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Rainer Wölzlein vom FV Fortuna Neuses: Zwei Organe für ein neues Leben

Letzte Aktualisierung: 19. April 2017

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Rainer Wölzlein vom FV Fortuna Neuses lebt mit zwei transplantierten Organen.

Plötzlich kann Rainer Wölzlein nicht mehr laufen. Jeder Schritt ist eine Qual, das Atmen fällt ihm schwer. Der Sauerstoffmangel im Blut, der die Muskelaktivität hemmt, ist einfach zu groß - an Fußball für den gebürtigen Mittelfranken nicht mehr zu denken. Ein Schock, schließlich hat ihn der Sport fast sein ganzes Leben begleitet. Und das, obwohl Wölzlein schon seit seiner Geburt an Mukoviszidose leidet, eine Stoffwechsel-Erkrankung, die die Organfunktion beeinträchtigt und vor allem Lunge und Bauchspeicheldrüse betrifft, aber auch Leber und Gallenblase angreift.

"Ich bin ganz normal aufgewachsen und habe mit fünf Jahren beim FV Fortuna Neuses mit dem Fußballspielen begonnen. Dort habe ich alle Jugendmannschaften durchlaufen und dann auch bei den Herren gespielt", erzählt Wölzlein: "Eigentlich habe ich immer gedacht, dass das mit meiner Krankheit gar nicht geht. Aber es hat geklappt und ich war sogar Spielführer der 1. Mannschaft."

"Ich konnte die Belastung nicht mehr stemmen"

Einschränkungen hat Wölzlein in Bezug auf sein größtes Hobby, den Fußball, jahrelang nicht - auch die Ärzte sind verwundert. Mit Ende 20 macht sich die Krankheit dann aber schleichend bemerkbar. Die Ausdauerfähigkeit verschlechtert sich zunehmend und Wölzlein wechselt ins Reserveteam, "weil da doch etwas weniger Anspruch da ist". Während der Saisonvorbereitung im Jahr 2007 folgt dann jedoch die bittere Erkenntnis. "Ich habe gemerkt, dass es nicht mehr geht und ich die körperliche Belastung nicht mehr stemmen kann", erinnert sich Wölzlein: "Die Muskulatur hat abgebaut, die Ausdauerfähigkeit ging flöten und der Körper hat sich nach der Belastung nicht mehr richtig erholt."

Als sich sein Gesundheitszustand nach dem Ende seiner Fußballer-Karriere rapide verschlechtert, fasst der gelernte Industriekaufmann schnell den Entschluss, eine Organtransplantation in Angriff zu nehmen - nicht unüblich bei Mukoviszidose-Patienten. Die Ärzte im Münchner Krankenhaus Großhadern machen ihm große Hoffnung, mittelfristig eine neue Lunge zu bekommen. "Ich bin männlich und 1,84 Meter groß. Das ist eine Kategorie, in der es einfacher ist, ein Organ zu erhalten", sagt Wölzlein.

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2014 bekam Rainer Wölzlein beim Bezirkstag Mittelfranken von BFV-Präsident Rainer Koch (l.), dem Bezirksvorsitzenden Peter Bursy (2.v.r) und Inge Pirner (Mitglied im Stiftungsrat) einen Scheck der BFV Sozialstiftung überreicht.

Hoffnung und eine Hiobsbotschaft

Das Problem: In München kann Wölzlein nicht operiert werden, da bei ihm nur eine kombinierte Transplantation infrage kommt: Neben einer neuen Lunge müsse unbedingt auch eine neue Leber her, sagen die Mediziner. Und die Spezialisten dafür befinden sich in Hannover. "Die Leber war schon länger angegriffen, doch das hat mich eigentlich nicht beeinträchtigt. Das Problem war eher die Lunge. Wenn ich jetzt aber nur eine neue Lunge bekommen hätte, dann wäre sie höchstwahrscheinlich von der kranken Leber abgestoßen worden. Deshalb habe ich unbedingt zwei Organe gebraucht", erklärt Wölzlein.

Ab 2008 heißt es dann zunächst einmal: warten. Lange warten. Monate und Jahre vergehen, doch der erlösende Anruf kommt einfach nicht. Wölzlein ist frustriert, hat sich aber noch lange nicht aufgegeben - die Chance, neue Organe zu bekommen, ist nach wie vor gut. Dann ändert sich das Organspende-Gesetz: Nicht mehr derjenige, der am längsten wartet, bekommt als erstes ein Organ, sondern derjenige, der es am dringendsten braucht. Eine Hiobsbotschaft für Wölzlein, der - den Umständen entsprechend - körperlich immer noch sehr fit ist. Das muss er auch sein: "Ohne diese Fitness hätte ich die schwere Operation, bei der neben dem Bauchraum auch der Brustkorb aufgeschnitten wird, wohl nicht überlebt. Das ist mit das Umfangreichste, was man operieren kann."

Schwere Zeit in Hannover

Wölzlein entscheidet sich, die Wartezeit im Krankenhaus in Hannover fortzusetzen. Eine notwendige Maßnahme, um seinen Warte-Status auf "Dringlich" zu setzen. Sechs oder sieben Wochen müsse er im Krankenhausbett verharren, so die vielversprechende Prognose. "Daraus wurden dann plötzlich acht Monate. Das war schon eine schwere Zeit, es war unerträglich", erinnert sich Wölzlein: "Ich habe dann beschlossen, mich auf eigene Verantwortung und gegen den ärztlichen Rat aus dem Krankenhaus zu entlassen und wieder nach Hause zu gehen."

An einem Freitag im August 2010 kommt er schließlich wieder in Mittelfranken an. Noch nicht einmal zwei Tage daheim, klingelt wie aus dem Nichts das Telefon. "Und dann haben sie mir gesagt, dass für mich eine Leber und eine Lunge vorhanden sind." Wölzlein packt seinen Koffer wieder und macht sich erneut auf den Weg nach Hannover, wo er sich wenige Tage später erfolgreich der Transplantation unterzieht.

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Seine Freundin gibt ihm Kraft: Rainer Wölzlein ist nach seiner Transplantation wieder viel in der Natur unterwegs.

"Nehmt eure Organe nicht mit in den Himmel!"

"Und heute bin ich hier", sagt Wölzlein: "Aktiv Fußballspielen kann ich leider nicht mehr, dafür aber Ski- und Fahrradfahren. Außerdem bin ich viel mit meiner Freundin und meinem Hund in der Natur unterwegs." Auch zum FV Fortuna Neuses verschlägt es den 39-Jährigen wieder regelmäßig: Als Spielleiter, Jugendbetreuer oder für Verwaltungssachen - sein ehrenamtliches Aufgabenfeld ist vielfältig. Und sein Engagement zahlt sich aus, denn inzwischen hat der Verein den Aufstieg in die Kreisliga geschafft.

Keine Frage, dass er mit Fortuna Neuses neben über 550 weiteren bayerischen Amateurvereinen beim Organspende-Aktions-Wochenende des Bayerischen Fußball-Verbandes (BFV) und des Bayerischen Staatsministeriums für Gesundheit und Pflege (28. April bis 1. Mai) dabei ist. "Als ich davon gelesen habe, dass sich der BFV dem Thema Organspende annimmt, habe ich mich wahnsinnig gefreut. Natürlich rede ich mich als Betroffener leicht, da ich ohne die Organspende heute wahrscheinlich nicht mehr leben würde. Es ist aber unglaublich wichtig, die Menschen weiter aufzuklären und für das Thema zu sensibilisieren", sagt Wölzlein und appelliert: "Die Wahrscheinlichkeit, dass man selber ein Organ braucht - sei es durch einen Unfall oder eine Krankheit - ist viel höher als dass man einen frühen Tod erleidet und zum Organspender wird. Das muss man einfach wissen. Und deshalb sage ich: Nehmt eure Organe nicht mit in den Himmel, denn hier auf der Erde werden sie gebraucht!"


 
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