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Große Geschichte ohne Happy End

Letzte Aktualisierung: 27. Juni 2019

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Können trotz des verlorenen Finales stolz auf ihre Leistung: Verbandstrainer Engin Yanova mit Masaaki Takahara. Foto: Getty

Die Auswahl des Bayerischen Fußball-Verbandes (BFV) hat das Finale um den UEFA Regions' Cup in Burghausen gegen Polen mit 2:3 (1:1) verloren und damit den "Heimsieg" verpasst. Es war mit fünf Elfmetern in der regulären Spielzeit ein ebenso kurioses wie historisches Finale dieser Europameisterschaft der Amateure im Freistaat. Von der bleiben viele Erinnerungen an schöne Momente und einen bitteren Schlusspunkt. Dazu ein Stück nationaler Fußball-Geschichte: Noch nie zuvor war ein deutsches Team ins Endspiel beim bedeutendsten Amateurfußball-Turnier der UEFA eingezogen. Es wird dauern, ehe die Enttäuschung dem Stolz weicht.

Bei den Jungs in den blauen Trikots mit der Deutschland-Flagge auf der Brust herrschte pure Leere. Die starren Blicke strandeten irgendwo im Nichts. Der erste Moment auf dem Friedhof der Sehnsüchte in Burghausen war ein bitterer. Eine Erfahrung, die sich einbrennt. Auch deshalb, weil der Kontrast nicht hätte größer sein können: Nur ein paar Meter von der greifbaren Tristesse entfernt reckte der polnische Kapitän Grzegorz Borwy im goldenen Glitzer-Regen die Trophäe in den stahlblauen Himmel von Burghausen. Ausgelassener Jubel auf der einen, Niedergeschlagenheit auf der anderen Seite. "Das gehört zum Fußball", sagte Arif Ekin und schob mit dem unüberhörbaren Ton der Enttäuschung hinterher: "Das ist Sport!"

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Letztlich werden es diese Bilder sein, an die sich die deutschen Spieler mit Stolz erinnern werden, wenn der Schmerz vom verlorenen Endspiel verflogen ist. Foto: Getty

Der Kicker des TSV 1860 München nimmt neben der Silbermedaille für den Turnier-Zweiten auch den goldenen Schuh des besten Torschützen mit nach Hause. Im Finale gegen Polen verwandelte er in der Schlussminute noch einen Elfmeter zum 2:3-Anschlusstreffer - es war sein drittes Turniertor. "Anstatt des goldenen Schuhs hätte ich lieber den Pokal mit nach Hause genommen", gab der 23-Jährige im Sog der Gefühle zu. Und trotzdem wird die Trophäe künftig "einen besonderen Platz über meinem Bett bekommen. Denn dann kann ich immer sehen, was hier beim Regions' Cup Wirklichkeit geworden ist."

Es wird bei allen ein paar Tage dauern, ehe im Bewusstsein die Tatsache reift, wirklich Großes geleistet zu haben: "Es ist eine große Geschichte - leider ohne Happy End. Aber trotzdem eine ganz schöne Geschichte", sagte der Löwen-Spieler, der zuvor schon gegen Frankreich (1:0) und die Slowakei (1:1) getroffen hatte, beim 1:0-Last-Minute-Sieg gegen die Türkei traf Henri Koudossou (SV Pullach) ins Schwarze: "Die Bedingungen waren der absolute Wahnsinn. Ich habe vom ersten Tag an alles aufgesaugt."

Die bayerische Geschichte auf europäischer Bühne war eine sehr spezielle, hatte schon beinahe märchenhafte Züge. Denn während beispielsweise das Team aus Frankreich seit zwei Jahren regelmäßig beisammen war, um sich ganz gezielt auf diese Europameisterschaft der Amateure mit Akribie vorzubereiten, blieben BFV-Coach Engin Yanova und seinem Trainerteam genau vier Trainingseinheiten und ein Testspiel, um den Kader zu formen und in die Finalrunde des bedeutendsten Amateurfußball-Wettbewerbs der Europäischen Fußball-Union UEFA zu starten. "Umso mehr müssen wir diesen zweiten Platz schätzen. Das war großartig. Wir haben mit diesem großen Erfolg dazu beigetragen, dass der Wettbewerb, der in vielen Ländern längst einen sehr hohen Stellenwert besitzt, auch hierzulande Bekanntheit erlangt", betonte BFV-Präsident Rainer Koch: "Bei der Siegerehrung habe ich den Spielern gesagt, dass ihnen diese Medaille mit etwas Abstand ganz viel bedeuten wird." Der deutsche Delegationsleiter und BFV-Schatzmeister Jürgen Faltenbacher wusste, "dass in der Vorrunde auch immer wieder etwas Glück dabei war, das hat uns heute letztlich gefehlt. Trotzdem dürfen wir alle sehr, sehr stolz sein."

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Champions-League-Atmosphäre in Burghausen bei der Siegerehrung des UEFA Regions' Cup. Foto: Getty/Jan Hetfleisch

Das ist auch Engin Yanova, der schon im zehnterschweren Moment der Niederlage wusste, dass "wir ein tolles Bild gezeichnet haben. Eines mit Erinnerungswert, denn nie zuvor hat ein deutsches Team das Regions'-Cup-Endspiel erreicht. Letztlich haben wir es im Finale vergessen, unsere Unterschrift unter dieses Bild zu setzen. Wir alle können sehr stolz auf uns sein. Mir hat es großen Spaß gemacht, mit diesem Team zu arbeiten. Es wird nicht lange dauern, dann wird das Negative vergessen sein, wir werden alle positiv zurückschauen und die eine oder andere verrückte Geschichte erzählen. Es gab ja ganz viele."

Etwa die vom Finale, das ebenfalls einen Platz in den Geschichtsbüchern gefunden hat: Die fünf vom rumänischen Referee Sebastian Coltescu verhängten Elfmeter in der regulären Spielzeit hat es bis dato in noch keinem Finale eines UEFA-Turniers gegeben. Deutschland war durch Ugur Türk (TSV 1860 München/35.) vom Punkt aus in Führung gegangen, kurz vor der Pause parierte Dominic Dachs (VfR Garching) den Elfer von Mateusz Jaros (41.), gegen den Nachschuss aber war der Keeper machtlos. Nach der Pause erhöhten Kornel Traczyk (47.) und Jakub Bohdanowiczc (80.) auf 3:1 für Polen. Ekins Anschlusstreffer kam zu spät. "Ich war mir sicher, dass wir das Ding nach dem 1:0 nach Hause bringen", sagte Alexander Weiser vom TSV 1865 Dachau: "Es war mehr drin als der letztlich unglückliche zweite Platz. Wir sind jetzt erstmal niedergeschlagen, die Enttäuschung aber wird vorbeigehen und Stolz wird kommen. Wir haben viele Kontakte geknüpft, sind Freunde geworden. Was wir hier erlebt haben, bleibt unvergessen."

 
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