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"In nur einem Spiel ist alles möglich"

Letzte Aktualisierung: 21. Mai 2019

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Matchwinner: Björn Schnitzer entschied mit seinem Elfmetertor die Halbfinal-Partie gegen den TSV 1860 München.

Ex-Zweitligist Viktoria Aschaffenburg aus der Regionalliga Bayern steht erstmals im Endspiel um den Bayerischen Landespokal, Gegner ist am "Finaltag der Amateure" Drittligist Würzburger Kickers (Samstag, 14.15 Uhr, live in der ARD-Konferenz). Im BFV.de-Interview spricht Viktoria-Torjäger Björn Schnitzer über den 3:2-Halbfinalsieg gegen den TSV 1860 München, das Endspiel gegen Würzburg und den Traum vom DFB-Pokal.

Viktoria Aschaffenburg hat sich zum ersten Mal für das Endspiel um den Bayerischen Landespokal qualifiziert. Welche Bedeutung hat allein schon der Finaleinzug für den Verein, Herr Schnitzer?

Björn Schnitzer: Das ist auf jeden Fall ein riesiger Erfolg für uns. Im Wettbewerb sind schließlich auch viele Drittligisten dabei. Dass wir als Regionalliga-Aufsteiger im Endspiel stehen, gleicht einem Wunder.

Im Halbfinale gelang mit dem 3:2 gegen den Drittligisten TSV 1860 München vor fast 6000 Zuschauern im heimischen Stadion am Schönbusch eine große Überraschung. Wie war dieser Sieg möglich?

Schnitzer: Wie sagt man so schön: Der Pokal hat seine eigenen Gesetze. In nur einem Spiel ist alles möglich, wenn man als Einheit auftritt und über die komplette Distanz alles reinhaut. Das haben wir geschafft. Wir haben gekämpft bis zum Umfallen und uns für den immensen Aufwand belohnt.

Mit einem Tor und einer Vorlage gehörten Sie zu den Matchwinnern. In der Schlussphase verwandelten Sie einen Handelfmeter zum entscheidenden 3:2. Was ging vor diesem Strafstoß in Ihrem Kopf vor?

Schnitzer: Die Anspannung war groß - vor allem, weil im Stadion so viele Zuschauer waren und die Partie außerdem noch live im TV gezeigt wurde. Als Amateurfußballer erlebt man solche Momente nicht oft. Zugegeben: Ein bisschen Angst, den Elfmeter zu verschießen, hatte ich schon. Allerdings hatte ich dennoch ein gutes Gefühl. Ich war mir sicher, dass ich den Ball reinmachen werde. Und so kam es dann auch. Die restlichen Minuten haben wir dann zum Glück überstanden.

 

War es der bisher schönste Sieg in Ihrer Karriere?

Schnitzer: Es war definitiv ein bedeutender und sehr wichtiger Sieg - sowohl für mich persönlich als auch für den gesamten Verein. Zum einen haben wir einen Traditionsverein und ehemaligen Bundesligisten in die Knie gezwungen. Zum anderen hat der Klub weiterhin die Chance, den Bayerischen Landespokal erstmals zu gewinnen und zum ersten Mal seit 1993 am DFB-Pokal teilzunehmen.

Im Endspiel am "Finaltag der Amateure" trifft Aschaffenburg mit dem zweimaligen Landespokalsieger Würzburger Kickers auf den nächsten Drittligisten. Erwarten Sie eine ähnliche Partie wie im Halbfinale?

Schnitzer: Es wird wohl wieder so sein, dass wir die Mannschaft mit weniger Spielanteilen sind. Wir müssen defensiv kompakt stehen und unser Glück mit Kontern versuchen. Wenn wir unsere Tormöglichkeiten eiskalt nutzen, können wir erneut für eine Überraschung sorgen und den Pokal gewinnen.

Schätzen Sie Würzburg noch stärker als 1860 München ein?

Schnitzer: Ja. Bei den Kickers herrschte in den zurückliegenden Jahren nicht so viel Unruhe wie beim TSV 1860. Würzburg hat eine eingespielte Mannschaft, die eine ordentliche Saison in der 3. Liga gespielt hat. Es heißt schon etwas, wenn man in dieser ausgeglichenen und engen 3. Liga nichts mit dem Abstieg zu tun hat.

Die Begegnung wird live in der ARD-Konferenz übertragen. Wie oft haben Sie selbst bisher ein TV-Livespiel erlebt?

Schnitzer: Das Pokal-Halbfinale gegen 1860 München war tatsächlich das erste Mal, dass ein Spiel von mir live im TV gezeigt wurde. Das Endspiel wird auch deshalb ein riesiges Ereignis für mich.

Wie sehr könnte die Live-Übertragung Ihre Leistung beeinflussen?

Schnitzer: Das beeinflusst mich tatsächlich gar nicht. Bei einigen jüngeren Spielern ist es womöglich so, dass sie dadurch etwas nervöser sein könnten. Ich bin aber mittlerweile erfahren genug, um immer meine beste Leistung abrufen zu können - unabhängig davon, wie der Gegner heißt und wie die Rahmenbedingungen sind.

Sie kicken seit 2014 für Aschaffenburg, schossen die Viktoria in der zurückliegenden Saison mit 33 Toren zum Wiederaufstieg in die Regionalliga Bayern. Was würden Ihnen der Pokalsieg und die DFB-Pokal-Qualifikation bedeuten?

Schnitzer: Sehr viel. Bei einigen Leuten in Bayern gelten wir aktuell als eine "Fahrstuhlmannschaft", die nichts auf die Reihe bekommt, weil wir seit 2014 zweimal ab- und aufgestiegen sind. Mit dem Pokalsieg würden wir nach dem erreichten Klassenverbleib ein weiteres Zeichen setzen und beweisen, dass wir wieder da sind.

99 Tore in 153 Partien für Aschaffenburg sind ein beeindruckender Wert. Wie viele Treffer nehmen Sie sich für das Endspiel vor?

Schnitzer: (lacht) Es ist als Angreifer mein Job, Tore zu erzielen. Ich werde versuchen, meine Aufgabe so gut es geht zu erfüllen und dem Team mit so vielen Treffern wie möglich zu helfen. Aber wenn ich am Ende nicht treffe und wir dennoch gewinnen, habe ich auch nichts dagegen.

Hat denn trotz Ihrer Torquote nie ein höherklassiger Verein angeklopft?

Schnitzer: Doch, einige Male. Ich wollte aber nie aus Aschaffenburg wegziehen. Meine Freundin Vanessa kommt von hier, mit ihr habe ich eine fünf Monate alte Tochter. Ich bin ein Familienmensch und wollte meine Liebsten nicht irgendwo mit hinschleppen, nur weil ich dort Fußball spiele. Wir fühlen uns absolut wohl.

BFV-Interview: Christian Knoth/mspw

 
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