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Maximilian Nicu: Früher Europa League - jetzt Kreisligatrainer

Letzte Aktualisierung: 11. Juni 2018

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Hat nach seinem Karriereende schon viele weitere Aufgaben vor Augen: Ex-Hachinger Maximilian Nicu. Foto: Getty

Mit Hertha BSC spielte Maximilian Nicu in der Europa League, mit der Nationalmannschaft von Rumänien kickte der 70-malige Bundesligaprofi vor fast 80.000 Zuschauern im Stade de France gegen Frankreich. Und was macht der 35-jährige Defensivspieler, der zuletzt drei Jahre für den Drittligisten SpVgg Unterhaching am Ball war, nach seinem Karriereende? Nicu wird Kreisligatrainer bei seinem Heimatverein TuS Prien am Chiemsee!

Im Interview spricht Maximilian Nicu über sein Engagement in der Kreisliga, die schönsten Momente seiner Karriere und seinen perfekten Abschied von der professionellen Fußballbühne.

Mit 35 Jahren haben Sie Ihre Profikarriere beendet. Was war der ausschlaggebende Grund dafür, Herr Nicu?

Maximilian Nicu: Es war einfach der richtige Moment, um aufzuhören. Ich hatte zwar im Winter überlegt, noch ein Jahr dranzuhängen. Und es ist auch nicht so, dass ich mich nicht mehr fit fühle. Allerdings bin ich zu dem Entschluss gekommen, dass es die beste Entscheidung ist, meine Karriere zu beenden. Hätte ich meinen Vertrag verlängert, wäre es eher ein erzwungenes zusätzliches Jahr gewesen, um weiter professionell Fußball spielen zu können. Außerdem hatte ich bis jetzt das Glück, nie groß verletzt gewesen zu sein. Ich muss mein Glück ja nicht überstrapazieren. (lacht)

Bei Ihrem letzten Spiel im Trikot des Drittligisten SpVgg Unterhaching (4:1 gegen den VfL Osnabrück) kamen Sie noch einmal von Beginn an zum Einsatz und brachten Ihre Mannschaft durch ein direktes Freistoßtor 1:0 in Führung. Ein perfekter Abschied?

Nicu: Absolut. Das Drehbuch hätte man nicht besser schreiben können. Es war insgesamt ein hervorragender Abschluss meiner Zeit in Unterhaching. Meine Familie sowie viele Freunde und Bekannte waren im Stadion. Dass ich getroffen habe und wir gewinnen konnten, hat es noch einmal schöner gemacht. Nach der Partie gab es dann noch eine Überraschung, über die ich mich sehr gefreut habe. Freunde von mir hatten ein rund 30-minütiges Video mit Botschaften vieler ehemaliger Weggefährten zusammengeschnitten. Unter anderem haben sich Ex-Nationalspieler Arne Friedrich und der langjährige Hertha-Geschäftsführer Dieter Hoeneß zu Wort gemeldet. Auch Daniel Caligiuri vom FC Schalke 04, mit dem ich beim SC Freiburg am Ball war und der immer noch ein guter Freund von mir ist, hat mir alles Gute gewünscht. Das war schon sehr emotional.

Emotional wurde es sicher auch danach, als Sie vor versammelter Mannschaft eine Abschlussrede hielten, oder?

Nicu: Das stimmt. Hauptsächlich habe ich mich bei meinen Mitspielern, beim gesamten Verein und vor allem bei meiner Familie für die Unterstützung in den vergangenen Jahren bedankt. Trotzdem habe ich es mir natürlich nicht nehmen lassen, ein paar Spieler auf die Schippe zu nehmen. (lacht) Am Tag darauf ging es dann für die gesamte Mannschaft für drei Tage nach Mallorca. Dort konnten wir dann noch einmal gemeinsam meinen Abschied als Spieler ordentlich feiern.

Für Haching kickten Sie im Nachwuchsbereich und machten Ihre ersten sowie letzten Schritte als Profi. Bleiben Sie dem Verein erhalten?

Nicu: Das habe ich auf jeden Fall vor. Ich habe schon vor einigen Monaten mit Klubpräsident Manfred Schwabl über Möglichkeiten nach meinem Karriereende gesprochen. Es ist gut vorstellbar, dass ich zunächst eine kleinere Funktion im Medien- oder Scoutingbereich übernehme. Fest steht das aber noch nicht.

Während Ihrer Laufbahn spielten Sie unter anderem für den TSV 1860 München, den SC Freiburg, Hertha BSC und den SV Wehen Wiesbaden. Wo hatten Sie Ihre schönste Zeit?

Nicu: Sportlich gesehen gehören das Zweitligajahr mit dem SV Wehen Wiesbaden in der Saison 2007/2008 und die beiden darauffolgenden Erstligaspielzeiten mit Hertha BSC sicher zu den schönsten und erfolgreichsten meiner Karriere. Mit Hertha haben wir in der Saison 2008/2009 den FC Bayern besiegt (2:1/Anm. d. Red.) und uns für die Europa League qualifiziert. In dieser Zeit wurde ich auch Nationalspieler von Rumänien.

Gab es einen Moment, an den sie sich besonders gerne erinnern?

Nicu: Es gab einige Momente, die ich nie vergessen werde. Der Sieg gegen den FC Bayern gehört definitiv dazu. Gänsehaut hatte ich beim WM-Qualifikationsspiel gegen Frankreich (1:1/Anm. d. Red.). Im Stade de France die Hymne des eigenen Landes zu hören und dann vor mehr als 80.000 Zuschauern gegen eine Weltklasse-Mannschaft mit Spielern wie Thierry Henry, Karim Benzema oder Franck Ribéry zu spielen, war schon ein phänomenales Gefühl. Aber auch meinen Auftritt im "aktuellen sportstudio" des ZDF werde ich immer in Erinnerung behalten. Dort schafft es nicht jeder hin.

Nach Ihrer erfolgreichen Profikarriere geht es jetzt zurück in Ihre Geburtsstadt Prien am Chiemsee, wo Sie ab sofort die Kreisligamannschaft Ihres Jugendvereins TuS Prien trainieren werden. Wie kam es dazu?

Nicu: Es war nicht unbedingt geplant, dass ich in meine Heimat zurückkehre und Kreisligatrainer werde. Als feststand, dass ich meine Laufbahn beende, kam der Verein aber auf mich zu und fragte mich, ob ich Lust auf die Aufgabe hätte. Und die habe ich. Ich kenne beim TuS Prien noch viele Leute von früher. Mein zukünftiger Co-Trainer Michael Hartl ist ein Kindheitsfreund von mir. Es ist für mich außerdem eine hervorragende Gelegenheit, mich als Coach zu versuchen.

Es ist also noch gar nicht klar, ob der Trainerjob langfristig etwas für Sie wäre?

Nicu: Nein, es ist ja meine erste Trainer-Station. Ob es mir gefällt, kann ich erst in ein paar Monaten sagen. Ich freue mich auf jeden Fall auf die neue Herausforderung und darauf, den Fußball aus einem anderen Blickwinkel zu betrachten.

Welche Ziele verfolgen Sie mit Ihrem neuen Verein?

Nicu: Ein offizielles Ziel haben wir noch nicht ausgegeben. Allerdings wird es schon darauf hinauslaufen, dass wir um den Aufstieg mitspielen wollen. Die Mannschaft hat den Sprung in die Bezirksliga in der zurückliegenden Saison nur knapp verpasst und ist Tabellendritter geworden. Ich habe bereits ein paar Spiele meiner zukünftigen Mannschaft gesehen. Die Jungs sind sehr engagiert und zielstrebig.

Beim TuS Prien werden sie Kreisligatrainer, in Unterhaching übernehmen Sie voraussichtlich auch eine Funktion. Werden Sie noch weiteren Tätigkeiten nachgehen?

Nicu: Ich bin seit zwei Jahren Experte bei einem Sport-Streamingdienst, das werde ich auch weiterhin sein. Ich begleite vor allem Partien aus Italien und Spanien. Auch bei Länderspielen bin ich gelegentlich im Einsatz. Die Arbeit macht mir viel Spaß und ich habe dabei viele coole Leute kennengelernt. Mit Ex-Nationalspieler Benjamin Lauth und dem ehemaligen Bundesligaprofi Ralph Gunesch gibt es auch noch andere ehemalige Spieler, die dort als Experte tätig sind. Außerdem habe ich vor rund einem Monat gemeinsam mit meinem älteren Bruder Christopher eine Eventagentur gegründet. Auch meine Freundin Anniina und ein Freund von mir wirken dabei mit. Unser erstes Event haben wir bereits veranstaltet. In der nächsten Zeit wollen wir mehr Zeit in die Agentur investieren. Durch mein Karriereende habe ich dafür jetzt auch mehr Kapazitäten.

Christian Knoth/mspw

 
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