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Koch: "Verband und Vereine müssen sich modern aufstellen"

Letzte Aktualisierung: 6. November 2017

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BFV-Präsident Rainer Koch sprach bei seiner Presserundreise mit 26 Chefredakteuren, Ressortleitern und Sportjournalisten aus ganz Franken über die Stärken, Probleme und Zukunftschancen des Amateurfußballs.

Zwei Tage, fünf Redaktionsbesuche. Im Gepäck zahlreiche Themen rund um den bayerischen Amateurfußball: Knapp drei Wochen vor dem ersten Kreistag im Kreis Donau/Isar diskutierte BFV-Präsident Dr. Rainer Koch mit 26 Chefredakteuren, Ressortleitern und Sportjournalisten aus ganz Franken über die Stärken, Sorgen, Probleme und Zukunftschancen des Amateurfußballs sowie die anstehenden 22 Kreis- und sieben Bezirkstage und den Verbandstag am 4./5. Mai 2018. "Die Frage ist, ob die nötige Attraktivität des Amateurfußballs für die jungen Menschen von heute noch vorhanden ist. Der Verband muss sich deshalb modern aufstellen und fit sein, wenn die Probleme endgültig bei den Vereinen ankommen. Man kann die Veränderungen der Gesellschaft wie den demografischen Wandel nicht aufhalten. Sowohl der Verband als auch die Vereine müssen sich dem anpassen, ansonsten kann man nicht dauerhaft modern und attraktiv bleiben", erklärte Koch im Gespräch mit der Mediengruppe Oberfranken. "Die heutige Digitalisierung und Eventisierung der Gesellschaft sind total konträr zum altbekannten Vereinsleben. Heutzutage gibt es eine total veränderte Mobilität und viel flexiblere Arbeitszeiten als früher", so Koch weiter. Der BFV-Präsident sprach sich deshalb klar dafür aus, auch den Amateurfußball zu einem Event zu machen: "Anstatt zu versuchen, bei jedem Heimspiel 20 Zuschauer mehr zu bekommen, sollten Vereine den Fokus auf zwei bis drei Spiele pro Jahr legen und daraus ein echtes Highlight machen. Das kann ein Derby oder auch ein Spitzenspiel sein, bei dem der Verein ein Rahmenprogramm anbietet und so mehr Zuschauer zum Platz lockt."

Relegationsspiele mit Hin- und Rückspiel

Auch Relegationsspiele sind jedes Jahr ein absolutes Zuschauer-Highlight, zu dem teilweise sogar bis zu 1000 Zuschauer pro Spiel kommen. Dieter Habermann, Bezirksvorsitzender Mittelfranken, unterstrich im Gespräch mit den Nürnberger Nachrichten und der Nürnberger Zeitung, dass "wir bei Relegationsspielen oftmals das Sechs- bis Siebenfache an Zuschauern haben als normal". Doch viele Vereine sprächen sich gegen Relegationsspiele aus, da diese die Saison unnötig verlängern und somit die Sommerpause und Erholung der Spieler verkürzen würden. Diesem Argument hielt der BFV-Präsident entgegen: "Natürlich wird durch die Relegationsspiele die Sommerpause verkürzt. Aber wir müssen auch Kompromisse eingehen. Ich bin der Meinung, dass wir spielen sollten, wenn es am schönsten und die Attraktivität am größten ist. Wir wollen unsere Saison-Höhepunkte zur richtigen Jahreszeit haben. Fast überall haben die Kreise dafür gesorgt, dass die Saison maximal lang läuft und auch maximal früh begonnen wird. Dadurch verringert sich der Zeitraum zwischen alter und neuer Spielzeit." Ein Diskussionspunkt ist nach wie vor auch der Modus der Relegationsspiele. Es obliegt jedem Bezirk selbst, ob diese mit Hin- und Rückspiel oder mit nur einem Spiel auf neutralem Platz ausgetragen werden. Koch sprach sich gegenüber der Frankenpost ganz klar für Relegationsspiele mit Hin- und Rückspiel aus: "Wir haben für die Relegation der Saison 2016/17 ermittelt, dass Vereine im Schnitt durch Hin- und Rückspiele mehr als doppelt so viele Einnahmen haben wie bei nur bei einem Spiel, bei dem noch ein dritter Verein mitverdient, der den Platz stellt."

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In der AG Finanzen stellte der BFV sämtliche Einnahmen und Ausgaben des Verbands-Haushaltes transparent und offen dar. Zur Mitarbeit waren alle bayerischen Vereine eingeladen.

Regionalliga-Reform

Ein vorherrschendes Thema auf der Redaktionsreise war die Reform der aktuellen Regionalliga-Struktur und deren Aufstiegsregelung. "Es gibt aktuell viele Forderungen und Wünsche, die sich nicht alle gleichzeitig unter einen Hut bringen lassen. Fest steht: eine 3. Liga mit 22 Vereinen und fünf Absteigern ist nicht machbar, da sie zu fast 50 Pflichtspielen für jeden Verein im Jahr führen würde. Die einfachste Lösung wäre auf den ersten Blick eine zweigleisige 3. Liga, dann wäre die Ligenpyramide hergestellt, alle fünf Meister könnten aufsteigen. Das geht aber derzeit schon deshalb auf gar keinen Fall, weil das dafür nötige Geld nicht zu erwirtschaften ist. Das könnte daher allenfalls langfristig ein Thema werden", sagte der 58-jährige Koch im Gespräch mit der Mainpost. "Das Modell mit vier Drittliga-Absteigern und vier Regionalligen ist mit Blick auf die Bevölkerungsverteilung in Deutschland auch nur schwer vorstellbar. Man erkennt sehr schnell, dass im Westen und Südwesten, also im Bereich der Regionalligen Südwest und West, die Hälfte der Menschen lebt und auch die Hälfte der Fußballklubs zu Hause ist. Deshalb sollte klar sein, dass diese zwei Regionalligen so erhalten bleiben müssten. Das hieße aber, dass man - schon aus geografischen Gründen - die Regionalliga Nordost auseinanderreißen müsste und deren Vereine auf die Regionalligen Nord und Bayern verteilen müsste. Die Vereine aus Sachsen und Thüringen kämen zur Regionalliga Bayern hinzu. Für uns nicht wünschenswert, aber vorstellbar, für den Nordosten nachvollziehbarerweise undenkbar." Als einzige vorstellbare Lösung sieht der BFV-Präsident deshalb aktuell den Vorschlag, die Anzahl der 3. Liga-Absteiger auf vier zu erhöhen und die fünf Regionalligen in ihrer derzeitigen Form zu erhalten. Die Regionalligen Südwest und West würden jeweils einen festen Aufstiegsplatz erhalten, die Regionalligen Nord, Bayern und Nordost würden zwei Aufsteiger ausspielen. "Das ist zwar nicht die Ideallösung, aber aus unserer Sicht der beste Kompromiss", so Koch.

AG Finanzen des BFV

Ein großes Thema in den Redaktionsgesprächen war auch die finanzielle Situation des Verbandes und die Gründung einer AG Finanzen. Dazu hatte der BFV alle rund 4600 bayerischen Vereine angeschrieben und persönlich zur Mitarbeit in der AG eingeladen. Bei drei Terminen in den vergangenen Monaten wurden sämtliche Einnahmen und Ausgaben des Verbands-Haushaltes transparent und offen dargestellt und erläutert. Abschließend wurde eine gemeinsame Erklärung erarbeitet. "Die Diskussion und der gesamte Arbeitsprozess in der AG Finanzen war offen und fair. Viel mehr als das können wir nicht machen", machte Koch gegenüber den Nürnberger Nachrichten und der Nürnberger Zeitung deutlich. Interessierte Vereinsvertreter können sich bei den aktuell noch stattfindenden "Runden Tischen" zum Thema Verbandsfinanzen in jedem Kreis selbst ein Bild über die Einnahmen und Ausgaben des BFV machen. Das Ergebnis der AG Finanzen wird dann auf den 22 Kreistagen vorgestellt.

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Events wie die Fußballiade, die 2019 erneut in Landshut stattfinden wird, helfen dabei, die Begeisterung für den Amateurfußball hochzuhalten.

"Aktionsplan Amateurfußball" von DFB und DFL

Zusätzlich zum bis 2023 laufenden Grundlagenvertrag, der die Beziehungen zwischen DFB und DFL regelt, wurde kürzlich von DFB und DFL ein neuer "Aktionsplan Amateurfußball" ins Leben gerufen, durch den eine gewaltige Verbesserung für den Amateurfußball erzielt werden konnte. Zukünftig werden aus DFL-Mitteln über vier Millionen Euro jährlich an Amateurfußballvereine ausgeschüttet. "Nehmen wir mal an, Max Müller wird irgendwann Bundesliga-Spieler. Dann melden sich natürlich seine ehemaligen Jugendtrainer, die sich früher ehrenamtlich um Max gekümmert haben. Es war seit langem eine Forderung des Amateurfußballs, die Altersgrenze nach unten zu ziehen. Jetzt gibt es eine Ausbildungsentschädigung schon ab dem sechsten Lebensjahr, für jedes Jahr wird es jetzt 4.200 Euro geben", erklärte Koch gegenüber dem kicker und der Mainpost. Darüber hinaus wird die Talentförderung der Drittligisten mit beachtlichen Mitteln unterstützt, der DFB-Pokal bleibt in der derzeitigen Form erhalten und die für die Amateurvereine wichtigen Dienstleistungen der Landesverbände werden mit zusätzlich fünf Millionen Euro pro Jahr unterstützt. Daneben wird in Zukunft über die Landespokalwettbewerbe jährlich eine Million Euro an die teilnehmenden Amateurvereine ausgeschüttet. "Alles zusammen ist das natürlich eine erhebliche Ausweitung der Unterstützung von DFB und DFL für den Amateurfußball", so der BFV-Präsident.

Schiedsrichter-Mangel

Beim Redaktionsbesuch der Frankenpost stand ein Thema ganz oben auf der Agenda: Der fortschreitende Schiedsrichter-Mangel. Schiedsrichter werden immer älter, der Nachwuchs wird immer weniger, zudem fehlt oft der nötige Respekt gegenüber den Unparteiischen. Der BFV-Präsident plädierte deshalb dafür, dass "die Themen und Probleme schnell aufgearbeitet werden müssen. Wir müssen Verbesserungen vornehmen und uns noch mehr um die Betreuung junger Schiedsrichter kümmern." Er betonte jedoch auch, dass es falsch sei, dass die Gewalt auf den Fußballplätzen gegenüber Schiedsrichtern immer weiter zunehmen würde. So wurden in der Saison 2016/2017 in Bayern insgesamt 246.783 Spiele mit dem Elektronischen Spielbericht erfasst, davon waren 246.109 Spiele störungsfrei, lediglich bei 674 Spielen kam es zu Störungen und bei 58 Partien zu Spielabbrüchen. In insgesamt 288 Fällen wurde eine Gewalthandlung oder Diskriminierung gegenüber dem Schiedsrichter gemeldet. "Man muss das Ganze richtig betrachten, denn es liegt nicht an den Vorfällen, dass es weniger Schiedsrichter gibt", so der BFV-Präsident. "Es ist allerdings richtig, dass wir uns den Schiedsrichter-Themen noch mehr annehmen müssen. Wir müssen mehr Gelder für den Schiedsrichter-Bereich bereitstellen, die Schiedsrichter-Spesen müssen nach über zehn Jahren erhöht werden, zudem werden wir die Ausbildung verbessern und die Konfliktfähigkeit unserer Schiedsrichter erhöhen müssen." Karlheinz Bram, Bezirksvorsitzender Oberfranken, gab zudem zu bedenken, dass "wir an die Vereine appellieren müssen, mehr auf ihre Spielpläne zu schauen. Die Vereine müssen ihre Spiele besser planen und mehr streuen, denn wenn alle Spiele gleichzeitig stattfinden, ist es natürlich schwierig, alle Partien mit Schiedsrichtern zu besetzen."

Der Fußball im Jahr 2022

Wie sieht der Fußball im Jahr 2022 aus? Welche Veränderungen stehen bis dahin an? Diese Frage stellte die Mediengruppe Oberfranken im Gespräch mit dem BFV-Präsidenten. Dieser hat bereits jetzt ganz klare Vorstellungen, wohin sich der Fußball bis dahin entwickelt hat: "2022 muss gewährleistet sein, dass es trotz demografischen Wandels und Landflucht gelungen ist, den Fußball überall in der Fläche zu erhalten. Bis dahin ist es uns hoffentlich auch gelungen, den Frauen- und Mädchenfußball als wichtigen Teil in Deutschland zu verankern. Im Herbst 2022 steht eine Weltmeisterschaft in Katar an. Außerdem steht die Europameisterschaft 2024 bereits bevor, bei der ich hoffe, dass sie in Deutschland stattfinden wird", so Koch. "Des Weiteren muss 2022 ein neuer Grundlagenvertrag zwischen DFB und DFL auf den Weg gebracht worden sein, wodurch sich Amateure und Profis weiterhin wechselseitig unterstützen. Zudem laufen im Jahr 2022 wichtige Verträge aus, wie beispielsweise der Fernsehvertrag für die 3. Liga. Bis dahin müssen diese bereits neu verhandelt sein, wodurch wir uns zusätzliche Gelder, insbesondere für den Amateurfußball und die 3. Liga, erhoffen."

 
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