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Futsal: Nationalspieler Luca Piga im Interview

Letzte Aktualisierung: 30. September 2017

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Luca Piga lief in Slowenien zum ersten Mal für die deutsche Futsal-Nationalmannschaft auf. Foto: Getty Images
Samstagfrüh, 7.40 Uhr. Luca Piga ist gerade einmal zehn Minuten wach, da klingelt sein Telefon. Am anderen Ende der Leitung: Marcel Loosveld, der Futsal-Nationaltrainer. "Luca, ich hätte dich gerne dabei", sagt er: "Kannst du um 12 Uhr in Frankfurt sein?" Verblüfft aber gleichzeitig überglücklich macht sich Luca Piga von Regensburg aus auf den Weg in die Main-Metropole. Von dort geht es nach Maribor, wo die deutsche Futsal-Nationalmannschaft zwei Test-Länderspiele gegen Slowenien bestreitet. In das vorläufige Aufgebot hatte es Luca Piga, der zum ersten Mal in der U15 des TSV 1860 Rosenheim mit der offiziellen Hallenfußball-Variante in Berührung kam und seit diesem Sommer für den amtierenden Deutschen Meister SSV Jahn 1889 Regensburg Futsal aufläuft, bereits zuvor geschafft und mit dem Team trainiert. Nun durfte er das erste Mal mit dem Adler auf der Brust spielen. "Ein überragendes Gefühl", wie der 23 Jahre alte Sportmanagement-Student im Interview verrät.

Luca, du warst mit der deutschen Futsal-Nationalmannschaft in Slowenien und standest in beiden Partien auf dem Feld. Wie war's?

Luca Piga: "Es war auf jeden Fall ein absolut überwältigendes Gefühl. Vor allem, weil ich kaum Zeit hatte, mich darauf vorzubereiten. Ich war eigentlich ja nur auf Abruf, doch am Samstagmorgen hat mich dann Marcel Loosveld angerufen. Das Gefühl, wenn du auf dem Platz stehst, die Nationalhymne abgespielt wird und alle mitsingen - das ist einfach überragend. Ansonsten haben wir einfach sehr viel aus den beiden Duellen gegen Slowenien mitgenommen und vor allem sehr viel gelernt."

Ihr habt beide Testspiele verloren. Das erste Duell 0:4, das zweite 1:5. Welche Lehren zieht ihr aus der Reise nach Slowenien?

Piga: "Wir haben zwar neun Gegentore kassiert, allerdings uns offensiv auch einige gute Chancen herausgespielt. Die erste Lehre ist daher: Wir müssen im Abschluss kaltschnäuziger werden und die sich bietenden Räume noch besser nutzen. Die zweite Lehre ist, dass wir in der Defensive noch an unserem Stellungsspiel bei Standards arbeiten müssen. Aus dem laufenden Spiel haben wir nur zwei Gegentore bekommen. Wenn wir die Unachtsamkeiten bei Standards weiter verbessern, dann brennt in Zukunft sicherlich nicht mehr so viel an. Da waren wir einfach ein bisschen zu blauäugig. Und zum dritten waren die Slowenen in den entscheidenden Situationen einfach einen Tick handlungsschneller. Das hängt sicherlich auch mit der Erfahrung zusammen. Dass Slowenien fast 250 Länderspiele bestritten hat und wir noch nicht mal zehn, lässt sich nicht unter den Teppich kehren. Die slowenischen Spieler spielen teilweise schon seit über zehn Jahren zusammen. Uns fehlen da noch ein bisschen die Automatismen.

Welchen Eindruck hast du bisher von Nationaltrainer Marcel Loosveld?

Piga: "Mein Eindruck ist durchweg positiv. Er hat eine klare Vorstellung davon, wie er Futsal spielen lassen will. Das ist alles sehr durchdacht, was man in jedem Training und in seinen Ansprachen merkt. Seine Spielweise unterscheidet sich jedoch ein bisschen vom brasilianischen Konzept, das wir in Regensburg spielen."
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Von Nationaltrainer Marcel Loosveld ist Luca Piga begeistert: "Er hat eine klare Vorstellung davon, wie er Futsal spielen lassen will." Foto: Getty Images

Was heißt das konkret?

Piga: "In Regensburg versuchen wir, lange Bälle zu vermeiden und uns mit flachen Kombinationen hinten raus zu spielen, um uns so Räume zu schaffen. Marcel Losfeld setzt dagegen konsequent auf ein 3-1-System. In der Nationalmannschaft ist das Spiel daher breiter angelegt und wir versuchen, auch mal mit langen Bällen schnell zum Torabschluss zu kommen. Das sind einfach zwei unterschiedliche Herangehensweisen. Ich denke aber, dass das Konzept von Marcel Losfeld genau der richtige für unsere junge Nationalmannschaft ist."

Seit dieser Saison spielst du beim amtierenden Deutschen Futsal-Meister SSV Jahn 1889 Regensburg Futsal. Wie kam der Kontakt zustande und wie läuft es bisher mit deiner neuen Mannschaft?

Piga: "Ich hatte schon länger Kontakt zu Lucas Kruel (Anm.: Spielertrainer). Im vergangenen Januar hat er mich dann gefragt, ob ich denn nicht nach Regensburg kommen möchte. Aufgenommen wurde ich in Regensburg sensationell. Teilweise herrschen zwar ein paar Kommunikationsschwierigkeiten, da nicht alle brasilianischen Spieler einwandfreies Englisch sprechen. Wir verstehen uns aber - und das ist schließlich das Wichtigste."

Welche Ziele habt ihr in der Saison 2017/18?

Piga: "Natürlich wollen wir wieder eine gute Rolle spielen und ein Wörtchen um die Deutsche Meisterschaft mitreden - das ist doch ganz klar. Jetzt müssen wir uns aber erst einmal auf die Regionalliga konzentrieren. Die Gegner stehen gegen uns sehr tief und setzen vor allem auf Konter. Das ist natürlich nicht ganz einfach, da wir uns quasi kaum einen Fehler erlauben dürfen. Ein Ballverlust und der Gegner läuft alleine auf unser Tor zu. Vorrangiges Ziel ist es, in der Regionalliga einen der ersten beiden Plätze zu belegen, um uns für die Endrunde der Deutschen Meisterschaft zu qualifizieren. Und natürlich wollen wir auch in Europa möglichst weit kommen."

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Lucas Kruel (Mitte) hat Luca Piga davon überzeugt, in Regensburg Futsal zu spielen.
Wie siehst du generell die Entwicklung des Futsals in Deutschland bzw. in Bayern?

Piga: "Es gibt in meinen Augen Gegenden in Bayern, in denen der Futsal präsenter ist als in anderen. Ich glaube zum Beispiel, dass der Futsal in Oberbayern schon besser angekommen ist als in Oberfranken. Auch in der Oberpfalz wird der Futsal sehr gut angenommen und auch verfolgt. Das ist bezogen auf ganz Deutschland aber nicht anders. Wichtig ist aber vor allem, dass der Futsal in den vergangenen Jahren qualitativ einen deutlichen Schritt nach vorne gemacht hat. Alleine, wenn man sich das erste Länderspiel anschaut und es mit unseren Auftritten in Slowenien vergleicht, dann ist das schon etwas ganz anderes. Diese Entwicklung zeigt, dass wir auf dem richtigen Weg sind."

Was sind deine persönlichen Ziele für die Zukunft?

Piga: "Mein Fokus liegt ganz klar auf dem Futsal. Ich will mit Regensburg erfolgreich und weiterhin ein Bestandteil der deutschen Nationalmannschaft sein. Da habe ich richtig Bock drauf. Das ist zum einen natürlich eine schöne Anerkennung für meine Leistungen, es macht aber auch richtig süchtig. Dieses Gefühl, für Deutschland aufzulaufen, ist einfach überragend."
 
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