Header Image - BFV-Kampagne "Pro Amateurfußball" durch neue Vereinswechselgebühren
Neugestaltung der Vereinswechselgebühren

"Pro Amateurfußball" - Acht-Punkte-Kampagne für die Basis

Die 4634 bayerischen Amateurvereine und der Bayerische Fußball-Verband sehen sich mit gravierenden Zukunftsproblemen konfrontiert. Der seit langem angekündigte demografische Wandel macht sich zunehmend in vielen Regionen Bayerns mit einem zum Teil starken Rückgang junger Menschen bemerkbar (siehe Grafiken unten). Weniger Geburten haben weniger Jugendmannschaften und später auch einen dramatischen Rückgang an Seniorenmannschaften zur Folge: Vom BFV bereits 2003 in Auftrag gegebene Studien sagen voraus, dass von 2006-2016 insgesamt rund 52.000 weniger Jungen im Alter von sieben bis 18 Jahren (2006 ca. 316.000 zu 2016 ca. 264.000) in bayerischen Vereinen Fußball spielen werden. Die Zahlen verdeutlichen: Mit Blick auf ganz Bayern bricht der Nachwuchs weg! Dabei sind regional allerdings deutlich unterschiedliche Entwicklungsverläufe zu erwarten (z.B. Ballungsräume München, Augsburg, Nürnberg gegenüber ländlichen Regionen/Kreisen). Neben dem prognostizierten erheblichen Rückgang an Mannschaften aller Altersklassen zählen auch die finanzielle Situation, die Bindung und Gewinnung ehrenamtlicher Mitarbeiter und der Mangel an qualifizierten Funktionsträgern zu den existentiellen Problemen vieler, vor allem kleiner, Mitgliedsvereine.

Der Bayerische Fußball-Verband hat diese Entwicklung erkannt und wird seine Vereine in den anstehenden schwierigen Jahren als leistungsstarker Dienstleister und offensiver Vertreter Ihrer Interessen bei der Problembewältigung unterstützen. Damit in allen Regionen Bayerns in den Dörfern und Städten so viele Fußballvereine wie möglich erhalten bleiben, startet der Bayerische Fußball-Verband, wie am Verbandstag im Juli 2010 in Bad Gögging angekündigt, zum Jahresbeginn 2011 eine große Acht-Punkte-Kampagne "Pro Amateurfußball" zur Zukunftssicherung und Stärkung des Amateurfußballs an der Basis. Auf der Grundlage der für die erste Phase bereits festgelegten Schwerpunkte wurden konkrete Projekte zur praktischen  Umsetzung in folgenden Aufgabenfeldern erarbeitet (alle Infos):

Mehr Spieler

1. Fokus Schule - Erhöhung der Fußballangebote in den Schulen, Ausbau der Kooperationen Schule - Verein, Stärkung der Lehrerfortbildungen

2. Fokus Mädchen - Erhöhung des Organisationsgrades fußballbegeisterter Mädchen, Steigerung der Anzahl von Mädchenmannschaften

Pro Ehrenamt

3. Unterstützung der Vereinsmitarbeiter in Theorie und Verwaltung - Informationsveranstaltungen zu Regularien des Verbandes, Steuer- und Rechtsfragen, bessere Abrufbarkeit und Kommunikation der Verbandsangebote

4. Unterstützung der Vereinsmitarbeiter in der praktischen Arbeit auf dem Fußballplatz - Verbesserung des sportlichen Trainingsangebotes im Juniorenbereich durch Ausbau des Schulungsangebotes für Trainer und Übungsleiter

5. Schulung der eigenen BFV-Mitarbeiter  - Steigerung der fach-/ themenübergreifenden Kompetenzen, zeitgemäße, serviceorientierte, transparente und schnelle  Kommunikation mit den Vereinen vor Ort

Image des Amateurfußballs

6. Internetoffensive - Steigerung der medialen Aufmerksamkeit durch eine gebündelte Darstellung des Amateurfußballs auf den Plattformen www.bfv.de und www.BFV.TV, kind- und jugendgerechte Erweiterung der BFV-Homepage, Ausbau des Video-Portals BFV.TV, Einstieg in den Bereich "Social Media"

7. Runde Tische - Ausbau der Gesprächsrunden auf Kreisebene, Besprechung aktueller Probleme, gemeinsame Entwicklung von Ideen zur Stärkung des Amateurfußballs, Information und Diskussion zu verbandspolitischen Themen, "Verband und Vereine - ein Team!"

Schiedsrichtergewinnung/-erhalt (seit Herbst 2012)

8. Beim achten Schwerpunkt der Kampagne geht es darum, die aktuellen Schiedsrichter(innen) bei der Ausübung durch geeignete Maßnahmen maximal zu unterstützen und Interesse für die Schiedsrichterei zu wecken. Zudem geht es auch darum, bei allen Beteiligten die Akzeptanz und den Respekt für Schiedsrichter(innen) und deren verantwortungsvolle Aufgabe zu steigern. Die Details und Maßnahmen dieses Schwerpunktes werden aktuell ausgearbeitet.

Wie wird die Kampagne "Pro Amateurfußball" finanziert?

Die vorgenannten Projekte im Rahmen der Kampagne "Pro Amateurfußball" werden die Arbeit des BFV langfristig begleiten. Sie stellen zusätzliche kostenintensive Maßnahmen des Verbandes dar, die aus den Mitteln des aktuellen Haushaltes nicht bestritten werden können. Sie bedürfen deshalb eines eigenen Budgets und einer Finanzierung durch zusätzliche Einnahmen des Verbandes.

Der Verbandstag des Bayerischen Fußball-Verbandes hat am 24.07.2010 in Bad Gögging entschieden, die notwendigen Mehreinnahmen nicht durch eine gleichmäßige Umlegung auf alle Vereine, sondern über eine Neugestaltung der Vereinswechselgebühren ab dem 1. Dezember 2010 zu generieren. Die Gebühren für einen Vereinswechsel wurden mit Beschluss des Verbandstages deutlich angehoben, die Neuausstellungen im Junioren- und Erwachsenenbereich sind hingegen zukünftig kostenlos.

Mit der Erhöhung der Wechselgebühren ergeben sich die notwendigen Mehreinnahmen, um die aufgeführten Projekte zur Stärkung des Amateurfußballs an der Basis entwickeln und durchführen zu können. Kein einziger Euro der Mehreinnahmen wird, wie teilweise vermutet, für den Ausgleich eines Verbandsdefizits benötigt, das es im Übrigen gar nicht gibt, obwohl der BFV in den letzten Jahren bedeutende Einnahmeverluste hinnehmen musste. So wurden zum Beispiel allein die staatlichen Zuschüsse um ein Drittel von ca. 1,5 Mio. € (2002) auf ca. 1 Mio. € (2010) jährlich gekürzt, was im Zeitraum 2002-2010 zu Einnahmeausfällen von über 3 Mio. € geführt hat.

Diese Einnahmeausfälle konnten bislang allein durch umfangreiche Marketingerfolge der "BFV Service GmbH" kompensiert werden, die kontinuierlich Einnahmesteigerungen des Verbandes mit sich gebracht haben. Der Haushalt des BFV und seiner hundertprozentigen Marketingtochter, der BFV Service GmbH ergab im Jahr 2009 Einnahmen in Höhe von insgesamt ca. 13,2 Millionen Euro (BFV: 11,4 Mio. Euro, BFV-Service GmbH 1,8 Mio. Euro). Zum Vergleich: Im Jahr 2005 unmittelbar vor Beginn des verstärkten Marketingengagements der BFV-Service GmbH mit dem Vermarktungspartner actori betrug der Haushalt des BFV 11 Mio. Euro, der Haushalt der BFV-Service GmbH 0,5 Mio. Euro. Insgesamt ergab sich somit eine Summe von 11,5 Mio. Euro.

Gerade in der aktuellen wirtschaftlichen Phase ist es aber keine Selbstverständlichkeit, dass Sponsorengelder unbegrenzt weiter fließen. Die  inzwischen deutlich über 1,5 Mio. € jährlich liegenden Einnahmen der Service GmbH sind in diesem Umfang nicht dauerhaft abgesichert. Auch eine weitere Streichung staatlicher Unterstützung ist nicht ausgeschlossen. Die Marketingtochter BFV Service GmbH erwirtschaftet mit ihren Einnahmen durch Sponsorengelder mittlerweile schon 15 % der Einnahmen des BFV und seiner Tochterfirmen. Dies birgt erhebliche Risiken für den BFV für den Fall, dass Sponsoren in den kommenden Jahren abspringen oder teilweise ausfallen sollten. Die Mehreinnahmen des Verbandes aus der Erhöhung der Wechselgebühren dienen daher zukünftig zum einen zur Absicherung für nicht auszuschließende Rückgänge bei Marketingerlösen, zum anderen (und hoffentlich tatsächlich ausschließlich) zur Finanzierung vieler Projekte zur Stärkung des Amateurfußballs an der Basis, die jährlich neu im Rahmen eines Sonderbudgets aufgelegt werden sollen.

Warum will der BFV diese Mehreinnahmen im Wesentlichen über die Wechselgebühren erzielen?

Es geht um die grundsätzliche Frage, wie sich der BFV, der die Summe aller Einzelvereine ist, finanzieren soll. Dabei gibt es verschiedene Möglichkeiten:

  1. Die benötigten Mehreinnahmen könnten gleichmäßig von allen Vereinen aufgebracht werden. Dann würden aber gerade die kleinen Vereine mit erheblicher Jugendarbeit um ein Vielfaches mehr belastet.
  2. Die Generierung der Mehreinnahmen über Mitgliedsbeiträge. Auch hier hat sich der BFV dagegen entschlossen. Der Verband hat keine Mitgliedsbeiträge.
  3. Die beschlossene Erhöhung der Wechselgebühren: Auf etlichen Kreistagen haben sich Vereinsvertreter über die Wechselfreudigkeit der Spieler beklagt und aktives Handeln des Verbandes eingefordert. Sogar im Juniorenbereich gebe es "Lockangebote" benachbarter Vereine mit Trainingsanzügen oder Ausflugsfahrten. Im Erwachsenenbereich sind solche Angebote oder Spiel- oder Torprämien selbst in den untersten Ligen häufig der Fall.  

Mit dem Beschluss des Verbandstages wird der Versuch unternommen, diejenigen Vereine, die dauerhaft attraktive Jugendarbeit machen, zu unterstützen. Ein Weglocken junger Spieler kann sicher nicht ganz verhindert werden, jedoch ist es gerecht, wenn Vereine, die in höherem Maße Spieler anderer Vereine in ihren Mannschaften aufnehmen, zur Finanzierung der Gemeinschaftsausgaben einen höheren Beitrag leisten als solche Vereine, die für die Erstausbildung der Spieler aufkommen.

Die Wechselgebühr belastet also die Vereine überdurchschnittlich, die mehr als andere Vereine aktive Spieler anderer Klubs zu sich holen, schont hingegen Vereine, die nur sehr wenige Vereinswechsel zu verzeichnen haben und im Wesentlichen auf eigene Spieler zurückgreifen. Diese Vereine werden zusätzlich unterstützt, weil Neuausstellungen im Junioren- und Erwachsenenbereich zukünftig kostenlos sind. Dadurch werden genau die Klubs, die sich nachweislich für die Nachwuchsförderung und damit für die Zukunftssicherung des Amateurfußballs einsetzen, am geringsten belastet. Vereine, die dauerhaft attraktive Jugendarbeit betreiben, werden belohnt und sind die Nutznießer dieses, vom Verbandstag beschlossenen, Finanzierungssystems.

Wie wirkt sich die Entwicklung auf den finanziellen Haushalt aus?

Basierend auf der Statistik aus dem Passwesen 2009 (ca. 44.000 Pass-Neuausstellungen, ca. 31.000 Erwachsenen-Vereinswechsel und ca. 39.000 Junioren/-innen-Vereinswechsel) wird es zu Mehreinnahmen in Höhe von ca. 1,6 Mio. € kommen. Zu beachten ist, dass der Verbandstag auf Grund der Erhöhung der Wechselgebühren auf eine zum Ausgleich von Kostensteigerungen und Einnahmeverlusten (staatliche Zuschüsse etc.) notwendige Erhöhung der seit 2006 unveränderten Meldegebühren und auch auf die eigentlich erforderliche lineare Erhöhung der Passgebühren verzichtet hat. Die tatsächlichen Mehreinnahmen aus der Erhöhung der Vereinswechselgebühren werden sich daher voraussichtlich auf knapp unter einer Million Euro jährlich belaufen. Schon jetzt lässt sich absehen, dass, durch die Verringerung der Spieler und dem damit einhergehenden wahrscheinlichen Rückgang an Vereinswechseln, die Mehreinnahmen in den nächsten Jahren merkbar zurückgehen werden.

Ist die Erhöhung von 13 € auf 50 € nicht sehr hoch?

Eine Steigerung der Gebühren auf 25 (Junioren) bzw. 50 Euro (Erwachsene) scheint auf den ersten Blick natürlich sehr hoch. Der BFV verzichtete allerdings seit 2002 darauf seine Passgebühren inflationsbedingt zu erhöhen. Auch die Meldegebühren wurden seit 2006 und werden auch bis 2014 nicht erhöht.

Die alten Zeiten im Freizeit- und Breitenfußball mit riesigen Zuschauerzahlen bis in die untersten Spielklassen kehren vermutlich nicht wieder zurück, denn die Freizeitgesellschaft hat sich stark verändert. Deshalb sind neue Finanzierungssysteme im Amateurfußball notwendig. Die ehrenamtlichen Leistungen können im Fußball nicht vollständig zum Nulltarif angeboten werden. In vielen Sportarten ist es üblich, dass Spieler selbst oder die Eltern für ihre Aufwände aufkommen. Dies wäre auch im Amateurfußball eine zusätzliche Möglichkeit. Wir sollten darauf hinwirken, dass Spieler, die nicht mehr bei ihrem bisherigen Verein spielen möchten, die 25 oder 50 Euro über die Aufnahmegebühr im Verein für den Wechsel selbst aufbringen und damit einen Beitrag zur Finanzierung des Amateurfußballs leisten. Bleibt ein Spieler lediglich zwei Jahre bei seinem neuen Verein, so kostet ihn bzw. den Verein die Spielberechtigung im Übrigen gerade einmal 2 € im Monat, im Juniorenbereich ca. 1 €. Zusätzlich ist noch einmal daran zu erinnern, dass Passneuausstellungen statt 6 € (Junioren) oder 13 € (Erwachsene) zukünftig gänzlich gebührenfrei sein werden. Wer also Kinder in den Verein neu aufnimmt und dauerhaft durch tolles Training binden kann, profitiert von den Neuregelungen des Verbandes.

Spielerwechsel JFG und "Gruppenwechsel" bei F- und E-Junioren

Der Einzelwechsel eines Spielers vom Stammverein zur JFG und von der JFG zum Stammverein kostet pro Einzelantrag  ab dem 1.12.2010 fünf Euro und ist damit sogar einen Euro preisgünstiger als bisher (bisher waren es 6 Euro). Analog werden auch bei einer Zusammenarbeit von zwei Vereinen im F- und E-Jugendbereich (hier gibt es noch keine JFG's), die jährlich ganze Mannschaften tauschen (F-Jugend von Verein A  zu Verein B; E-Jugend von Verein B zu Verein A) fünf statt bisher sechs Euro pro Einzelwechsel erhoben. In solchen Fällen handelt es sich nicht um einzelne Wechsel zu verschiedenen Vereinen, sondern im Kern um eine sinnvolle gemeinsame Jugendarbeit zweier Vereine, wie Sie vom BFV gewünscht und dementsprechend auch unterstützt wird.

Beispiel: Werden zwei Mannschaften á 18 Spieler getauscht, fallen 36 Wechsel x 5 Euro = 180 Euro Wechselgebühren an (bisher 36 x 6 = 216 Euro). Für einen solchen "Gruppenwechsel" zwischen zwei für verschiedene Altersklassen kooperierenden Vereinen ist eine Absprache mit der BFV-Passabteilung notwendig, um den Vorgang seitens des BFV bestmöglich bearbeiten zu können. 

Bevölkerungsentwicklung Bayern (Kinder/Jugendliche)
Stand: 24.11.2010 | JPG (115 kB)
 
Entwicklungsprognose (Jugendliche im BFV)
Stand: 24.11.2010 | JPG (110 kB)
 
Entwicklung Juniorenmannschaften im BFV
Stand: 24.11.2010 | JPG (179 kB)
 
Entwicklung der Vereinszahlen (BFV)
Stand: 24.11.2010 | JPG (97 kB)
 

Bitte beachten Sie, dass es sich in den Grafiken um Zahlen für ganz Bayern im Durchschnitt handelt. Regional gibt es sicher erhebliche Unterschiede (z.B. Ballungsräume München, Augsburg, Nürnberg gegenüber ländlichen Regionen/Kreisen). Die Entwicklung kann also regional deutlich besser oder schlechter verlaufen.

Bezirkstagsrede 2010 Dr. Rainer Koch - Wichtige Punkte zur Zukunft der Amateurfußballvereine

Bereits auf allen Bezirkstagen brachte BFV-Präsident Dr. Rainer Koch 2010 in seiner Rede sechs Punkte in die Diskussion ein, die er für die Zukunft der Amateurfußballvereine an der Basis als besonders wichtig erachtet. Darin stehen das Thema Image des Amateurfußballs, Ehrenamt und Finanzierung des Amateurfußballs im Blickpunkt. Die komplette Rede gibt es zum Nachlesen hier als Download.

 
Spitzenvereine

Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden.

© 2019 BFV.de