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Georg Appel: "Ein gutes Zeichen für die Amateurvereine"

Letzte Aktualisierung: 6. September 2018

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Vorbildliche Jugendarbeit: Georg Appel und der SC Eintracht Freising haben schon einigen Spielern den Weg in den Profifußball ermöglicht.

Vorbildliche Nachwuchsarbeit: Dafür stehen rund um die bayerische Landeshauptstadt nicht nur der Rekordmeister FC Bayern München, der TSV 1860 oder die SpVgg Unterhaching, sondern auch der SC Eintracht Freising. Letzterer bekam nun von der Deutschen Fußball Liga DFL eine Ausbildungsprämie in Höhe von fast 100.000 Euro überwiesen - der absolute Topwert aller 90 deutschen Amateurvereine, die im vergangenen Jahr Spielern den Weg in den Profifußball geebnet haben. "Das war natürlich etwas Besonderes", sagt Georg Appel, Fußball-Abteilungsleiter beim SC Eintracht Freising, der im Interview mit bfv.de aber auch über die enorme Herausforderung in Sachen Talentförderung spricht.

Wie groß war die Freude beim SC Eintracht Freising über die 100.000 Euro?

Georg Appel: Wir haben ja gewusst, dass sich die Förderrichtlinien geändert und wir mit Thomas Blomeyer und Maximilian Thalhammer zwei heiße Eisen im Feuer haben. Wir haben natürlich auf die neuerliche finanzielle Unterstützung gehofft. Thomas und Max standen sich in ihrem zweiten Zweitliga-Einsatz in der vergangenen Saison dann sogar gegenüber - Duisburg bezwang Ingolstadt 2:1. Das war natürlich etwas Besonderes - auch für uns als Verein. Dass wir als Ausbildungsverein der beiden dafür finanziell belohnt werden, macht es umso schöner. Aber die beiden sind ja nicht die ersten Freisinger, die den Sprung zu den Profis geschafft haben, wobei das Ausbildungshonorar früher natürlich niedriger war.

Wie hießen die anderen Freisinger Talente?

Appel: Es ging los mit Alexander Kutschera, der Anfang der 1990er-Jahre mit Blau-Weiß 90 Berlin in der Zweiten Liga gespielt hat und für Bayer 05 Uerdingen später sogar in der Bundesliga aufgelaufen ist. Weiter ging's mit Philipp Bönig, dem heutigen Trainer des BCF Wolfratshausen und Ex-Profi des MSV Duisburg und vom VfL Bochum, dazu Maximilian Haas beim FC Bayern München, der allerdings nie in der Bundesliga, sondern nur in Freundschaftsspielen zum Einsatz gekommen ist. Ganze sechs Jahre war auch Stefan Lex für uns aktiv, der später für Ingolstadt 04 in der 2. Bundesliga gespielt hat und jetzt beim TSV 1860 München zu Hause ist.

Mit dem Topwert aller deutschen Vereine, einem Ausbildungshonorar von fast 100.000 Euro, hat sich der SC Eintracht Freising auch jetzt wieder als absolute Talentschmiede hervorgetan: Was ist das Geheimnis der Jugendförderung in Freising?

Appel: Für uns hat die Jugendarbeit einen immensen Stellenwert. Wenn man sich heute und auch in den vergangenen Spielzeiten die Startelf unserer ersten Mannschaft ansieht, dann stehen dort immer sieben bis neun Spieler, die mindestens seit der D-Jugend bei uns sind. Unser Konzept sieht es vor, dass wir unsere sportlichen Ziele mit unseren eigenen Leuten erreichen. Natürlich profitieren wir seit ein paar Jahren aber auch von der hervorragenden Arbeit am Verbands-Stützpunkt in Freising und den gut ausgebildeten Trainern dort. Ich bin zuversichtlich, dass auch in den kommenden Jahren Talente aus unseren Reihen den Sprung in den Profifußball schaffen.

An wen denken Sie da genau?

Appel: An Michael Eberwein, der aktuell bei Borussia Dortmund II spielt, oder Lukas Gerlspeck vom FC Ingolstadt 04 II. Die waren aber beide nur zwei Jahre bei uns. Inzwischen geht der Trend ja dahin, dass Talente früher zu den großen Vereinen wechseln.

Was kritisch zu bewerten ist?


Appel: Das kommt ganz drauf an, wie die großen Vereine mit den Spielern umgehen. Da gibt es positive und negative Beispiele. Bei einem Verein werden jedes Jahr 30 Jugendspieler geholt, nach der Saison davon aber wieder 20 weggeschickt. Die Zahl derer, die am Ende Profis werden, liegt im Promillebereich. Man muss daher schauen, dass Talente möglichst lange in ihrem gewohnten Umfeld bleiben und vor allem die Schule nicht vernachlässigen. Deswegen finde ich die bayerische Besonderheit, BFV-Nachwuchsleistungszentren in allen Regionen zu installieren, den richtigen Ansatz. Denn 99,9 Prozent aller hochgehandelten Talente werden am Ende nicht vom Fußball, sondern eben von einem bürgerlichen Beruf leben. Man braucht auch sehr viel Glück, um den Sprung zu schaffen. Es ist daher schon sinnvoll, bis zum 16., 17. Lebensjahr bei einem Klub in der Umgebung zu bleiben. Ich bin mir auch sicher, dass sich Spieler noch relativ spät steigern und weiterentwickeln können. Das beste Beispiel dafür ist ja Miroslav Klose, der als Erwachsener noch in der Landesliga gespielt hat. Vielleicht sind viele Vereine der Meinung, dass das heutzutage nicht mehr geht. Ich denke aber: Das geht sehr wohl! Vorausgesetzt natürlich, man ist in einem Verein, der vernünftige Jugendarbeit leistet.

...wie der SC Eintracht Freising. Gute Arbeit kostet aber auch, oder?

Appel:
Ja, unsere Jugendarbeit kostet uns sogar sehr viel - fast 60.000 Euro im Jahr. Wir zahlen pro Jugendlichem von der F-Jugend bis zur A-Jugend durchschnittlich 145 Euro pro Jahr. Das heißt, dass ein großer Teil der Mitgliederbeiträge und Sponsoring-Einnahmen natürlich vor allem in den Nachwuchsbereich geht.

Und die 100.000 Euro der DFL? Wo genau fließen die hin?

Appel: Die werden wir wie vorgesehen natürlich in die Jugendabteilung investieren - sukzessive, da wir in den nächsten fünf Jahren nicht erneut mit so einer hohen Summe rechnen. Ich möchte keine Begehrlichkeiten wecken, 100.000 Euro sind viel Geld. Aber wenn man berechnet, wie hoch die Ausgaben im Jahr sind, ist man um jede Unterstützung dankbar. Wenn man gute und qualifizierte Trainer haben will, dann ist das nicht billig. Vor allem, wenn man in höheren Klassen unterwegs ist und weite Fahrtstrecken in Kauf nehmen muss. Wir haben hier in Freising 14 Mannschaften im Spielbetrieb. Und wir haben alle Trainerstellen doppelt besetzt. Dass das sehr teuer ist, lässt sich leicht ausrechnen.

Dessen ist sich nicht zuletzt die DFL bewusst, die die Honorarsummer zur vergangenen Saison deutlich erhöht hat. Ein wichtiges Zeichen für die Basis?

Appel: Sicherlich ist das ein gutes Zeichen in Richtung der Amateurvereine. Allerdings muss man sich auch bewusst machen, dass in den Profiligen Milliarden generiert werden. Deswegen ist es auch gerecht, dass etwas an die Amateurvereine zurückfließt. Ich bin auch sehr froh darüber, dass sich BFV-Präsident Rainer Koch massiv dafür eingesetzt hat, dass die Summen höher werden und das System der Berechnung einen größeren Zeitraum berücksichtigt. Und durch die Zahlungen wird den Vereinen vielleicht wieder etwas mehr bewusst, dass sich eine eigene Jugendförderung im Verein wirklich lohnt!

Sie klingen recht zufrieden. Wünschen Sie sich dennoch mehr Unterstützung für die Amateurvereine?

Appel:
Der Grundlagenvertrag ist so wie er ist. Die jeweilige Deckelung sehe ich aber schon als Problem, wenngleich ich es nicht so sehe, dass alles falsch gemacht wurde. Da muss man nur mal ins europäische Ausland schauen, wo das Verhältnis zwischen Profis und Amateuren sicherlich nicht so gut ist, wie in Deutschland. Dennoch würde es der DFL sicherlich nicht viel ausmachen, noch mehr Geld an die Amateurvereine auszuschütten. Die Zukunft des Fußballs sind schließlich die kleinen Amateurvereine. Und ein bisschen mehr Geld würde die DFL nicht arm machen. Der Anfang ist mit dem neuen Grundlagenvertrag zwischen der DFL und dem DFB mit seinen Landesverbänden gemacht. Vielleicht kann man also in naher Zukunft nochmal einen Schritt weitergehen. Das würde mich persönlich sehr freuen. Ich will nicht undankbar sein, aber man muss immer die Verhältnisse sehen.

 
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