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Sabine Bucher: "Nicht auf den Erfolgen ausruhen"

Letzte Aktualisierung: 15. Januar 2016

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VFMA-Vorsitzende Sabine Bucher spricht im BFV-Interview über Herausforderungen und Ziele des Frauen- und Mädchenfußballs.

Die Fußballiade war für viele Mädchen das fußballerische Highlight des vergangenen Jahres. Im Interview erklärt Sabine Bucher, Vorsitzende des Verbands-Frauen und Mädchenausschusses, was das Gemeinschaftsfest des Amateurfußballs so außergewöhnlich gemacht hat. Ihr Blick geht aber auch nach vorne - schließlich warten auch 2016 wieder zahlreiche Höhepunkte und Herausforderungen.

Was waren Ihre sportlichen Highlights des Jahres 2015?

Sabine Bucher: Aus Sicht des Frauenfußballs blicken wir auf ein extrem erfolgreiches Jahr zurück, das gleich mehrere Höhepunkte bereithielt. An erster Stelle steht ganz klar die Fußballiade in Landshut, die eindrucksvoll gezeigt hat, wie groß die Begeisterung für den Amateurfußball in Bayern ist. Wenn ich an den Festumzug am Eröffnungstag mit über 4000 Spielerinnen und Spielern aus über 270 Vereinen oder den großen Finalspieltag im Hammerbach-Stadion denke, bekomme ich noch heute eine Gänsehaut. Es war ein herausragendes Event, das die 40.000 Besucher so schnell nicht vergessen werden und von dem die Teilnehmer noch lange profitieren werden. Aus sportlicher Sicht, weil sie aus den Partien bei den Club Championships gegen Teams aus ganz Bayern enorm viel mitnehmen und wertvolle Erfahrungen sammeln konnten. Aber auch darüber hinaus: Viele haben neue Freundschaften geschlossen und durch die mehrtägige Veranstaltung ihre Mannschaftskameraden näher kennengelernt, was für die mannschaftliche Geschlossenheit unbezahlbar ist. Wie groß das Interesse für den Frauenfußball mittlerweile ist, hat das Länderspiel zwischen Deutschland und Brasilien in Fürth deutlich gemacht: Über 15.000 begeisterte Zuschauer sorgten mit La-Ola-Wellen für eine unbeschreibliche Kulisse. Weitere Highlights waren für mich die Last-Minute-Meisterschaft der Bayern-Frauen und die Deutsche Meisterschaft der Juniorinnen der Nürnberger Bertold-Brecht-Schule im Schulsport, die damit im Mai und Juni zur Europameisterschaft nach Frankreich fahren. Ich drücke der Mannschaft von Trainer Osman Cankaya für das Turnier natürlich die Daumen.

Was sind für Sie die großen Herausforderungen im Frauen- und Mädchenbereich in Bayern im Jahr 2016?

Bucher: Auch wenn wir bereits auf einem ganz guten Weg sind, dürfen wir uns nicht auf den Erfolgen ausruhen, sondern müssen weiterhin aktiv Werbung für den Frauen- und Mädchenfußball machen, um das Potenzial voll auszuschöpfen. Wir müssen jedem Verein bewusst machen, dass eine Frauen- oder Juniorinnenmannschaft im Verein eine Bereicherung ist! Wir müssen gezielt auf die Vereine zugehen, sie über die vielseitigen Angebote im Bereich Frauen- und Mädchenfußball informieren und ihnen Wege aufzeigen, wie sich Mädchen für den Fußball im Verein begeistern lassen. Ich denke an Schule-Vereins-Kooperationen oder unsere Schnuppertrainings "Ballbina kickt", die wir aktuell an 34 Standorten in Bayern anbieten.

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Die Fußballiade in Landshut begeisterte auch zahlreiche Juniorinnen-Teams aus ganz Bayern.

Im Herbst 2015 gab es bayernweit Runde Tische zum Thema "Frauen- und Mädchenfußball - ein wichtiges Standbein für alle Vereine". Was waren die wichtigsten Erkenntnisse und Anregungen - und wie sollen diese umgesetzt werden? Welche Maßnahmen/Projekte sind geplant?

Bucher: Ein offener Austausch auf Augenhöhe ist ungemein wichtig. Denn nur wenn man ins Gespräch kommt und erfährt, wo es Probleme gibt, kann man sie gemeinsam angehen. Bei den "Runden Tischen" haben uns die Vereine wertvolle Anregungen und Vorschläge geliefert. Sei es zur Spielplanung, zur Gewinnung von Spielerinnen, zum Freizeit-Fußballangebot und zur Qualifizierung von Trainern und Betreuern. Wir werden die Ergebnisse jetzt im Januar auswerten und dann schauen, was sich wie umsetzen lässt. Natürlich wird nicht jeder Vorschlag eins-zu-eins realisierbar sein. Trotzdem kann ich die Vereine nur dazu ermutigen, sich einzubringen und Ideen zu liefern. Ich habe für jeden Vorschlag ein offenes Ohr - nicht nur bei den "Runden Tischen".

In der Frauen-Bundesliga ist der FC Bayern München auf einem guten Weg, die Meisterschaft zu verteidigen. Rechnen Sie auf lange Sicht auch im Frauenbereich mit einer ähnlichen Dominanz der Bayern wie bei den Herren?

Bucher: Mit der Meisterschaft im vergangenen Jahr hat sich der FC Bayern für seine hervorragende Arbeit der letzten Jahre belohnt und ist jetzt dabei, sich als absoluter Spitzenklub im Frauenbereich zu etablieren. Der Verein hat sich personell sehr gut aufgestellt und hat klare Vorstellungen, um auch künftig erfolgreich zu arbeiten. Angesichts von aktuell bereits zwölf Punkten Vorsprung wird auch in diesem Jahr die Meisterschaft nur über das Team von Thomas Wörle führen. Trotz der augenscheinlichen Dominanz darf man aber nicht ganz vergessen, dass die beiden Verfolger aus Wolfsburg und Frankfurt in der Champions League noch international vertreten sind, während der FC Bayern sich nach dem frühen Ausscheiden voll auf die Bundesliga konzentrieren kann.

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Eines der Highlights 2015: Die Deutsche Meisterschaft der Bayern-Frauen.

Wie beurteilen Sie die Situation der übrigen bayerischen Spitzenvereine?

Bucher: Für den SV Weinberg und den ETSV Würzburg wird es sicherlich nicht ganz leicht werden, die 2. Bundesliga zu halten. Aber nach der Winterpause werden die Karten noch einmal neu gemischt. Ich bin sehr zuversichtlich, dass beide Klubs letztlich den Klassenerhalt schaffen werden. In der Regionalliga Süd wird Stand jetzt kein bayerisches Team etwas mit dem Abstieg zu tun haben. Generell lässt sich sagen, dass unsere Spitzenvereine gut aufgestellt sind, mit Augenmaß planen und auf solide Zukunftsplanungen setzen.

Wie beurteilen Sie die Situation der bayerischen U17-Juniorinnen-Bundesligisten?

Bucher: Die Club-Juniorinnen sind bereits da, wo ihre Frauen hinwollen: in der Bundesliga. Daran sieht man, dass der 1. FC Nürnberg sehr gute Nachwuchsarbeit leistet und über kurz oder lang auch mit dem Frauenteam den Sprung ins Oberhaus schaffen wird. Eine gute Saison spielt auch Liganeuling SV 67 Weinberg, der zur Winterpause auf einem Mittelfeldplatz steht und mit dem Abstieg nichts zu tun haben wird, wenn die Mannschaft im Frühjahr an die bislang guten Leistungen anknüpfen kann. Für den FFC Wacker München wird es hingegen sehr schwer, die Klasse doch noch zu halten. Dennoch sollten die Spielerinnen an sich glauben und die Hoffnung nicht verlieren.

Wie sehen Sie die Qualität der bayerischen Talentförderung?

Bucher: Wir haben unsere Talentförderung in den vergangenen Jahren immer weiter verfeinert und verfügen heute über ein System, das deutschlandweit einzigartig ist und bei dem jedes Talent die gleiche und faire Chance auf eine hochprofessionelle Förderung hat. Seit 2014 bieten wir für Mädchen die Chance, bereits vor dem Talentsichtungstag bei einer eigenen Grundsichtung vorzuspielen. Und das System hat sich bewährt. 725 Mädchen haben 2015 für die Aufnahme ins Stützpunkttraining vorgespielt - 115 davon haben dieses Ziel letztlich auch erreicht und können sich jetzt über die Regionalauswahlen für die BFV-Auswahlen und die DFB-Juniorinnen-Nationalmannschaften empfehlen. Mit Stolz kann ich sagen, dass es qualitativ keinen Unterschied zwischen Mädchen und Jungs gibt, was die Qualität der Talentförderung anbelangt. Mit Fritzy Kromp und Sabine Loderer gehören zu unserem Trainerteam zwei absolute Koryphäen, die den Fußballlehrer-Lehrgang in Köln mit Bravour gemeistert haben. Aber natürlich dürfen wir nicht den Fehler machen und uns auf dem Erreichten ausruhen.

 

 
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