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Urteil im Fall FC Trogen

Letzte Aktualisierung: 5. April 2018

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Beantwortet die wichtigsten Fragen: VSG-Vorsitzender Oskar Riedmeyer. Foto: Getty

Das Verbands-Sportgericht (VSG) des Bayerischen Fußball-Verbandes (BFV) hat im von BFV-Präsident Rainer Koch beantragten Wiederaufnahmeverfahren im Fall des nicht berechtigten Spielereinsatzes von Daniel Micklisch beim oberfränkischen Bezirksligisten FC Trogen eine Entscheidung getroffen. Demnach erhält der FC Trogen einen Abzug von insgesamt zwölf Punkten, erstinstanzlich waren dem Verein zunächst neun Zähler abgezogen worden. Die Einsprüche von sieben Vereinen (SV Poppenreuth, SpVgg Selb, TSV Kirchlaibach/Speichersdorf, Eintracht Münchberg, SpVgg Oberkotzau, BSC Saas-Bayreuth, VfR Katschenreuth) gegen die jeweiligen Spielwertungen der Partien gegen den FC Trogen wurden jetzt ebenfalls durch das VSG in den jeweiligen Berufungsverfahren geprüft, mussten letztlich aber aufgrund einer Verfristung - Anzeigen müssen bis vier Wochen nach der jeweiligen Partie erstattet werden - abgewiesen werden.

Die Wiederaufnahme des Verfahrens wurde durch das VSG zugelassen, weil sich im Vergleich zum erstinstanzlichen Verfahren vor dem Bezirks-Sportgericht (BSG) neue Erkenntnisse ergeben hatten. War das VSG noch von einem fahrlässigen Handeln des FC Trogen ausgegangen, so ließ sich aufgrund neuer Beweise nun klar feststellen, dass ein vorsätzliches Handeln vorliegt. Entsprechend erhöhte das VSG die Strafe gegen den FC Trogen um drei Punkte und verhängte damit einen Punktabzug von insgesamt zwölf Zählern. Zudem wurde die Geldstrafe von 500 Euro auf 1000 Euro verdoppelt.

Aufgrund der nun vorliegenden Erkenntnis, dass es sich um Vorsatz handelt, wurde das Verfahren gegen den Mannschaftsverantwortlichen des FC Trogen abgetrennt und wird gesondert verhandelt. Auch deshalb, weil die Sportrichter nach eindeutiger Beweislage zu dem klaren Schluss gekommen sind, dass der Verstoß von zwei Personen ohne Kenntnis weiterer Vereinsfunktionäre des FC Trogen begangen worden ist.

Im Gespräch mit der bfv.de-Redaktion beantwortet VSG-Vorsitzender Oskar Riedmeyer die wichtigsten Fragen rund um das komplexe Verfahren.

Warum sind aus neun Punkten Abzug für den FC Trogen jetzt zwölf Zähler geworden und weshalb wurde die Geldstrafe verdoppelt?

Oskar Riedmeyer:
Das Verhalten der Vereinsverantwortlichen muss sich der Verein zurechnen lassen. Es wurden jetzt alle Spiele einbezogen, an denen der Spieler unzulässig teilgenommen hat. Dabei wurde eine sogenannte Gesamtstrafe gebildet. Die Einzelstrafen für jedes Spiel werden nicht einfach zusammengezählt, sondern der gesamte Umfang des verbotenen Verhaltens wird geprüft und dann wird eine Gesamtstrafe gebildet. Dieses System wurde vom allgemeinen Strafrecht so in die Sportgerichtsbarkeit übernommen.

Wieso hat das Verfahren letztlich so viel Zeit in Anspruch genommen?

Oskar Riedmeyer:
Ausgangspunkt waren zunächst die offensichtlich falschen Angaben, die in der ersten mündlichen Verhandlung gemacht worden sind. Damals wurde vom VSG die Tat als weit weniger gravierend bewertet, als sie sich dann nach dem Wiederaufnahmeverfahren herausgestellt hat. Jetzt mussten Anzeigen zu insgesamt zwölf Spielen bewertet und beurteilt werden. Alle Mitglieder des Verbandssportgerichts sind ehrenamtlich tätig und arbeiten hauptberuflich in anspruchsvollen juristischen Berufen. Außerdem mussten gleichzeitig eine Reihe weiterer Verfahren behandelt werden. Schließlich erfordert jeder Fall eine besondere Sorgfalt, gerade dann, wenn es sich um Fälle mit besonderer Tragweite handelt. Solche Fälle lassen sich daher nicht binnen kurzer Zeit erledigen. Dies ist übrigens auch in der ordentlichen Gerichtsbarkeit der Fall.

Was hat den Ausschlag gegeben, dass das VSG keine Spielwertungen zu Gunsten der sieben Vereine vorgenommen hat?

Oskar Riedmeyer:
Entscheidend war die Frist von vier Wochen, innerhalb der die Anzeige erfolgen muss. Das VSG hat hier seine ständige Rechtsprechung nochmals überprüft. Zweck der Bestimmung ist der Schutz des Wettbewerbs. Bei einer Spielwertung werden nicht nur dem betroffenen Verein Punkte genommen, sondern ein anderer Verein, der das Spiel ursprünglich verloren hatte, bekommt Tore und Punkte gutgeschrieben. Damit hat dieser Verein nicht nur gegenüber dem betroffenen Verein einen Vorteil, sondern auch gegenüber seinen Tabellennachbarn, die an sich nichts damit zu tun hatten. Lässt man Spielwertungen ohne Zeitschranke zu, müsste jeder Verein im Abstiegskampf zum Schluss der Saison damit rechnen, dass ein Abstiegskonkurrent plötzlich drei Punkte bekommt, nur weil am Anfang der Saison ein Gegner dieses Konkurrenten einen Einwechselfehler gemacht hatte. Vereine könnten solches Wissen "in der Schublade" behalten und ggfs. zum Schluss der Saison auf diese Weise in den Wettbewerb eingreifen. Das soll durch die Frist im Interesse der Klarheit des Wettbewerbs verhindert werden. Andererseits hat das VSG herausgearbeitet, dass die aus Wettbewerbsgründen eingeführte Vierwochenfrist dem betroffenen Verein keinen Schutz vor Bestrafung bieten soll. Deshalb wurden bei der Gesamtstrafe gegen den betroffenen Verein auch die Spiele berücksichtigt, bei denen die Anzeige verfristet war.

Können Sie nachvollziehen, dass die sieben Vereine damit nicht zufrieden sind, dass ihre Spiele gegen Trogen nicht zu ihren Gunsten gewertet werden?

Oskar Riedmeyer:
Da bewegen wir uns auf einer emotionalen Ebene. Bei jeder Frist - egal wie lange sie ist - gibt es natürlich eine scheinbare Ungerechtigkeit, wenn jemand die Frist nur kurzzeitig überschreitet. Andererseits sind vier Wochen eine lange Zeit, innerhalb der sich ein Verein Klarheit verschaffen kann und muss. Für uns als Sportrichter und auch für die Vereine ist die Rechts- und Verfahrensordnung bindend. Dort sind Fristen klar geregelt. Wie gesagt, wir haben das nochmals detailliert aufgearbeitet und alle Eventualitäten vollumfänglich berücksichtigt. An der Frist von vier Wochen ist nicht zu rütteln. Gleichwohl sei angemerkt, dass es auch unter den Vereinen einen Informationsfluss gegeben hat. So haben einige Vereine davon gewusst, dass der FC Trogen einen Spieler einsetzt, der nicht einsatzberechtigt ist. Diese Information war bekannt und somit wäre auch eine Anzeige innerhalb der vier Wochen möglich gewesen. Das kam bei einem vom BFV organisierten Treffen mit den beteiligten Bezirksligisten, unserem Vize-Präsidenten Reinhold Baier sowie unserem Verbandsanwalt Friedrich Reisinger am Rande des Kreistages in Oberfranken so offen zur Sprache.

BFV-Präsident Rainer Koch hatte das Wiederaufnahmeverfahren beantragt, inwieweit ist das jetzt getroffene Urteil endgültig?

Oskar Riedmeyer:
Vorweg gilt klar festzuhalten, dass die Sportgerichte im BFV unabhängig und autark sind. Wir sind der Neutralität verpflichtet. Der Präsident hat kraft Amtes das Recht, einen Wiederaufnahmeantrag des Verfahrens zu stellen. Wir haben diesen Antrag entsprechend geprüft und dem letztlich auch stattgegeben. Das ist ein normaler Vorgang. Das Verbandssportgericht ist die letzte Instanz und demnach können gegen das Urteil keine weiteren Rechtsmittel eingelegt werden.

Das Verfahren gegen den damals noch aktiven Mannschaftsverantwortlichen des FC Trogen wurde abgetrennt - wie geht es hier weiter?

Oskar Riedmeyer:
Hier ist das konkrete Fehlverhalten der betroffenen Person noch zu prüfen und vereinsstrafrechtlich zu bewerten. Es geht darum, eine angemessene Strafe für das begangene Unrecht zu finden. Ein rechtsstaatliches Verfahren verlangt, dass der Betroffene Gelegenheit haben muss, zu den konkreten Vorwürfen Stellung zu nehmen. Weil sich die Sachlage durch die Entscheidung im Wiederaufnahmeverfahren verändert hat, muss der Betroffene darauf reagieren können. Dies benötigt weitere Zeit. Damit jedoch Klarheit in der Tabelle herrscht, und weil die Bestrafung des Verantwortlichen unabhängig von der Spielwertung und der Bestrafung des Vereins durchgeführt werden kann, haben wir das Verfahren abgetrennt.

 

 
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