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Michael Stepanoff: The "double" One

Letzte Aktualisierung: 18. Juni 2019

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Ein Aufstieg, ein Klassenerhalt, zwei Teams: Trainer Michael Stepanoff hat etwas ganz außergewöhnliches geschafft.

"Eine Achterbahn der Emotionen": So beschreibt Michael Stepanoff das, was er an diesem ersten Sonntag im Juni 2019 erlebt hat. Und in der Tat, die Vorkommnisse waren außergewöhnlich. Vielleicht hat der Fußballtrainer Stepanoff an diesem Tag sogar Geschichte geschrieben. Amateurfußballgeschichte. Ein Tag, ein Aufstieg, ein Klassenerhalt - mit zwei verschiedenen Klubs. Und dazwischen: Gefühle, die an das Bundesliga-Saisonfinale 2001 erinnern, als Patrik Andersson den FC Bayern München im Hamburger Volksparkstadion in der Nachspielzeit zum Meistertitel schoss. Doch der Reihe nach.

Seit zwei Jahren trainiert Michael Stepanoff die dritte Mannschaft des SV Neuperlach München. Eine Multikulti-Truppe, wie der gebürtige Amberger sagt, die aber durchaus mit einer großen Portion Talent gesegnet ist. Unter Stepanoff stabilisiert sich der SVN München III, entwickelt sich zu einem Top-Team der B-Klasse 5 im Kreis München und ist vor dem letzten Spieltag der Saison 2018/19 sogar Tabellenführer. Das Problem: An diesem ersten Sonntag im Juni ist der SVN spielfrei - und die Verfolger SV Gartenstadt Trudering und FC Stern München III sitzen dem Team gefährlich im Nacken. Gartenstadt spielt beim SK Srbija München II, Stern beim SV Waldperlach III. Mindestens ein Konkurrent muss Federn lassen, um den Sprung in die A-Klasse zu schaffen.

Doppeltes Pensum im Saisonendspurt

Doch erst einmal muss sich Stepanoff an diesem ersten Sonntag im Juni auf eine andere Aufgabe konzentrieren, denn seit gut sechs Wochen fährt der Familienvater zweigleisig. Da der 33-Jährige als Trainer den nächsten Entwicklungsschritt gehen möchte, hat er beschlossen, den SVN München zu verlassen und zur Spielzeit 2019/20 beim DJK Sportbund München-Ost aus der A-Klasse anzuheuern. "Dort habe ich das Angebot bekommen, eine erste Mannschaft zu trainieren. Also habe ich zugesagt", erklärt Stepanoff seine Entscheidung. Doch bis zu seinem Engagement dauert es nicht bis zur neuen Saison - es geht alles viel schneller.

"Für den DJK Sportbund München lief es nicht besonders gut. Deswegen hat sich der Verein im Saisonendspurt von seinem Trainer getrennt, um im Kampf um den Ligaverbleib noch einmal einen neuen Impuls zu setzen. Dieser neue Impuls war dann ich", sagt Stepanoff. Fortan muss er das doppelte Pensum abspulen: Viermal Training pro Woche, zwei Spiele am Wochenende, dazu die Organisation der beiden Mannschaften. Keine einfache Aufgabe. "Zeitlich war das natürlich wahnsinnig stressig und ohne meinen Co-Trainer André Wunderlich wäre das auch nicht machbar gewesen. Er hat mir schon die eine oder andere Trainingseinheit abgenommen", erklärt Stepanoff, der als Verkäufer arbeitet, und ergänzt: "Ein großer Faktor war natürlich auch meine Frau. Sie stand in dieser Zeit voll hinter mir, was ja nicht selbstverständlich ist. Sie hat aber gemerkt, mit wie viel Eifer ich bei der Sache bin - auch wenn sie nicht gerade in Jubelstürme ausgebrochen ist."

Zweimal Rückstand, zweimal Ausgleich

Stepanoffs Doppelschicht geht voll auf. Unter seiner Ägide startet der DJK Sportbund München-Ost eine irre Aufholjagd und kämpft sich vom Tabellenende ans rettende Ufer zurück. Vor dem letzten Spieltag beträgt der Vorsprung auf die Abstiegsplätze sogar drei Zähler. Dennoch muss an diesem ersten Sonntag im Juni ein Sieg her, weil der direkte Vergleich mit Konkurrent DJK Pasing III verloren gegangen ist. "Wir hatten alle richtig Bock auf das Spiel und wollten die Saison mit dem Klassenerhalt doch noch zu einem versöhnlichen Ende bringen", blickt Stepanoff zurück.

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Aufsteiger! Beim SV Neuperlach München II knallten die Sektkorken. Foto: privat

Sonntag, 11 Uhr, Anstoß zum Heimspiel gegen den Munich Irish Rovers FC. Nicht mal fünf Minuten sind gespielt, da gehen die Gäste durch Jose Moniz Jardim in Führung. Ein Rückschlag, doch die Stepanoff-Elf lässt sich nicht hängen und gleicht in Minute 15 durch einen Foulelfmeter von Julius Böhme aus. In der 24. Spielminute der erneute Rückstand, wieder ist Moniz Jardim zur Stelle. Diesmal dauert es nur zwei Minuten bis zum abermaligen Ausgleich. Dominik Dolanjski trifft für die Heimelf. 2:2, der Endstand, es fallen keine weiteren Tore mehr. "Gott sei Dank ist es beim Unentschieden geblieben. Eine Niederlage hätte den Abstieg bedeutet, da Pasing auch gewonnen hat. Der Jubel war natürlich riesig", sagt Stepanoff.

Aufstieg im Auto

Der erste Schritt, der Klassenerhalt mit der DJK, ist geschafft. Nun muss sich Stepanoff beeilen und zum Gelände des SVN kommen. Dort ist die Stimmung allerdings gedämpft. Der SV Gartenstadt Trudering hatte sein Spiel bereits gewonnen. Und auch Stern München III lag in Waldtrudering mit 2:0 in Führung als Stepanoff die Bezirkssportanlage an der Bert-Brecht-Allee erreichte - es lief bereits die zweite Halbzeit. Hängende Köpfe, aus der Traum vom Aufstieg in die A-Klasse, keine Party. Die bereits gedruckten Aufsteiger-T-Shirts wohl eine Fehlinvestition. "Wir haben nicht mehr daran geglaubt und uns alle wieder auf den Heimweg gemacht. Ich bin dann zurück zum DJK-Sportplatz gefahren, um dort wenigstens noch den Klassenerhalt zu feiern", sagt Stepanoff.

Noch während der Fahrt klingelt Stepanoffs Smartphone. Am anderen Ende der Leitung: SVN-Abteilungsleiter Bernhard Klemm. "Reicht uns ein 2:2?", fragt er den scheidenden Trainer. Tut es. Stepanoff kann es nicht fassen und fragt mehrmals nach, ob er richtig gehört habe. Doch es stimmt, Waldtrudering hat die Partie tatsächlich noch ausgeglichen. Der SVN München III ist aufgestiegen.

"Wir sind richtig eskaliert"

Stepanoff dreht wieder um, zurück zum SVN. Dort sind alle wieder zusammengekommen als sich die gute Nachricht verbreitet hat. "Wir sind richtig eskaliert, wie man so schön sagt. Das waren brutale Emotionen", sagt Stepanoff, der diesen ersten Sonntag im Juni 2019 wohl nie vergessen wird.

Der Abschied aus Neuperlach fällt ihm schwer. Nach diesem emotionalen ersten Sonntag im Juni noch ein wenig schwerer. "Es war eine sehr intensive Zeit und mit den Jungs hat es immer Spaß gemacht", sagt der 33-Jährige. Doch er freut sich auch auf seine neue Herausforderung. Mit dem DJK Sportbund München-Ost will er in der kommenden Saison um den Aufstieg in die Kreisklasse mitspielen. Zuzutrauen ist Stepanoff dieses Vorhaben auf jeden Fall.

 
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