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Stefan Merkel: "Das Ehrenamt im BFV sucht seinesgleichen"

Letzte Aktualisierung: 8. Juli 2018

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Das Ehrenamt? Für Stefan Merkel eine "echte Herzensangelegeheit"!

Der Bayerische Fußball-Verband (BFV) hat einen neuen Verbands-Ehrenamtsreferenten. Stefan Merkel, bisher Bezirks-Ehrenamtsreferent von Mittelfranken, hat zum 1. Juli die Nachfolge von Dieter Habermann angetreten, der das Amt aus persönlichen Gründen niedergelegt hatte. Im Interview spricht Merkel, hauptberuflich Abteilungsleiter in einem Großhandelsbetrieb für Verbindungselemente, über altbewährte Erfolgsrezepte und neue Impulse, mit denen er die BFV-Ehrenamtsbewegung weiter modernisieren will. Der 45 Jahre alte Wolkersdorfer sieht in jedem das "Ehrenamts-Gen" und baut insbesondere auf die Kraft der "Mixed Generation".

Auch im Sport macht sich der Rückgang der Ehrenamtlichen bemerkbar: Machen Sie sich Sorgen um die Zukunft des Ehrenamts?

Stefan Merkel: Nein! Das Ehrenamt ist tief in unserer Gesellschaft verwurzelt. Unser soziales Zusammenleben basiert zum großen Teil darauf, dass Menschen sich gegenseitig helfen. Jeder profitiert davon auf seine Weise und jeder ist sich dessen auch bewusst. Insbesondere die Politik bemüht sich um eine erhöhte Anerkennungskultur. Wenn beispielsweise unser bayerischer Innenminister Joachim Herrmann den letztjährigen Ehrenabend des Bayerischen Fußball-Verbandes (BFV) im Kreis Erlangen/Pegnitzgrund besucht, ist das gar nicht mehr so ungewöhnlich, aber für die Besucher selbst natürlich ein tolles Erlebnis und zusätzliche Motivation.

Die bei vielen am Ende dann aber doch nicht mehr ausreicht, um ein ehrenamtliches Amt zu übernehmen?

Merkel: Natürlich machen gesellschaftliche Entwicklungen wie der demografische Wandel, die zunehmende Individualisierung oder flexiblere Lebensformen nicht vor dem Ehrenamt Halt. Dennoch gibt es nach wie vor viele Menschen, die die Bereitschaft mitbringen, sich ehrenamtlich zu engagieren - die eben dieses Ehrenamts-Gen in sich tragen.

Das Ehrenamts-Gen? Das hat man oder hat man eben nicht?

Merkel: In jedem von uns steckt die Bereitschaft, Gutes zu tun, anderen zu helfen und auch unentgeltlich Aufgaben zu übernehmen. Da spielt weder Alter, Herkunft noch Geschlecht eine Rolle. Die generelle Bereitschaft müssen wir stärken und daran anknüpfen. Aktuell ist leider oft das Gegenteil der Fall.

Inwiefern?

Merkel: Ehrenamtliche Helferinnen und Helfer werden aktuell mit diversen gesetzlichen Vorschriften belastet und dadurch demotiviert. Da kommt schnell Frust auf. Nehmen wir beispielsweise das Thema "Datenschutz" und insbesondere die Verwendung von Fotos. Welches Wissen diesbezüglich von den Ehrenamtlichen im Verein verlangt wird, ist unglaublich. Wer soll das leisten? Da kannst du nur in rechtliche Fallen hineintappen. Ich kenne daher viele Vereine, die ihre Homepage inaktiv geschaltet haben. Das ist nicht Sinn der Sache.

Ihre Forderung?

Merkel: Ehrenamt muss ein Hobby bleiben, das jeder ausüben kann ohne vorher eine langwierige Ausbildung zu durchlaufen.

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Starkes Team: Stefan Merkel (vorne, 3. v. l.) im Kreis der Verbands-Ehrenamtsorganisation.

Apropos Ausbildung: Der BFV bietet den Vereinen eine Vielzahl an Schulungen an, um ihnen die Gewinnung von Ehrenamtlichen zu erleichtern. Mit Erfolg?

Merkel: Ja, das Feedback ist durchweg positiv! Unsere Schulungen werden gut angenommen. Vereinen, die sich bei uns engagieren und insbesondere einen aktiven Vereins-Ehrenamtsbeauftragten haben, fällt es um einiges leichter, Ehrenamtliche zu gewinnen. Im Rahmen der Evaluation der Schulungen bitten wir die Vereine auch immer wieder um Ideen und Anregungen für Verbesserungen oder neue Themenfelder.

Gibt es denn Verbesserungsbedarf?

Merkel: Den gibt es immer. Wir hören unseren Teilnehmern aufmerksam zu. Gab es vor zehn Jahren noch recht allgemeine Schulungen zur Gewinnung von ehrenamtlichen Mitarbeitern, bieten wir in unseren Ehrenamtstreffs heute spezifische Workshop und neuerdings sogar Rollenspiele an, um die Vereinsverantwortlichen darauf vorzubereiten, qualifizierte Gespräche mit Kandidatinnen und Kandidaten führen zu können. Wir modernisieren vergangene Schulungsreihen stetig. Gleiches gilt auch für die Arbeit der BFV-Ehrenamtskommission im Allgemeinen. Aktuelles Beispiel ist die Einführung eines neuen Ehrenamtstreffs unter der Überschrift "Mixed Generation". In unseren Vereinen üben Alt und Jung schließlich gemeinsam ihr Hobby aus. Wir wollen Brücken bauen, Verständnis für die jeweils andere Generation schaffen und Methoden erarbeiten, wie Jung und Alt gemeinsam harmonisch, respektvoll und motivierend miteinander im Verein arbeiten können.

Stimmt denn der Eindruck, dass das Ehrenamt eher veraltet?

Merkel: Das lässt sich so nicht pauschalisieren. In unseren Vereinen engagieren sich sowohl Jung als auch Alt, wo wir schon wieder beim Thema "Ehrenamts-Gen" wären. Die Position des Vereins-Ehrenamtsbeauftragten, quasi das Gesicht der Ehrenamtsbewegung in den Vereinen, hat aber vor allem die Generation "60plus" inne.

Der Vereinsehrenamtsbeauftragte, eine Art Schlüsselposition für moderne Vereine?

Merkel: Ja, das kann man durchaus so sagen. Der Vereins-Ehrenamtsbeauftragte ist ein überaus engagierter und verdienter Ehrenamtlicher, der den Verein, aber auch die Menschen kennt, sich um sie kümmert und auch unsere Verbandsthemen zum richtigen Ansprechpartner transportieren kann. Daher wollen wir uns künftig noch intensiver um die aktiven Vereins-Ehrenamtsbeauftragten kümmern und deren Anzahl stetig erhöhen.

Die Vereinsehrenamtsbeauftragten sind auch die treibende Kraft, wenn es um die Bewerbung für die zahlreichen BFV-Gütesiegel geht.

Merkel: Ja! Der Verband pflegt eine allumfassende Anerkennungskultur. Der BFV-Ehrenamtspreis wird am 10. November bereits zum 23. Mal verliehen. Die Preise, Ehrungen und Auszeichnungen sind generell wertvolle Hilfen für die Vereine. Einen Kreissieger zu stellen, ist für Vereine tolle Imagewerbung. Das Gütesiegel "Silberne Raute" beispielsweise Mitgliedern und Sponsoren präsentieren zu können, liefert einen großen Mehrwert. Vereine, die diese Möglichkeiten nutzen und Veranstaltungen darauf aufbauen, finden wiederum großen Anklang bei ihren Mitgliedern. Auch für die engagierten U30-Mitarbeiter ist der Förderpreis "Fußballhelden - Aktion junges Ehrenamt" ein großer Ansporn. Naheliegend ist ohnehin der Gedanke, dass die heutigen U30-Mitarbeiter in den Vereinen prädestiniert sind, später das Amt des Vereins-Ehrenamtsbeauftragten zu übernehmen.

Ein Thema der jüngeren Generation ist auch die "Digitalisierung". Welche Rolle spielt sie im Rahmen der Ehrenamtsbewegung?

Merkel: Digitalisierung ist bei uns momentan noch ein schwieriges Thema. Auch deswegen wollen wir enger mit der U30-Ehrenamtsorganisation zusammenarbeiten. Generell ist es allerdings nach wie vor so, dass man Personen am besten über persönliche Ansprache und Kontaktaufnahme für ein Ehrenamt gewinnt. Eine Onlinebörse mit freien Ämtern verschafft einem ohnehin interessierten potenziellen Ehrenamtlichen vielleicht einen ersten Überblick, kann aber wenig Überzeugungsarbeit leisten. Es geht um persönliche Kommunikation.

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"Es geht um persönliche Kommunikation", sagt Stefan Merkel.

Wie sehen denn überhaupt konkrete Maßnahmen aus, um Menschen für ein Ehrenamt zu begeistern?

Merkel: Sicher lautet die bessere Frage, wie das Ehrenamt aussehen muss, dass es für die Menschen attraktiv ist. Dafür die optimalen Voraussetzungen zu schaffen, ist Aufgabe der Vereinsführung. Der moderne Verein bietet Ehrenamt in all seinen Facetten. Langjährig besetzte Ämter, Projektarbeiten oder auch nur Helfertätigkeiten zielorientiert einzusetzen, ist die Kunst.

Vor allem in Hinblick auf den Faktor "Zeit". Sind im Ehrenamt auch moderne Mischformen der Arbeitsteilung denkbar?

Merkel: Das wird die Zukunft sein. Ich bin mir sicher, dass mittelfristig fast alle Vereine von professionellen Vereinsverwaltern geführt werden oder sich immerhin einen Geschäftsführer teilen. Es ist einfach eine Folge aus all den rechtlichen Anforderungen, die Ehrenamtliche nicht mehr alleine leisten können. Das sind die Zeichen der Zeit. Wir können jetzt jammern und klagen oder aber unsere Vereine fit machen, sich diesen Herausforderungen zu stellen und neue Wege zu gehen. Pilotprojekte gibt es hierzu schon, beispielsweise in der Stadt Nürnberg. Wir werden uns diese genau ansehen, analysieren und dann sicher mit neuen Ideen an unsere Vereine herantreten.

Neue Wege, neue Besetzung der Ämter: Was treibt Sie als Verbands-Ehrenamtsreferent an?

Merkel: Es ist eine Riesenherausforderung und Ehre für mich! Meine Vorgänger Hermann Güller und Dieter Habermann haben gemeinsam mit ihren Kolleginnen und Kollegen über Jahrzehnte herausragende Arbeit geleistet. Das Ehrenamt im BFV sucht deutschlandweit seinesgleichen. Es zu erhalten, zu modernisieren und in die Zukunft zu führen, erlebe ich als großartige Aufgabe, auf die ich mich sehr freue und stolz bin, dass der Verband mir vertraut und mich unterstützt.

Klingt nach einer echten Herzensangelegenheit.

Merkel: Absoltut! Viele Ehrenamtliche haben mein Leben geprägt. Ich habe mit sechs Jahren mit dem Fußballspielen begonnen, wurde immer von tollen Menschen betreut und durfte viel erleben. Das möchte ich noch lange zurückgeben. Ich war von klein auf in die Verwaltung meines Heimatvereins TSV Wolkersdorf integriert und wurde 1998 von meinem Freund und Vorgänger Dieter Habermann zu einem Ehrenamtstreff eingeladen. Seitdem bin ich der Aktion Ehrenamt verbunden, erst als Vereins- dann als Kreis-Ehrenamtsbeauftragter Neumarkt/Jura und bis vor wenigen Wochen eben als Bezirksehrenamtsreferent von Mittelfranken. Ich möchte mein neues Amt nutzen, um einerseits den Kindern auch heute zu ermöglichen, von motivierten und gut ausgebildeten ehrenamtlichen Trainern zu lernen und in gut organisierten Vereinen die gleichen Erlebnisse zu haben, die ich hatte. Andererseits möchte ich die engagierten Menschen unterstützen und ihnen wertvolle Hilfestellungen für ihre Tätigkeit geben.

Welche Vorstellungen und Ideen bringen Sie für die neue Wahlperiode mit?

Merkel: Ich freue mich auf die Zusammenarbeit mit meinen Kolleginnen und Kollegen im Ehrenamt und in anderen Abteilungen des Verbandes. Die Organisation muss modernisiert werden, sicher müssen wir uns in den nächsten Jahren auch weiter verjüngen. Gleichzeitig können und wollen wir nicht auf die Erfahrungen der Alten verzichten. Es gibt viele Baustellen und Ideen, die wir jetzt Stück für Stück angehen werden. Ich möchte die Aktion Ehrenamt weiter erfolgreich im BFV platzieren. Wir haben einen guten Ruf zu verteidigen, auch in der Ehrenamtskommission des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) wird unsere Arbeit geschätzt.

Dennoch sprachen Sie bei der Arbeitstagung der Ehrenamtskommission von notwendigen inhaltlichen und strukturellen Änderungen.

Merkel: Klar, Stillstand kommt nicht in Frage. Im Kern geht es aber vor allem um eine effektivere Arbeitsweise. Unsere Kreis-Ehrenamtsbeauftragten und Bezirksehrenamtsreferenten haben inzwischen ein umfangreiches Aufgabengebiet mit hohen Anforderungen. Wir müssen die Qualifikation und die Stärken jedes einzelnen so einsetzen, dass wir die besten Ergebnisse für unsere Vereine erzielen.

Bedeutet konkret?


Merkel:
Wir werden noch aktiver zu den Vereinen gehen. Wir müssen dem Ehrenamt im Kreis ein Gesicht geben, das heißt, der Kreis-Ehrenamtsbeauftragte muss in der Öffentlichkeit präsenter sein. Wir wollen Vereinen individueller helfen. Nicht jede Lösung passt zu jedem Verein. Das gemeinsam herauszuarbeiten, wird eine zentrale Aufgabe der Kreis-Ehrenamtsbeauftragten werden. Um effizienter und zielorientierter zu arbeiten, werden wir für unsere Kernthemen Verantwortliche aus unserer Organisation einsetzen, die dann allen Kreis-Ehrenamtsbeauftragten bayernweit qualifiziert helfen. Wir werden weiterhin eng mit anderen Ressorts zusammenarbeiten und unsere Stärken überall dort einbringen, wo es gewünscht ist. Auch für mich werden es spannende Jahre.

Zur Person: Stefan Merkel ist 45 Jahre alt und wohnt in Wolkersdorf (Mittelfranken). Der hauptamtliche Abteilungsleiter in einem Großhandelsbetrieb für Verbindungselemente ist verheiratet und hat zwei Kinder (1 und 7 Jahre). Für die BFV-Ehrenamtsorganisation engagiert sich Merkel bereits seit über 20 Jahren.

 
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