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„Mit Bande war geiler!“ Diese Aussage höre ich immer wieder. Vor einigen Jahren habe ich selbst noch mitgeschimpft  – da hatte ich von Futsal noch nie etwas gehört. Ich bin 29 Jahre alt, spiele seit über 25 Jahren Fußball im Verein, habe in verschiedenen Auswahlteams bis hin zur Niedersachsenauswahl gespielt. Natürlich ging es im Winter für meine Teamkollegen und mich in die Halle. Vier gegen Vier, relativ große Tore, kleines Spielfeld. Wie gemacht, um etwas zu bolzen und „den Klinker von der Wand zu schießen“, wie man bei uns zu sagen pflegte. Da konnte man auch mal von der Mittellinie draufhauen. Vielleicht springt der Ball beim Schussversuch an die Bande und ein Mitspieler kann ihn verwerten? Das macht auf den ersten Blick Laune.

Aber seien wir mal ehrlich. Hat mich der Kick mit Rundumbande besser gemacht? Habe ich gelernt, mich auf engstem Raum technisch gegen meinen Gegenspieler zu behaupten? Habe ich mein Zusammenspiel mit meinen Teamkollegen verbessert? Sind mein Passspiel und mein Torabschluss präziser geworden? Wohl kaum. Es ging ja vorrangig nur ums Bolzen.

Futsal hingegen vereint Technik, präzises Passspiel, Tempo und Handlungsschnelligkeit – all das, was von einem Jugendspieler heute verlangt wird. Nicht umsonst haben Messi, Ronaldo oder – die Älteren erinnern sich bestimmt noch – Ronaldinho in ihrer Jugend Futsal gespielt.

Der Kick in der Halle ist auch eine Generationsfrage. Während die Älteren unter uns gerne vergangenen Zeiten hinterhertrauern, um vielleicht auch ihre technischen Defizite nicht aufgezeigt zu bekommen, werden die jüngsten Kicker im Freistaat bald nur noch das anspruchsvolle Spiel ohne Bande kennen. Und das ist auch gut so. Denn Fortschritt erreicht man nur durch Veränderung.

Für viele Fußballer in meiner Generation mag der Kick mit Bande vielleicht „geiler“ gewesen sein – dem Kick „ohne Bande“ gehört die Zukunft.

Ein Kommentar von René Brüning-Wolter (SV Zamdorf). Der 29-Jährige ist aktuell Volontär in der Pressestelle des BFV.