Quelle: BFV

Futsal und die Dauer-Diskussion. Fakt ist: Das technisch anspruchsvolle Spiel ohne Bande etabliert sich in Bayern kontinuierlich weiter. Im Winter 2019/20 nehmen im Freistaat 230 Juniorenmannschaften von den F- bis zu den A-Junioren am Futsal-Ligabetrieb teil. Dennoch gibt es landauf landab auch Diskussionen um den Kick mit oder ohne Bande. Dabei wird deutlich: Futsal ist eine Generationenfrage. Die offizielle Hallenfußballform der FIFA trifft bei betagteren Spielern nach wie nicht uneingeschränkt auf Gegenliebe, weitere Aufklärungsarbeit ist nötig. Bei den jungen Kickern wird Futsal immer beliebter und ist aus dem Hallenfahrplan der Mannschaften kaum mehr wegzudenken. Und auch bei den Vereinen in Bayern ist der Umdenkprozess längst in vollem Gange. Für den BFV-Futsal-Beauftragten Michael Tittmann und Verbands-Jugendleiter Florian Weißmann sind die Zahlen eine zusätzliche Bestätigung, den richtigen Kurs eingeschlagen zu haben: Der Futsal in Bayern befindet sich weiter auf dem Vormarsch.

Mehr als 2400 Futsalspieler alleine im Juniorenbereich

Die Zahlen sprechen eine klare Sprache: Gerade im Juniorenbereich steigt die Anzahl der Teams kontinuierlich. Waren in der Saison 2016/17 gerade einmal 16 Mannschaften im Futsal-Ligabetrieb aktiv, so sind es in der laufenden Spielzeit 230 Jugendteams mit insgesamt rund 2400 Kindern und Jugendlichen. Für BFV-Verbands-Jugendleiter Florian Weißmann ein deutliches Signal: „Es kostet uns natürlich Kraft und Überzeugungsarbeit. Aber wenn wir erstmal im Gespräch mit den Vereinsvertretern sind, liegen die Argumente auf der Hand. Auch deshalb ist das Interesse am Futsal im Jugendbereich in den vergangenen Jahren kontinuierlich gewachsen. Diese Entwicklung zeigt sich in allen Altersklassen. Von den F- bis zu den A-Junioren findet ein geregelter Spielbetrieb statt. Natürlich gibt es in einigen Regionen in Bayern noch Wachstumspotential, doch mehr als 13-mal so viele Teams als noch vor vier Jahren, sind ein deutliches Zeichen pro Futsal.“ In der Saison 2018/19 gingen 43 D-Junioren-Teams in bayerischen Futsal-Ligen an den Start, in der laufenden Saison 2019/20 sind es bereits 63. Und auch bei den C-Junioren boomt Futsal: Zur Saison 2019/20 hat sich die Zahl der Teams mehr als verdoppelt: von 25 auf 51. Mehr Teams, das heißt auch weniger Fahrzeit und mehr Zeit für Fußball. Davon profitieren Spielerinnen und Spieler, Trainer und Eltern.

Für den Futsal-Beauftragten beim Bayerischen Fußball-Verband, Michael Tittmann, ist das Thema Hallenfußball mit oder ohne Bande sowieso eine Generationenfrage: „Ich bin mir sicher, dass es nicht mehr allzu lange dauert, bis wir die Diskussion nicht mehr führen müssen. Viele Erwachsene von morgen werden sich später einmal fragen, was herkömmlicher Hallenfußball überhaupt ist.“

Aushängeschild der Junioren-Futsaler im Freistaat sind die U19-Junioren des FC Deisenhofen. Die Oberbayern sicherten sich nicht nur den Titel bei der Bayerischen Hallenmeisterschaft der A-Junioren, sondern krönten sich beim diesjährigen DFB-Futsal Cup zum Deutschen Futsal-Meister. Mehr geht nicht. Doch es muss nicht immer gleich die Deutsche Meisterschaft sein. Beim FC Ludwigvorstadt zählt Futsal zum festen Bestandteil im Jugendbereich. Elf Mannschaften bringen die Münchner mittlerweile an den Start. Abteilungsleiter Siegfried Schorpp sagt: „Ich bin ein Gegner von klassischen Hallenturnieren im Jugendbereich. Da gerät der Fußball schnell ins Hintertreffen. Außerdem sind die Spielzeiten viel zu kurz. Beim Futsal steht dagegen ganz klar der Fußball im Vordergrund. Außerdem ist der Futsal dem ‚normalen‘ Fußball, der im Sommer gespielt wird, viel ähnlicher. Das geht bei den Regeln los und setzt sich im Sprungverhalten des Balles fort. Mit Futsal haben die Jungen und Mädchen Spaß und entwickeln sich gleichzeitig fußballerisch weiter.“ Den Skeptikern im Verein begegnet Schorpp mit Kampfgeist: „Wir müssen selbst anpacken! Wer immer nur schimpft, entwickelt sich nicht weiter.“

Futsal-Training jetzt auch an zwei DFB-Stützpunkten

Und auch der BFV will seine Talente weiter fördern. Mittlerweile gibt es zwei Futsal-Stützpunkte in Bayern: einen in München und einen in Regensburg. Dort werden die größten bayerischen Futsal-Talente (U17-, U18- und U19-Junioren) einmal wöchentlich unter der Leitung von BFV-Verbandstrainer Philipp Ropers professionell gefördert – zusätzlich zum regulären Training in ihren Vereinen. Verbands-Jugendleiter Florian Weißmann gibt die Richtung vor: „Unser Ziel ist es, den Rückstand zu Futsal-Nationen wie Brasilien, Argentinien oder Spanien Stück für Stück aufzuholen und über kurz oder lang auch in dieser Sportart zur Weltspitze aufzurücken. Dafür ist eine professionelle Talentförderung Grundvoraussetzung, dafür aber braucht es zuvorderst die Arbeit an der breiten Basis, um die Zahl der Kicker weiter zu steigern, die Futsal spielen. Mit Luca Piga, Danijel Majdancevic, Philipp Ropers und Alexander Günter haben bereits vier bayerische Spieler den Sprung in die Futsal-Nationalmannschaft geschafft, Jean-Luca Dötsch, Kim Jo Herterich, Michael Loroff und Dennis Lucksch waren gerade beim ersten DFB-U19-Futsal-Sichtungslehrgang eingeladen. Darauf wollen wir aufbauen.“ 

Auch Tittmann weiß, dass der BFV mit der Futsal-Einführung nur konsequent und mit Weitblick gehandelt hat: „Das Gejammer ist ein deutsches Phänomen. Wir müssen nur nach Spanien oder Portugal schauen, dort ist Futsal etabliert und wissenschaftliche Studien belegen klar, dass der Nachwuchs ganz andere Fähigkeiten entwickelt, wenn er von Kindesbeinen an Futsal spielt. Futsal ist Technik, weniger Körperlichkeit ist gefragt, dafür Disziplin, Ballbehandlung, Spielwitz und -verständnis. Das sind grundlegende Fähigkeiten, die wir bei unseren Nachwuchsspielern von Beginn an fördern müssen.“

Dass sich der Futsal in Bayern weiter etabliert und auch angenommen wird, zeigt sich auch bei den Herren in der Futsal-Regionalliga Süd. Von den zehn Teams kommen fünf aus dem Freistaat. Im Jahr 2021 soll die Futsal-Bundesliga kommen. Dorthin will zum Beispiel der SSV Jahn 1889 Regensburg: „Wir wollen in der Regionalliga Süd erfolgreich sein, die Qualifikation zur Deutschen Meisterschaft bei den Herren schaffen und haben zudem die Vision, als Gründungsmitglied der Futsal-Bundesliga in Deutschland im Jahr 2021 dabei zu sein. Dazu kommt noch unser derzeit einzigartiges Konzept: Wir bilden unseren Nachwuchs dual im Futsal und im Fußball aus“, fasst Florian Roth, Abteilungsleiter Futsal beim Jahn, zusammen.

Auch die Futsal-Bayernliga entwickelt sich prächtig. Erstmals gehen in dieser Spielrunde zehn Mannschaften an den Start. Neuer Rekord. Und auch fast alle Bezirke sind vertreten. Mannschaften aus den Bezirken Oberbayern, der Oberpfalz, Mittelfranken und Schwaben kämpfen um den Aufstieg in die Futsal-Regionalliga Süd. Auch Oberfranken (Universitäts-Sportclub Bayreuth) und Niederbayern (1. FC Passau) waren bereits in der Bayernliga aktiv. Einzig der Bezirk Unterfranken war noch mit keiner Mannschaft in der höchsten bayerischen Spielklasse vertreten, doch es ist sicherlich nur eine Frage der Zeit bis auch hier die Premiere stattfindet.

Egal ob in der Talentförderung, beim Fußball-Nachwuchs oder in der Futsal-Bayernliga: Der Futsal ist im Freistaat nicht nur angekommen, er etabliert sich allmählich flächendeckend und in allen Altersklassen – allen Zweiflern zum Trotz.