aber dem neuen Jahr, den anstehenden Herausforderungen und der erfreulichen Entwicklung der höchsten bayerischen Herren-Amateurspielklasse, der Regionalliga Bayern.

Herr Janker, was sind Ihre persönlichen sportlichen Highlights des Jahres 2015?

Josef Janker: Für den Amateurfußball in Bayern - unabhängig vom Herren-, Frauen oder Jugendfußball - war das Highlight 2015 ganz sicher die Fußballiade Anfang Juni. In Landshut hat sich die ganze Vielfalt des Amateurfußballs gezeigt und wir haben gemeinsam auf eine einmalige Art und Weise präsentiert, dass Amateurfußball ein besonderer Teil des gesellschaftlichen Lebens ist. Aus sportlicher Sicht fallen mir im Herrenfußball natürlich der Aufstieg der Würzburger Kickers in die 3. Liga und die DFB-Pokal-Auftritte der SpVgg Unterhaching ein. Der Erfolg der Würzburger hat ja gleich zwei Dinge ganz deutlich gemacht. Erstens: Mit einem soliden und durchdachten Konzept kann ein klassischer Amateurverein in der Regionalliga Bayern nicht nur mitspielen, sondern ohne wirtschaftliche Harakiri-Mentalität auch großen Erfolg haben. Und zweitens: Niemand wird mehr die sportliche Qualität der Regionalliga Bayern im Vergleich zu den anderen vier Regionalligen infrage stellen. Dieser Unsinn wurde neben dem Kickers-Aufstieg auch durch die unglaublich starken und erfolgreichen Auftritte der SpVgg Unterhaching im DFB-Pokal eindrucksvoll widerlegt. Ganz besonders habe ich mich 2015 aber auch über die gelungen Premieren im Beachsoccer und die weiterhin hohe Attraktivität unserer Toto-Pokalspiele und der verschiedenen Bayerischen Meisterschaften gefreut.

Welche Herausforderungen warten im Herrenbereich im Jahr 2016 - und wie werden diese gelöst?


Josef Janker: Vor der Kür kommt immer die Pflicht. Das heißt, dass wir natürlich alle bestehenden Wettbewerbe gewohnt professionell organisieren müssen. Weil das in der Vergangenheit so reibungslos gelaufen ist, wird oft gar nicht mehr wahrgenommen, welcher Aufwand dahintersteckt. Aber da wird von allen Beteiligten Großartiges geleistet und ich bin überzeugt, dass auch 2016 wieder alles reibungslos läuft. Damit meine ich nicht nur die Spiele auf dem Platz, sondern zum Beispiel auch die Sicherheit und der Umgang miteinander neben dem Platz. Ein großes Thema bleibt 2016 selbstverständlich auch die Integration von Flüchtlingen. Da haben die bayerischen Vereine in zum Teil herausragender Art und Weise reagiert und den Menschen ein Stück Heimat und damit auch Lebensqualität wiedergegeben. Die Herausforderungen in diesem Bereich bleiben groß und nicht immer wird alles reibungslos laufen, aber nach den Erfahrungen - insbesondere der letzten Monate - bin ich auch hier guter Dinge, dass wir das als Team von Verband und Vereine meistern. Und natürlich wollen wir 2016 die Attraktivität unserer Verbandsangebote weiter steigern. Das betrifft die vielfältigen sportlichen Wettbewerbe, aber auch unsere Angebote als Dienstleister für Vereine und deren Mitarbeiter.

Wie beurteilen Sie die Situation der bayerischen Profivereine?

Josef Janker: Bei den Erstligisten natürlich sehr positiv. Der FC Bayern bestätigt einmal mehr seine internationale Top-Qualität und hat die nicht unrealistische Chance auf das ,Triple', Aufsteiger Ingolstadt straft alle Kritiker Lügen, die den Verein als absolut chancenlos gesehen haben und der FC Augsburg hat nach ganz schwachem Start in herausragender Art und Weise die Kurve bekommen. Der FCA hat in der Europa League sogar das 32er-Feld erreicht. Das ist eigentlich absoluter Wahnsinn, was dort seit Jahren geleistet wird. In der zweiten Liga ist der Club drauf und dran, wieder hochzukommen und auch Fürth hat die Chance, eine gute Saison zu spielen. Sorgenkind ist natürlich der TSV 1860 München. Das wird ein ganz harter Kampf, die Liga zu halten. Natürlich drücke ich dem Verein die Daumen, denn ein Abstieg wäre ein ganz herber Rückschlag und sicherlich nicht die große Chance auf einen Neuanfang, wie es von Einzelnen vielleicht gesehen wird. Als Spielleiter der Regionalliga Bayern möchte ich natürlich auch nicht auf die Zweite Mannschaft der Löwen verzichten, die dann zwangläufig in die Bayernliga absteigen müsste. Da würde ein Stück Attraktivität verloren gehen.

Der FC Würzburger Kickers behauptet sich als Aufsteiger in die 3. Liga beachtlich. Was trauen Sie der Mannschaft von Trainer Bernd Hollerbach für die noch ausstehenden Spiele zu?


Josef Janker: Die Würzburger Kickers schlagen sich in der 3. Liga bislang gut, hätten mit etwas mehr Glück sogar noch ein paar Punkte mehr einfahren können. Aber es geht wahnsinnig eng zu in der Liga. Da ist für die Kickers von einer relativ ruhigen Saison bis Abstiegskampf bis zum Schluss alles möglich. Sie haben auf alle Fälle das Zeug dazu, sich in der Liga zu etablieren. Und wenn in den kommenden Jahren weiter so akribisch und überlegt gehandelt wird, ist auch die 2. Liga ein realistisches Ziel.

Ihr Hauptaufgabenfeld als Spielleiter ist die Regionalliga Bayern. Mit Burghausen, Regensburg und Unterhaching spielen drei ehemalige Drittligisten um die Meisterschaft und die Teilnahme an der Relegation zur 3. Liga. Macht am Ende einer der drei das Rennen oder wird am Ende doch ein Reserve-Team die Nase vorne haben?

Josef Janker: So eng wie es zugeht, wird sich das wohl erst am letzten Spieltag entscheiden. Das ist vor allem für die Fußballfans und die Attraktivität der gesamten Liga super. Ausrutscher werden prompt bestraft, die vermeintlich Kleinen können jederzeit die vermeintlich Großen schlagen. Burghausen hat die Schwächephase des Jahn eiskalt ausgenutzt und sicher das Potenzial, sich zu behaupten. In Regensburg muss sich zeigen, was der Trainerwechsel bewirkt und die Teams dahinter werden sicherlich nicht frühzeitig die Meisterschaft abschreiben. Vier Punkte trennen die ersten drei Teams und es ist noch kein einziges Spiel in diesem Jahr absolviert. Da kann man nur mutmaßen und das werde ich jetzt nicht machen. Fakt ist, dass auch im vierten Jahr der Regionalliga Bayern keine Kluft zwischen den Zweiten Mannschaften der Profiteams und den Amateurvereinen erkennbar ist.

Die Teilnahme am DFB-Pokal ist für die bayerischen Spitzenteams auch finanziell eine lukrative Einnahmequelle, die sich kein Klub entgehen lassen will. Und was als Außenseiter im DFB-Pokal möglich ist, hat Unterhaching ja in diesem Jahr bewiesen. Mit Regensburg, und Unterhaching stehen zwei Klubs aus der Spitzengruppe der Regionalliga Bayern im Toto-Pokal-Viertelfinale, zudem Drittligist Würzburg. Nehmen die Top-Teams den Toto-Pokal mittlerweile ernster als früher?

Josef Janker: Ich würde nicht sagen, dass die bayerischen Top-Teams den Pokal ernster nehmen, denn der Einzug in die DFB-Pokal-Hauptrunde war schon immer ein lohnendes Ziel, auch wenn der Wettbewerb zuletzt finanziell natürlich noch lukrativer wurde. Die letzten Jahre haben schlichtweg gezeigt, dass auch ein vermeintlicher Außenseiter eine reelle Chance hat, zu gewinnen. 2013 hieß der Sieger TSV 1860 Rosenheim, im letzten Jahr war Bayernligist SpVgg SV Weiden bis wenige Sekunden vor Schluss noch auf der ganz großen Fußballbühne. Zudem haben wir die Pokalrunden den Wünschen und Bedürfnissen der Vereine angepasst und die Prämienstruktur so optimiert, dass es sich für jeden Verein bis auf Kreisebene lohnt, mitzumachen. Das Finale im Kreis ist beispielsweise nicht irgendeine Pokalrunde, sondern wieder ein besonderes Spiel. Das nehmen die Fußballer wahr und glücklicherweise auch wieder viele Fans, die sich das nicht entgehen lassen wollen. Und da ist der Traum vom DFB-Pokal noch ganz weit weg. Zudem haben die Medien den Pokalwettbewerb wieder verstärkt im Blick - zu Recht! Das verleiht dem Ganzen sicherlich einen zusätzlichen Schub.

Wohin entwickelt sich die bayerische Spitzenliga in diesem Jahr?

Josef Janker: Wir haben seit der Gründung der Regionalliga Bayern eine stetige positive Entwicklung zu verzeichnen. Manager, Trainer aller Klubs und auch die Journalisten, die die Liga begleiten, attestieren ihr unisono ein sehr hohes sportliches Niveau. Die sogenannten Kleinen haben in den letzten Jahren sportlich und auch infrastrukturell enorm aufgeholt, sind sich aber treu geblieben. Der TSV Buchbach ist immer noch der TSV Buchbach, der mit begrenzten Möglichkeiten sogar überregional ein echtes Markenzeichen geworden ist. Der SV Schalding-Heining spielt nicht wie Regensburg in einer top modernen Fußballarena, wird deswegen aber nicht minder ernst genommen. Die Zuschauer nehmen die Liga an wie nie zuvor, sie beschert Sport1 bei seinen Liveübertragungen Traumquoten - weit über den Livespielen der Handball- oder Basketball-Bundesliga. Das ist schon herausragend. Trotzdem sehe ich in der Außendarstellung der Liga und insbesondere der einzelnen Klubs immer noch das größte Potenzial. Der Amateur-Spitzenfußball ist stark. Das darf man ruhig zeigen, noch mehr als bisher. Da sind wir alle gefragt. Wir schaffen den Rahmen und füllen ihn zusammen mit den Vereinen aus. Wir können und müssen auch die spielfreie Zeit der Profiligen für die Außendarstellung sicherlich noch besser nutzen. Wenn aber weiterhin alle so an einem Strang ziehen und uns gegenseitig unterstützen wie bisher, werden wir im Sommer wieder eine sehr gute Bilanz ziehen können. Daran habe ich keinen Zweifel.

 
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