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Bayern II-Torjäger Wriedt im Interview

Letzte Aktualisierung: 21. Mai 2019

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Hofft mit seiner Mannschaft auf den Aufstieg in die 3. Liga: Torjäger Kwasi Okyere Wriedt. Quelle: foto2press

Aufstiegsspiele zur 3. Liga, erster Teil: Die U 23 des FC Bayern München gastiert am Mittwoch (ab 19 Uhr, live Magenta Sport und br.de) zum Hinspiel bei Regionalliga Nord-Meister VfL Wolfsburg II. Dass der FCB in Bayern ganz oben landete, lag auch an Torjäger Kwasi Okyere "Otschi" Wriedt. Im BFV.de-Interview spricht der 24 Jahre alte Nationalspieler von Ghana über die bevorstehenden Duelle mit den "Wölfen" und seine Zukunftsplanung.

Mit 24 Treffern haben Sie einen persönlichen Torrekord aufgestellt. Spielen Sie die beste Saison Ihrer Karriere, Herr Wriedt?

Kwasi Okyere Wriedt: Ich denke schon. Ich fühle mich beim FC Bayern sehr wohl und bin in dieser Spielzeit in einer guten Form. Allerdings ist es nicht ganz einfach, meine vorherigen Stationen beim Lüneburger SK oder dem VfL Osnabrück mit der aktuellen Situation zu vergleichen. In den Ligaspielen sind wir mit der U 23 des FC Bayern immer Favorit.

Müssen Sie sich in den Aufstiegsspielen gegen die U 23 des VfL Wolfsburg auf eine besonders enge Bewachung einstellen?

Wriedt: Wolfsburg wird sich sicherlich nicht nur auf mich konzentrieren. Dafür sind wir in der Offensive insgesamt viel zu gut besetzt. Außerdem bin ich ein Stürmer, der nicht nur auf die Situationen im Strafraum wartet, sondern gerne auch die Eins-gegen-Eins-Situation sucht, sich mal fallen lässt oder auch auf die Flügel ausweicht.

Trotz Ihrer 24 Jahre gehören Sie zu den erfahrenen Spielern im Kader. Sind Sie gegen Wolfsburg als Führungsspieler noch mehr gefordert?

Wriedt: Die Rolle von Kapitän Nicolas Feldhahn und mir wird in den Aufstiegsspielen sicher noch etwas größer, weil mit Maximilian Welzmüller unser dritter Spieler mit Drittliga-Erfahrung verletzungsbedingt ausfällt. Die Last verteilt sich aber nicht nur auf unsere Schultern. Wir verfügen über eine eingespielte Achse. Klar, die mentale Belastung wird in den Aufstiegsspielen nochmal größer sein als in einem Ligaspiel. Wir dürfen aber nicht die gewisse Lockerheit verlieren. Es könnte von Vorteil sein, dass wir uns bei unserem Turniersieg im "Premier League International Cup in England" bereits in K.O.-Spielen gegen starke Gegner wie Leicester City oder Dinamo Zagreb durchsetzen konnten.

Ist es ein Vor- oder ein Nachteil, dass Sie zunächst auswärts antreten?

Wriedt: Vielleicht eher ein Vorteil. So haben wir die Unterstützung unserer Fans im entscheidenden Spiel im Rücken. In erster Linie wird es aber darauf ankommen, was wir aus der Ausgangslage machen. Wir vertrauen im Hinspiel nicht darauf, dass wir schon irgendwie ein Auswärtstor erzielen werden. Wir spielen klar auf Sieg.

Die Regionalliga Nord kennen Sie aus Ihrer Zeit bei der U 23 des FC St. Pauli und beim Lüneburger SK. Wie ist das Niveau im Vergleich zur Regionalliga Bayern einzuschätzen?

Wriedt: Sehr ähnlich. Ich habe aber beide Spielklassen aus unterschiedlichen Blickwinkeln kennengelernt. Mit dem Lüneburger SK waren wir in den Partien sehr häufig der Außenseiter. Daher haben wir oft auf eine Kontertaktik gesetzt. Gegen die zweite Mannschaft des FC Bayern München setzen die Vereine auf eine gute Defensive. Entsprechend müssen wir Lücken suchen und finden.

Was erwarten Sie für eine Partie bei der zweiten Mannschaft des VfL Wolfsburg?

Wriedt: Das wird ein harter Brocken. Die Wolfsburger haben sich nicht umsonst den Titel im Norden gesichert. Der VfL verfügt mit 85 Treffern über eine sehr starke Offensive, steht aber auch mit nur 27 Gegentreffern gut in der Abwehr. Von einem offenen Schlagabtausch bis zu einem taktisch geprägten Spiel: Ich kann mir alles vorstellen.

Worauf wird es für Ihre Mannschaft ankommen?

Wriedt: Wir dürfen die Wolfsburger nicht zur Entfaltung kommen lassen. Uns zeichnet bislang eine dominante Spielweise aus. Wir lassen den Ball gut laufen. Diese Dominanz müssen wir auch in Wolfsburg in Tore umsetzen.

Sie haben schon sechsmal gegen Wolfsburg gespielt und immer verloren. Dabei sind Sie auch ohne Tor geblieben. Da wird es langsam einmal Zeit, oder?

Wriedt: Das war mir so bisher gar nicht bewusst. Auf die Statistik werde ich aber auch nicht weiter achten. Die Wolfsburger waren in den damaligen Ligaspielen immer klarer Favorit. Das ist diesmal nicht so. Ich würde mich freuen, wenn ich in Form von Toren dabei helfen kann, uns in eine gute Ausgangslage für das Rückspiel zu bringen. Entscheidend ist aber, dass wir als Mannschaft erfolgreich sind.

Sie waren bereits für den VfL Osnabrück in der 3. Liga am Ball. Was würde den FCB dort erwarten?

Wriedt: Das wären noch einmal ganz andere Spiele. Das Drumherum ist um einiges größer. Mit dem 1. FC Magdeburg und dem MSV Duisburg sind in der nächsten Saison zwei weitere Vereine in der 3. Liga vertreten, die von zahlreichen Fans unterstützt werden. Vor solchen Kulissen zu spielen, ist eine ganz neue Erfahrung und für die Entwicklung eines jungen Spielers sehr wertvoll. Genauso werden aber auch Fehler noch konsequenter bestraft.

Würden Sie sagen, dass der - zumindest vorübergehende - Schritt zurück in die 4. Liga für Sie die richtige Entscheidung war?

Wriedt: Absolut. Das hat sich für mich definitiv gelohnt. Ich habe als Spieler sehr viel dazugelernt und einige Höhepunkte erlebt. Ich durfte sogar in der vergangenen Saison für die erste Mannschaft in der Bundesliga und im DFB-Pokal auflaufen. Da ich nun weiter weg von meiner Heimat Hamburg bin, bin ich auch als Person reifer geworden und habe mich zu einem Führungsspieler entwickelt. Die Eingewöhnung ist mir leichtgefallen, da ich viel mit unserem Linksverteidiger Derrick Köhn gemeinsam habe. Unsere Eltern stammen jeweils aus Ghana, wir sind beide in Hamburg geboren. Wir kannten uns vorher schon über gemeinsame Freunde. Mittlerweile ist er für mich wie ein kleiner Bruder.

Sie haben Ihre Einsätze für die Profis bereits thematisiert. Wie nah sind Sie aktuell an der ersten Mannschaft dran?

Wriedt: In dieser Saison habe ich nicht ganz so oft bei den Profis mittrainiert wie noch in der vergangenen Spielzeit. Darüber mache ich mir aber keine großen Gedanken. Ich konzentriere mich voll auf die Aufstiegsspiele. Wir haben in dieser Saison mit der Meisterschaft in der Regionalliga Bayern und dem Gewinn des Premier League International Cups bisher alle gesteckten Etappenziele erreicht. Nun wollen wir die Spielzeit auch mit dem Aufstieg krönen.

Vor rund einem Jahr haben Sie Ihr Debüt bei der Nationalmannschaft von Ghana gegeben. Was war das für ein Gefühl?

Wriedt: Das war der schönste Moment meiner Karriere. Meine Familie war unheimlich stolz, als ich die Nachricht bekommen habe, dass ich nominiert bin. Das Gefühl, als ich beim 2:0 in einem Freundschaftsspiel in Japan eingewechselt wurde, lässt sich kaum in Worte fassen. Ich habe auch ein bisschen Zeit gebraucht, um das auf mich wirken zu lassen.

Machen Sie sich Hoffnungen auf eine Teilnahme am Afrika-Cup im Juni und Juli in Ägypten?

Wriedt: Das wäre ein Traum. Allerdings muss man auch realistisch sein. Mein bislang letztes Länderspiel habe ich vor elf Monaten in Island bestritten. Wenn ich wieder gebraucht werde, stehe ich sofort zur Verfügung.

In insgesamt 61 Pflichtspielen für die U 23 des FC Bayern München haben Sie bemerkenswerte 45 Tore erzielt und 15 weitere Treffer vorbereitet. Wird es da für Sie zwangsläufig, also auch unabhängig vom Ausgang der Aufstiegsspiele, mindestens eine Liga nach oben gehen?

Wriedt: Ich habe bei Bayern München noch einen Vertrag bis zum 30. Juni 2020. Daher stellt sich die Frage nach einem anderen Klub für mich aktuell nicht. Wir haben mit der U 23 viele gute Spiele abgeliefert. Das wird auch im Verein wertgeschätzt. Klar ist aber auch: Als Fußballer hast du immer die Ambitionen, soweit nach oben zu kommen, wie es eben möglich ist. Dafür arbeiten wir alle jeden Tag sehr hart.

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BFV-Interview: Dominik Dittmar/mspw

 
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