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Interview mit Jochen Seitz (Trainer SV Viktoria Aschaffenburg)

Letzte Aktualisierung: 27. Juni 2018

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Souveräner Aufsteiger der Bayernliga Nord 2017/18: Jochen Seitz und der SV Viktoria Aschaffenburg. Foto: Moritz Hahn

Dank des Aufstiegs von Viktoria Aschaffenburg ist die Regionalliga Bayern nicht nur um einen ehemaligen Zweitligisten, sondern auch um einen prominenten Trainer reicher. Ex-Bundesligaprofi Jochen Seitz (41) steht seit September 2016 bei seinem Ausbildungsverein an der Seitenlinie und führte die Viktoria in der zurückliegenden Saison mit zwölf Punkten Vorsprung souverän zur Meisterschaft in der Bayernliga Nord. Jetzt will der 162-malige Erstligaspieler dabei helfen, den Verein wieder in der 4. Liga zu etablieren.

Im Interview spricht Jochen Seitz über die Gründe für den Erfolg, seine frühzeitige Vertragsverlängerung bis 2020, die Ziele mit Viktoria Aschaffenburg, die Vizemeisterschaft mit dem VfB Stuttgart und 100.000 Schalke-Fans.

Sie sind mit Ihrer Mannschaft als Meister der Bayernliga Nord souverän in die Regionalliga Bayern aufgestiegen. Was hat Ihr Team in der zurückliegenden Saison so stark gemacht, Herr Seitz?

Jochen Seitz: Viele Faktoren haben dazu geführt, dass wir so erfolgreich waren. Unter anderem war der Teamgeist hervorragend. Unsere Jungs waren während der kompletten Saison sehr diszipliniert, haben aber dennoch den Spaß dabei nicht zu kurz kommen lassen. Hinzu kommt, dass wir früh ein System gefunden haben, mit dem wir klasse zurechtkommen. Wir haben meist mit einer Fünferkette gespielt und konnten so aus einer sehr stabilen Defensive heraus agieren. Wir waren aber auch flexibel genug, um das System hin und wieder zu verändern und so für unsere Gegner nicht zu sehr ausrechenbar zu sein.

2016 musste Aschaffenburg die Regionalliga nur ein Jahr nach dem Aufstieg direkt wieder verlassen. Warum wird es diesmal besser laufen?

Seitz: Weil wir genug Qualität im Kader haben, um den Klassenverbleib zu schaffen. Ich sehe uns mit sechs bis sieben Teams auf Augenhöhe. Wenn wir die direkten Duelle gegen diese Mannschaften gewinnen, haben wir gute Chancen, in der Liga zu bleiben. Es wird aber eine schwierige Aufgabe. Wir sind immer noch ein Amateurverein. Und für einen Amateurverein in Bayern ist der Sprung von der Bayernliga in die Regionalliga Bayern riesig. Während bei einigen anderen Vereinen viele Spieler hauptberuflich Fußball spielen, gehen bei uns fast alle Jungs einem Beruf nach oder studieren.

Obwohl Ihr Vertrag noch bis 2019 lief, verlängerten Sie ihn kürzlich vorzeitig bis Juni 2020. Was war der Grund dafür?

Seitz: Der Verein wollte mich unbedingt langfristig binden. Gleich aus mehreren Gründen musste ich dann nicht lange überlegen und habe zugesagt. Aschaffenburg ist meine zweite Heimat, bei der Viktoria habe ich in der Jugend das Fußballspielen gelernt und auch meine ersten Schritte im Herrenbereich gemacht. Außerdem bekomme ich die Chance, im Rahmen der Professionalisierung im Verein hauptberuflich als Trainer zu arbeiten. Da ich ohnehin wieder professioneller im Fußballbereich tätig sein wollte, passt das perfekt.

Das heißt, Sie sind bis zuletzt parallel zu Ihrem Trainerjob einer anderen Arbeit nachgegangen?

Seitz: Korrekt. Ich war im Finanzwesen tätig und habe mich hauptsächlich mit Hausbaufinanzierungen auseinandergesetzt. Ab sofort gilt meine Konzentration aber zu 100 Prozent wieder dem Fußball und der Zukunft von Viktoria Aschaffenburg. Ich sehe im Verein und im Umfeld viel Potenzial und möchte dabei helfen, es auszuschöpfen.

Welche Ziele verfolgt der Verein mittelfristig? Ist auch die Rückkehr in den Profifußball ein Thema?

Seitz: Wie heißt es so schön: Ohne Moos nichts los. Um über etwas anderes als den Klassenverbleib in der Regionalliga reden zu können, müsste uns bei der Kaderplanung mehr Geld zur Verfügung stehen. Damit das irgendwann klappt, wird erst einmal Priorität haben, neue Sponsoren zu gewinnen und sie davon zu überzeugen, dass Aschaffenburg ein attraktiver Standort mit einem traditionsreichen und ambitionierten Verein ist. Um also realistisch zu bleiben: Mittelfristig wird es für uns nur darum gehen, uns in der Regionalliga zu etablieren. Von einer Rückkehr in den Profibereich sind wir in Aschaffenburg noch weit entfernt.

Mit dem Profifußball kennen Sie sich allerdings bestens aus. Sie spielten lange in der 1. Bundesliga, waren unter anderem für den VfB Stuttgart, den FC Schalke 04 und den 1. FC Kaiserslautern am Ball. Wo hatten Sie rückblickend Ihre schönste und erfolgreichste Zeit?

Seitz: Die erfolgreichsten Jahre hatte ich sicher beim VfB Stuttgart, mit dem ich 2003 Deutscher Vizemeister wurde. Aber auch bei der SpVgg Unterhaching hatte ich mit dem Bundesligaaufstieg 1999 und dem folgenden souveränen Klassenverbleib im Oberhaus eine schöne und erfolgreiche Zeit. Unvergesslich bleibt auch die Saisoneröffnung beim FC Schalke 04, als über 100.000 Fans auf das Vereinsgelände strömten und gemeinsam mit uns Spielern in die Saison gestartet sind.

Von 2009 bis 2011 kickten Sie in Bulgarien für Chernomorets Burgas. Wie kam es dazu?

Seitz: Der Kontakt kam zustande, weil mein ehemaliger Mitspieler Krassimir Balakov dort Trainer war und Ex-Nationalspieler Fredi Bobic als Geschäftsführer in Burgas gearbeitet hat. Für einen Wechsel sprach außerdem, dass meine Frau Anna aus Bulgarien kommt. Sprachliche Barrieren gab es also nicht.

Wie bewerten Sie die beiden Jahre in Bulgarien?

Seitz: Es war eine nette Auslandserfahrung in einer sehr schönen Stadt. Aber klar: Die erste Liga in Bulgarien ist sicher nicht mit der Bundesliga zu vergleichen. Wir haben teilweise auf Dorfsportplätzen gespielt, die Stadien waren sehr alt. Beispielsweise gab es dort noch Plumpsklos. Auch fußballerisch hatten einige Mannschaften eigentlich nichts mit Profifußball zu tun. Auf einem ordentlichen Niveau haben nur drei bis vier Teams gespielt.

Als Trainer waren Sie bisher nur im Amateurbereich tätig - zunächst bei Bayern Alzenau in der Hessenliga und nun seit September 2016 bei Viktoria Aschaffenburg. Reicht Ihnen das oder möchten Sie auch als Trainer dorthin, wo Sie als Spieler waren?

Seitz: In Aschaffenburg gehe ich jetzt erst einmal den nächsten Schritt. Ich arbeite Vollzeit eine Liga höher und betreibe damit ab sofort deutlich mehr Aufwand für meinen Trainerjob, als noch in der vergangenen Saison in der Bayernliga. Um langfristig höhere Ziele als Trainer anpeilen zu können, strebe ich an, meine Ausbildung zum Fußball-Lehrer zu absolvieren. Der Plan ist, dass ich mich im nächsten Jahr dafür bewerben werde.

Quelle: mspw

 

 
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