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Florian Trinks: "Wir haben keine Angst"

Letzte Aktualisierung: 17. August 2018

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Florian Trinks will im DFB-Pokal mit Schweinfurt für Furore sorgen. Foto: Getty

Mit einem spektakulären Freistoßtor zum 2:1-Finalsieg gegen die Niederlande schoss Florian Trinks, heute 26 Jahre alt, die deutsche U17-Nationalmannschaft 2009 zum Europameister-Titel. Während Teamkollegen wie Mario Götze, Shkodran Mustafi, Marvin Plattenhardt sowie die beiden Torhüter Marc-André ter Stegen und Bernd Leno A-Nationalspieler oder sogar Weltmeister wurden, startet Mittelfeldspieler Trinks jetzt gerade einen Neuanfang in der 4. Liga. Der ehemalige Bundesligaprofi des SV Werder Bremen und Doublegewinner mit dem ungarischen Spitzenklub Ferencvaros Budapest will nun mit dem ambitionierten 1. FC Schweinfurt 05 in der Regionalliga Bayern und am Freitag (ab 20.45 Uhr) auch im DFB-Pokal gegen den deutschen Vizemeister FC Schalke 04 für Furore sorgen.

Im Interview spricht Florian Trinks über das bevorstehende Pokalduell mit dem Champions League-Teilnehmer aus Gelsenkirchen, seine Ziele mit dem 1. FC Schweinfurt 05 und den Karriereknick.

Seit zehn Tagen sind Sie beim 1. FC Schweinfurt 05, haben die ersten Einsätze hinter sich. Wie haben Sie sich in Unterfranken eingelebt, Herr Trinks?

Florian Trinks: Ich habe mich sehr gut eingelebt, verstehe die Leute sogar schon (lacht). Dass meine Lebensgefährtin Katja aus Oberfranken kommt und ich einige Jahre in Fürth gespielt hatte, hilft mir dabei. Jetzt fehlt uns nur noch eine eigene Wohnung in Schweinfurt.

Wie sind Ihre ersten Eindrücke von der Mannschaft, die nach sechs Spieltagen noch unbesiegt ist und sich in der Spitzengruppe festgesetzt hat?

Trinks: Absolut positiv. Ich habe gleich gespürt, dass im Team einiges an Potenzial steckt. Das 1:1 zuletzt in Augsburg hat allerdings auch gezeigt, dass wir noch einiges lernen und uns verbessern müssen. Wenn wir dauerhaft ganz oben mitspielen wollen, dann müssen wir solche Spiele künftig für uns entscheiden. Vor allem bei der Kommunikation auf dem Platz sehe ich noch einige Luft nach oben.

Der Verein hat gerade auf Profibedingungen umgestellt. Spüren Sie eine Aufbruchstimmung?

Trinks: Auf jeden Fall. Für die 4. Liga haben wir Super-Fans, auch die Trainingsbedingungen sind top. Jeder von uns hat den Traum, nach oben zu kommen. Den wollen wir uns erfüllen.

Ist der Aufstieg in die 3. Liga denn schon in dieser Saison ein realistisches Ziel?

Trinks: Ich denke, dass drei bis vier Mannschaften am Ende um die Meisterschaft mitspielen werden. Da wollen wir auf jeden Fall dabei sein. Dazu werden sicherlich auch der FC Bayern München II und der SV Wacker Burghausen sowie eine Überraschungsmannschaft gehören. Mit unserem guten und ausgeglichenen Kader sowie dem bereits vorhandenen Teamspirit sehe ich schon eine große Chance, ganz oben anzugreifen.

Was haben Sie sich ganz persönlich vorgenommen? Welche Rolle wollen Sie in der Mannschaft einnehmen?

Trinks: Aufgrund meiner Erfahrung sehe ich mich schon in einer Führungsrolle, wenn ich meine beste Form auf den Platz bringen kann. Dafür muss ich aber gesund bleiben und wieder richtig fit werden. Dann möchte ich der Mannschaft Halt geben und gerne auch mit Toren oder Vorlagen mithelfen, möglichst erfolgreich zu sein.

Am Freitag steht mit dem Erstrundenspiel im DFB-Pokal gegen den Champions League-Teilnehmer FC Schalke 04 ein besonderer Höhepunkt auf dem Programm. Rechnen Sie sich insgeheim eine Chance gegen den deutschen Vizemeister aus?

Trinks: Da bin ich lieber etwas vorsichtig. Drei Spielklassen Unterschied sind schon ein Brett. Realistisch betrachtet treffen wir auf einen Gegner, der auf allen Positionen deutlich besser besetzt ist als wir und mit Domenico Tedesco einen ausgewiesenen Taktiker auf der Bank hat. Ich glaube auch nicht, dass die Schalker den Fehler machen werden, uns zu unterschätzen. Dennoch werden wir selbstverständlich alles dafür tun, um die Partie für ganz Schweinfurt zu einem Fußballfest zu machen. Wir haben keine Angst, wollen mutig auftreten.

Worauf wird es ankommen, um Schalke 04 zumindest in Schwierigkeiten zu bringen?

Trinks: Zunächst einmal geht es darum, stabil zu stehen und dem Gegner möglichst wenig Raum zu geben. Wenn es dann lange Zeit eng bleiben sollte, kann es für uns vielleicht ein kleiner Vorteil sein, dass wir schon sechs Spieltage hinter uns haben und die Schalker ihr erstes Pflichtspiel bestreiten. Aber wie gesagt: Wir sind krasser Außenseiter.

Vor einem Jahr schaltete Schweinfurt in der ersten Runde immerhin den Zweitligisten SV Sandhausen aus. Was würde eine erneute Pokal-Sensation bedeuten?

Trinks: Dann würden wohl viele Fans ins Träumen geraten. Der Verein dürfte sich auf jeden Fall über zusätzliche Einnahmen und ein weiteres DFB-Pokal-Spiel freuen. Das wäre natürlich auch für uns Spieler eine geile Sache und ein Grund, es auch gebührend zu feiern.

Als Nachwuchsfußballer schienen Ihnen nach dem Gewinn des U 17-Europameistertitels 2009 alle Türen offen zu stehen. Mal direkt gefragt: Warum spielen Sie jetzt nicht in der 1., sondern in der 4. Liga?

Trinks: Da sind viele Dinge zusammengekommen. Rückblickend muss ich ehrlich zugeben, dass ich nicht der einfachste Charakter war und mit Kritik sehr schlecht umgehen konnte. Da war ich bisweilen beratungsresistent, hatte nicht die nötige Geduld und stand mir damit oft selbst im Weg. Daraus habe ich gelernt. Hinzu kamen auch einige langwierige Verletzungen wie eine neunmonatige Schambeinentzündung, ein Meniskus- und ein Syndesmosebandriss. Für diese Saison hatte ich eigentlich noch einen Vertrag für die 3. Liga beim Chemnitzer FC, doch nach der Insolvenz und dem folgenden Abstieg war ich vereinslos.

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Florian Trinks über seine Ziele mit dem 1. FC Schweinfurt 05: "Jeder von uns hat den Traum, nach oben zu kommen." Foto: Schweinfurt 05

Vor Ihrem Wechsel nach Schweinfurt hatten Sie auch einige Wochen wieder bei Ihrem Ausbildungsverein SV Werder Bremen mittrainiert. War eine Rückehr keine ernsthafte Option?

Trinks: Zunächst ging es nur darum, mich dort fitzuhalten. Nach einiger Zeit haben dann aber U 23-Trainer Sven Hübscher und der Sportliche Leiter Björn Schierenbeck signalisiert, dass sie sich gut vorstellen können, noch einen älteren Führungsspieler für die zweite Mannschaft zu verpflichten. Ich hätte mir das auch gut vorstellen können, zumal meine Familie ja nach wie vor in Bremen wohnt. Am Ende hat sich der Verein anders entschieden und ich bin nach Schweinfurt gewechselt. Damit bin ich sehr zufrieden.

Für den SV Werder waren Sie einst in der Bundesliga am Ball, für die SpVgg Greuther Fürth in der 2. Liga. Auch Ihre Zeit bei Ferencvaros Budapest war mit dem Gewinn des Doubles sportlich äußerst erfolgreich. Was ist dann passiert?

Trinks: Diese Frage kann ich Ihnen leider nicht beantworten, weil ich es selbst nicht verstanden habe. Nach dem Gewinn der Meisterschaft und des Pokals habe ich die ersten neun Spiele der nächsten Saison alle von Beginn an bestritten, war Topscorer des Teams. Dann wurde ich einmal zur Halbzeit ausgewechselt und danach nicht mehr berücksichtigt. Thomas Doll, der mich ja nach Budapest geholt hatte, wollte mir die Entwicklung erklären. Doch ganz ehrlich: Bis heute kann ich es nach nachvollziehen.

Welche Erfahrungen haben Sie dennoch von Ihrer bislang einzigen Auslandsstation mitgenommen?

Trinks: Es war sehr aufregend, hat insgesamt viel Spaß gemacht und war trotz allem auch eine schöne Zeit. Sportlich war nur bedauerlich, dass wir die Qualifikation für die Champions League knapp verpasst haben. Ich habe eine andere Mentalität kennengelernt, das Leben in Budapest sehr genossen. Deshalb hätte ich mir auch gut vorstellen können, länger zu bleiben. Schade, dass es anders kam.

Ihre früheren DFB-Teamkollegen Mario Götze, Shkodran Mustafi, Marvin Plattenhardt sowie die beiden Torhüter Marc-André ter Stegen und Bernd Leno wurden A-Nationalspieler, Götze und Mustafi sogar Weltmeister. Schmerzt es Sie ein wenig, die Karrieren der früheren Mitspieler zu verfolgen?

Trinks: Überhaupt nicht. Ich bin nicht neidisch, freue mich vielmehr für die Jungs. Vielleicht hatte der eine oder andere auch etwas mehr Glück als ich. Alle haben aber mit konstant starken Leistungen längst unter Beweis gestellt, dass sie zurecht eine solche Karriere hingelegt haben.

Gibt es noch Kontakt?

Trinks: Mit Marc ter Stegen schreibe ich noch gelegentlich. Dabei geht es dann aber nicht oder allenfalls am Rande um Fußball.

Zum Abschluss noch mal Hand aufs Herz: Der 2:1-Siegtreffer im EM-Finale 2009 gegen die Niederlande gelang Ihnen mit einem sehenswerten Freistoß. Haben Sie das noch drauf? Dürfen sich die Schweinfurter Fans auf ähnliche Aktionen freuen?

Trinks: Das Gefühl im Fuß sollte ich auf jeden Fall noch haben. Es ist aber alles eine Sache des Trainings. Ich werde auf jeden Fall mal wieder die Freistoß-Trainingsmauer auspacken, um es immer wieder zu üben.

Autor: Ralf Debat/mspw

 
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