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Walter Moritz: "Wir werden für unser Hobby werben"

Letzte Aktualisierung: 18. Januar 2016

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Verbands-Schiedsrichterobmann Walter Moritz spricht über Herausforderungen und Ziele des Jahres 2016.

Verbands-Schiedsrichterobmann Walter Moritz zeigt sich zufrieden mit dem Jahr 2015. Aber sein Blick ist bereits nach vorne gerichtet. Im BFV-Interview erklärt er, warum er jeder Schiedsrichtergruppe ans Herz legt, das Pilotprojekt "Tandemschiedsrichter" auszuprobieren und mit welchen Maßnahmen der Verbands-Schiedsrichterausschuss den rückläufigen Schiedsrichterzahlen entgegenwirken möchte.

Was waren aus Schiedsrichtersicht die Highlights des Jahres 2015?

Walter Moritz:
Es gab 2015 gleich mehrere Highlights, die den Leistungsstand der bayerischen Schiedsrichter verdeutlichen und ein Beleg dafür sind, dass wir mit unserer Vorgehensweise bei der Aus- und Fortbildung auf dem richtigen Weg sind. Mit Benjamin Brand hat ein weiterer bayerischer Schiedsrichter den Sprung in die Fußball-Bundesliga geschafft. Felix Brych wurde zum wiederholten Male als "Schiedsrichter des Jahres" ausgezeichnet und fährt als einziger deutscher Schiedsrichter mit seinen Assistenten Mark Borsch und Stefan Lupp zur Europameisterschaft nach Frankreich. Deniz Aytekin war bei der U17-Weltmeisterschaft in Chile als Schiedsrichter im Einsatz, Marco Achmüller als Schiedsrichter-Assistent bei der U20-WM in Neuseeland.

Was sind für Sie die großen Herausforderungen im Schiedsrichterbereich in Bayern im Jahr 2016?

Moritz:
Die große Herausforderung nicht nur für 2016, sondern auch für die kommenden Jahre ist es, den rückläufigen Schiedsrichterzahlen etwas entgegenzusetzen. Das kann der Verband aber nicht alleine schaffen. Hier müssen alle an einem Strang ziehen - Vereine, Spieler, Trainer und Zuschauer. Ziel ist und wird es auch bleiben, auch in diesem Jahr so viele Spiele wie möglich mit ausgebildeten, neutralen Schiedsrichtern zu besetzen. Darüber hinaus wollen wir natürlich weiterhin unsere talentiertesten Schiedsrichter so auszubilden, dass sie sich für höhere Aufgaben empfehlen können und eventuell den bald ausscheidenden Spitzenschiedsrichtern Wolfgang Stark, Peter Sippel und Günter Perl nachfolgen können. Wir haben bei der Ausbildung einen hohen Leistungsstandard erreicht und in den vergangenen Jahren unter anderem das Beobachtungswesen durch ein intensives Individualcoaching weiter verbessert. Wir arbeiten in unseren Leistungslehrgängen auf einem top-professionellen Niveau, das wir in den kommenden Jahren halten und sogar noch steigern wollen. Wir werden uns nicht auf dem Erreichten ausruhen.

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Beim Projekt "Tandem-Schiedsrichter" stehen ein erfahrener Referee und ein Neuling gemeinsam auf dem Platz.

Die Schiedsrichtergruppe Bad Tölz hat das Pilotprojekt "Tandem-Schiedsrichter" ins Leben gerufen, bei dem ein erfahrener Schiedsrichter einen Neuling bei der ersten Spielleitung direkt aufs Feld begleitet. Wie fällt Ihr Fazit aus? Bestehen Überlegungen, das Projekt verpflichtend auf ganz Bayern auszudehnen - oder soll weiterhin jede Schiedsrichtergruppe selbst entscheiden, ob sie das als sinnvoll erachtet?

Moritz:
Ich bin persönlich sehr angetan von diesem Projekt und kann jeder Schiedsrichtergruppe in Bayern auch empfehlen, dem Beispiel der Gruppe Bad Tölz zu folgen und es zumindest auszuprobieren. Neulinge können von erfahrenen Schiedsrichtern sehr viel lernen - beispielsweise was Laufwege, Stellungsspiel, den Umgang mit den Spielern oder das Stellen der Mauer betrifft. Wir als Verbands-Schiedsrichterausschuss setzen dabei aber ganz bewusst auf Freiwilligkeit. Jede Gruppe soll für sich entscheiden, ob für sie das Projekt überhaupt umsetzbar und sinnvoll ist. Denn es hängen ja mehrere Faktoren vom Erfolg ab. Fehlen beispielsweise geeignete erfahrene Schiedsrichter, die vom Konzept überzeugt sind und sich gerne als Tandem-Partner zur Verfügung stellen, ist das Projekt zum Scheitern verurteilt - egal wie gut der Gedanke dahinter auch ist. 

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Das Freistoßspray hat sich in der Regionalliga Bayern bewährt.

Seit der Rückrunde der Saison 2014/15 kommt in der Regionalliga Bayern das so genannte Freistoßspray zum Einsatz. Wie fällt das Fazit aus? Bestehen Überlegungen, auch in weiteren Verbandsligen darauf zurückzugreifen?

Moritz:
Wie in der Bundesliga hat sich das Freistoßspray auch in der Regionalliga Bayern bewährt. Es gibt keinerlei Diskussionen bei der Mauerstellung und auch keine Wiederholungen, weil der Abstand während der Ausführung verkürzt wurde. Dennoch wollen wir die Sache nicht verwässern und es bestehen im Moment keinerlei Überlegungen, das Spray auch in der Bayernliga oder der Landesliga einzusetzen.

Der Schwerpunkt 8 der "Pro Amateurfußball"-Kampagne widmet sich dem Thema "Schiedsrichter-Gewinnung und -Erhalt". 2016 soll der Fokus besonders auf die Werbe- und Imagearbeit gelegt werden. Was ist konkret geplant?

Moritz:
Neben der Schiedsrichter-Gewinnung ist auch der Schiedsrichter-Erhalt von elementarer Bedeutung, um weiterhin so viele Partien wie möglich mit Schiedsrichtern besetzen zu können. Die Arbeitsgruppe 8 der Kampagne "Pro Amateurfußball" hat sich deshalb ein Konzept überlegt, wie man das Hobby Schiedsrichter wieder attraktiv gestalten kann. Mit Präsentationen wollen wir verdeutlichen, dass es sich lohnt, Schiedsrichter zu sein und bei Vereinen und auch in Schulen für unser Hobby werben. Da viele Schiedsrichter aufgrund der Angst vor verbalen und oder teilweise auch körperlicher Gewalt als Schiedsrichter aufhören, werben wir in erster Linie auch bei Trainern, Spielern und Zuschauern um Verständnis für Schiedsrichter-Entscheidungen. Nach dem Motto "Wie hätten Sie denn entschieden?". Wir wollen mit Videoszenen allen Interessierten und vor allem denen, die immer alles besser wissen, deutlich machen, dass es nicht immer leicht ist, in Bruchteilen von Sekunden die richtige Entscheidung zu treffen. Teilweise ist auch mangelnde Regelkenntnis die Ursache von emotionalen Äußerungen. Auf diese Weise hoffen wir, mehr Verständnis zu erreichen und somit auch ein besseres Verhältnis. 

 
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