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Spielberechtigung für Flüchtlinge

Letzte Aktualisierung: 21. November 2014

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Zwar sind vorgeschriebene Formalien und Fristen zu beachten, aber grundsätzlich können auch Flüchtlinge und Asylbewerber einen Spielerpass bekommen und am Spielbetrieb teilnehmen.

Über 50 Millionen Menschen sind weltweit auf der Flucht. Berichte über die katastrophalen Zustände in den politischen Krisengebieten bestimmen aktuell die Medienlandschaft. Das Thema Integration von Flüchtlingen und Asylbewerbern ist deshalb aktueller denn je. Ein Teil der Flüchtlinge landet in Deutschland und auch in Bayern. Für diese Menschen tragen die Politik, aber auch gesellschaftliche Institutionen wie der Bayerische Fußball-Verband (BFV) und seine Vereine Verantwortung. "Fußball ist die mit Abstand größte Integrationsbewegung in unserem Land und gibt Menschen unabhängig von Herkunft, Bildung, Religion oder Hautfarbe eine Heimat. Im Fußball sind alle gleich. Das Thema Einwanderung wird in Deutschland künftig eine immer noch größere Rolle spielen. Wir werden uns deshalb noch viel mehr als bisher mit Integrationsmaßnahmen beschäftigen müssen", betont BFV-Präsident Rainer Koch.

Wie diese Integrationsarbeit funktionieren kann, stellen zahlreiche Vereine in ganz Bayern unter Beweis. Stellvertretend für ihr Engagement zeichnete der Bayerische Fußball-Verband kürzlich im Rahmen seiner Ehrenamts-Gala in München sechs Klubs für ihre beispielhafte Integration von Asylbewerbern und Flüchtlingen mit dem BFV-Sonderpreis aus. Die Vereine suchen den Kontakt zu Flüchtlingsstätten und Aufnahmehäusern vor Ort, sammeln Kleider und Schuhe, sensibilisieren die Bevölkerung mit öffentlichen Aktionen für die Situation der Flüchtlinge, um Vorbehalte abzubauen, helfen bei Sprachschwierigkeiten weiter und integrierten Asylsuchende in den Trainings- und Spielbetrieb. Die Fußballbegeisterung ist selbstverständlich auch bei vielen Flüchtlingen und Asylbewerben riesengroß. Damit diese Menschen nicht nur beim Training und in Freundschaftsspielen für ihren neuen Klub auf dem Platz stehen können, brauchen Sie - wie jeder andere Fußballer in Bayern - eine Spielerlaubnis des Bayerischen Fußball-Verbandes.

Was müssen die Vereine dabei beachten, welche Dokumente müssen beim BFV eingereicht werden und warum ist auch bei Flüchtlingskindern ab zwölf Jahren und erwachsenen Flüchtlingen ein "internationaler Freigabeschein" notwendig, bevor die Spielberechtigung erteilt werden kann?

Spielberechtigung für Flüchtlinge - der BFV klärt auf

Vorabinformation: Grundsätzlich versucht der Bayerische Fußball-Verband, jeden schnellstmöglich in den Spielbetrieb zu integrieren. Grundlage für "internationale Wechsel" ist allerdings das Reglement der FIFA, es gibt also - anders als teilweise geschrieben und verbreitet - keine spezifische Regelung des BFV. An das FIFA-Reglement sind der DFB und seine Landesverbände zwingend gebunden. Deren Nichteinhaltung kann am Ende zur Bestrafung von Vereinen und Spielern führen, obwohl ihnen eigentlich geholfen werden soll.

Kinder und Jugendliche

Die FIFA unterscheidet grundsätzlich zwischen unter 12-Jährigen und 12- bis 18-Jährigen.

Kinder unter 12 Jahren

Für alle minderjährigen Flüchtlinge/Kindern von Asylbewerbern bis zur Vollendung des 12. Lebensjahrs kann/darf der BFV die sofortige Spielerlaubnis erteilen, wenn die nachfolgenden Unterlagen/Punkte vorliegen.

Die Voraussetzungen sind:

  • Vereinsmitgliedschaft
  • Antrag auf Erteilung einer Spielerlaubnis (Passantrag)
  • Zustimmung der Eltern bzw. einer alternativen Aufsichtsperson bei Flüchtlingen, die ohne ihre Eltern gekommen sind
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Der BFV steht Vereinen mit Rat und Tat zur Seite und bearbeitet jede Passanfrage schnellstmöglich.

Kinder und Jugendliche zwischen 12 und 18 Jahren

Etwas komplizierter wird es für die Altersgruppe der 12- bis 18-Jährigen. Die FIFA verbietet zum Schutz der Jugendlichen internationale Vereinswechsel minderjähriger Fußballspieler (12-18 Jahre). Es soll damit verhindert werden, dass Vereine Kinder und Jugendliche aus der ganzen Welt zu sich holen, Spielerberater auf dem Rücken der Kinder Geschäfte machen, die Kinder aus ihrem familiären/sozialen Umfeld in ihrer Heimat gerissen werden, und hinterher ein Großteil der Kinder - weil ihr Talent doch nicht ausgereicht hat - wieder fallengelassen wird und ganz alleine in einem fremden Land dasteht.

Von diesem Verbot internationaler Vereinswechsel minderjähriger Fußballspieler (12-18 Jahre) gibt es grundsätzlich drei Ausnahmen:

  1. Die Eltern beziehen im Land des neuen Vereins ihren Wohnsitz.
  2. Der Wechsel findet innerhalb der EU statt (nur für 16-18-Jährige; Verein hat weitere Mindestverpflichtungen zu erfüllen, z.B. Betreuung, schulische Ausbildung, etc.)
  3. Der Spieler wohnt höchstens 50 Kilometer von einer Landesgrenze entfernt und der Verein liegt ebenfalls höchstens 50 Kilometer entfernt von dieser Landesgrenze.

Beschränkte Befreiung für Flüchtlingskinder

Für ein minderjähriges Flüchtlingskind etwa aus Syrien oder Afghanistan oder ganz generell Kinder von Asylbewerbern passt meistens keine dieser Ausnahmen. Die FIFA hat deshalb dem DFB (und damit auch seinen Landesverbänden) eine "beschränkte Befreiung" gewährt, die besagt, dass nur internationale Vereinswechsel minderjähriger Spieler zu einem Verein der ersten vier Leistungskategorien (Bundesliga bis Regionalliga) der FIFA zur Beurteilung vorgelegt werden müssen. Diese Befreiung gilt bereits seit Dezember 2009 und bewirkt, dass minderjährige Flüchtlingskinder bzw. Kinder von Asylbewerbern überhaupt eine Spielberechtigung (in Bayern vom BFV) erhalten können.

Die Voraussetzungen sind:

  • Vereinsmitgliedschaft
  • Antrag auf Erteilung einer Spielerlaubnis (Passantrag)
  • Zustimmung der Eltern bzw. eines behördlich bestimmten Vormunds bei Flüchtlingen, die ohne ihre Eltern gekommen sind (Nachweis der Vormundschaft in Kopie)
  • Amtliches Dokument, aus dem die Identität hervorgeht (Ausweiskopie oder Aufenthaltsgenehmigung)
  • "Internationaler Freigabeschein"

Bei Minderjährigen ab Vollendung des 12. Lebensjahres bis zu 18 Jahren, also auch Flüchtlingskindern und Kindern von Asylbewerbern, ist gemäß den Vorgaben der FIFA zwingend auch ein "internationaler Freigabeschein" notwendig, den der BFV über den DFB beim Nationalverband des Herkunftslandes beantragen muss.

Wichtig: Kommt innerhalb einer Frist von 30 Tagen kein Einwand zum Wechsel oder erfolgt zum Beispiel vom Nationalverband aus einer Krisenregion nach 30 Tagen keine Rückmeldung auf die entsprechende Anfrage, darf der BFV gemäß den FIFA-Richtlinien die Spielberechtigung ordnungsgemäß erteilen.

Wieso gibt es diese Altersgrenze?

Grundsätzlich fangen ab diesem Altersbereich die großen Vereine verstärkt an, ihre Fühler nach Talenten auszustrecken, die professionelle Talentförderung und Ausbildung geht ab diesem Alter so richtig los, genauso der Wettstreit um die besten Talente. Die Gefahr, dass Vereine oder auch unseriöse Spielerberater Talente ausnutzen und dann wieder fallen lassen, steigt an.

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Von der Integration profitieren beide Seiten: Die Flüchtlinge und auch der Verein und seine Mitglieder.

Erwachsene

Bei erwachsenen Asylbewerbern/Flüchtlingen müssen für das Spielrecht beim BFV die nachfolgenden Voraussetzungen erfüllt sein bzw. Unterlagen eingereicht werden.

Die Voraussetzungen sind:

  • Vereinsmitgliedschaft
  • Antrag auf Erteilung einer Spielerlaubnis (Passantrag)
  • Amtliches Dokument, aus dem die Identität hervorgeht (Ausweiskopie oder Aufenthaltsgenehmigung)
  • "Internationaler Freigabeschein"

Auch bei erwachsenen Asylbewerbern/Flüchtlingen ist gemäß den Vorgaben der FIFA zwingend ein "internationaler Freigabeschein" notwendig.

Hier gilt ebenso: Kommt innerhalb einer Frist von 30 Tagen kein Einwand zum Wechsel oder erfolgt zum Beispiel vom Nationalverband aus einer Krisenregion nach 30 Tagen keine Rückmeldung auf die entsprechende Anfrage, darf der BFV gemäß den FIFA-Richtlinien die Spielberechtigung ordnungsgemäß erteilen.

Regeln der FIFA für BFV bindend

Die Bestätigung des Herkunftslandes ("internationaler Freigabeschein") soll sowohl bei Kindern als auch Erwachsenen verhindern, dass unrechtmäßige Spielberechtigungen erschlichen werden können. Es gibt also grundsätzlich gute Gründe für die Regelung der FIFA, allerdings wird die Flüchtlingssituation dabei aktuell nicht berücksichtigt. Der BFV steht in der Sache deshalb immer vor dem gleichen Dilemma: Der Bayerische Fußball-Verband will nichts verhindern oder verzögern - im Gegenteil. Er muss sich aber an die Regelungen der FIFA halten. Es ist schlicht verboten, ohne die zwingend vorgeschriebene Bestätigung des bisherigen Landes eine Spielberechtigung auszustellen. Solange die Bestätigung nicht vorliegt, kann der BFV im Rahmen der 30-Tages-Frist also keine vorzeitige Spielberechtigung erteilen, denn die Statuten besagen, dass 30 Tage auf eine Antwort gewartet muss, bevor dann auch ohne Erklärung aus dem Herkunftsland die Spielerlaubnis erteilt werden darf.

Ein Verstoß gegen die Statuten würde unter Umständen nicht nur dem Verein schaden (bei unrechtmäßig erteiltem Spielrecht müsste bei einem Einspruch sofort eine Spielwertung erfolgen oder eine Spielwiederholung angeordnet werden), sondern auch Strafen für die einzelnen Spieler nach sich ziehen. Das wäre dann der "worst case" für das Engagement aller Beteiligten. Geht eine Erklärung des Herkunftslandes früher ein, wird der Fall unverzüglich durch den BFV bearbeitet. Ansonsten kann der BFV nur um Verständnis für die Wartezeit bitten.

Hilfestellung bei Fragen

Der BFV unterstützt jeden Verein, der sich für Flüchtlinge und Asylbewerber engagiert. Bei Fragen zum Spielrecht können sich Vereine jederzeit an die Passabteilung des BFV wenden. Die Ansprechpartner für die Bezirke im Überblick:

Bezirk Mittelfranken
Kathrin Schuler
kathrinschuler@bfv.de
089-54-2770-36

Bezirk Schwaben
Elisabeth Irg
elisabethirg@bfv.de
089-542770-33

Bezirk Oberbayern
Gerd Wittmann
gerdwittmann@bfv.de
089-542770-32

Bezirke Oberfranken und Oberpfalz
Andrea Schlemmer
andreaschlemmer@bfv.de
089-542770-35

Bezirke Niederbayern und Unterfranken
Petra Lenz
petralenz@bfv.de
089-542770-34

BLSV übernimmt Sportversicherung für Flüchtlinge

Damit auf die Vereine beim Thema Integration von Flüchtlingen nicht auch noch zusätzliche finanzielle Belastungen zukommen, übernimmt der Bayerische Landes-Sportverband (BLSV) die kompletten Kosten für eine pauschale Sportversicherung aller Flüchtlinge und Asylbewerber, die an Angeboten der BLSV-Mitgliedsvereine (also auch der bayerischen Fußballvereine) teilnehmen. Abgedeckt sind Unfall- und Haftpflichtschäden im Rahmen der aktuellen Sportversicherung, die der BLSV für seine Vereine mit der ARAG abgeschlossen hat. Wichtigstes Gebot ist dabei die unbürokratische Abwicklung. Die teilnehmenden Personen müssen dem BLSV nicht gemeldet werden. Die Flüchtlinge und Asylbewerber benötigen für diese Versicherung auch keinen Mitgliedsstatus. Sollten Flüchtlinge und Asylbewerber allerdings länger im Verein bleiben und am Spiel- oder Mannschaftsbetrieb teilnehmen, müssen sie als Mitglieder gemeldet werden, damit - wie beschrieben - auch ein Spielerpass beantragt werden kann. Über diese Anmeldung sind natürlich auch Flüchtlinge und Asylbewerber in der standardmäßigen Sportversicherung des BLSV für seine Mitgliedsvereine versorgt.

Weitere Infos zur BLSV-Sportversicherung finden Sie auf www.blsv.de.

 
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