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Aschaffenburgs Trainer Jochen Seitz im Interview

Letzte Aktualisierung: 22. März 2019

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Ex-Bundesligaprofi Jochen Seitz will den SV Viktoria Aschaffenburg zum Klassenverbleib in der Regionalliga Bayern führen. Quelle: foto2press
Seit 2016 ist Ex-Bundesligaprofi Jochen Seitz (42) Trainer des ehemaligen Zweitligisten SV Viktoria Aschaffenburg. In der vergangenen Saison führte er seinen Heimatklub zurück in die Regionalliga Bayern. Jetzt ist der Klassenverbleib das Ziel. Im BFV.de-Interview spricht Seitz über seinen Trainerjob und die Lage bei seinem Ex-Klub Schalke 04.

Zuletzt gab es für Ihre Mannschaft ein 0:5 beim zweitplatzierten VfB Eichstätt. War es die bisher schwächste Saisonleistung, Herr Seitz?

Jochen Seitz: Nein, das würde ich gar nicht sagen. Andere Niederlagen haben mich deutlich mehr geärgert. Spielerisch war der Auftritt in Eichstätt teilweise gar nicht so schlecht. Unser Problem war, dass wir im Strafraum zu wenig Körpereinsatz gezeigt und deshalb vier Gegentore nach Standards kassiert haben. Daran müssen wir arbeiten.

Der Vorsprung auf die Relegationsplätze beträgt fünf Zähler. Würden Sie die Niederlage deshalb als Rückschlag im Abstiegskampf bezeichnen?

Seitz: Auch das nicht. Beim Tabellenzweiten, der eine hervorragende Saison spielt, darf man durchaus mal verlieren. Es war allerdings eine Niederlage, die in der Höhe nicht hätte sein müssen. Aber es ist mir lieber, einmal eine solche Klatsche zu bekommen, als mehrmals knapp zu verlieren. Wenn man immer wieder trotz schwacher Auftritte fast punktet, neigt man dazu, nichts zu verändern und zu sagen, dass es von alleine wieder besser wird. In Eichstätt haben wir jetzt einmal schonungslos aufgezeigt bekommen, was verändert werden muss. Es war womöglich eine Niederlage mit heilender Wirkung.

Wie fällt insgesamt Ihr Zwischenfazit nach 25 Spieltagen aus?

Seitz: Da bin ich ein wenig zwiegespalten. Wir hatten einige Spiele, in denen wir positiv überrascht haben - zum Beispiel beim 2:2 gegen Spitzenreiter FC Bayern München II oder beim 2:1-Heimerfolg im Hinspiel gegen den VfB Eichstätt. Aber es gab auch genügend Partien, in den wir unnötig Punkte liegen lassen haben. Ich denke, das zeigt, wie ausgeglichen und umkämpft die Liga ist. Jeder kann jeden schlagen und es wird bis zum Ende spannend bleiben.

Eichstätt ist die große Überraschung in dieser Saison und die einzige Mannschaft, die Titelfavorit FC Bayern München II im Meisterschaftsrennen noch ärgern kann. Ist Eichstätt Ihrer Meinung nach ein ernsthafter Titelaspirant?

Seitz: Absolut, Eichstätt verfügt über eine riesige Qualität im Kader. Fabian Eberle, der gegen uns gleich dreimal getroffen hat, ist für mich beispielsweise der beste Stürmer der Regionalliga Bayern. Aber auch die Innenverteidigung um Kapitän Benjamin Schmidramsl und Michael Zant ist sehr stark. Es stimmt auch die Mischung zwischen Talenten und erfahrenen Spielern wie etwa Ex-Bundesligaprofi Markus Steinhöfer. Der VfB ist auf einem guten Weg, mindestens Vizemeister hinter dem FC Bayern II zu werden und sich damit als beste Amateurmannschaft für den DFB-Pokal zu qualifizieren.

Am Samstag hätte Viktoria Aschaffenburg selbst gegen die U 23 des FC Bayern gespielt, doch die Partie wurde wegen Abstellungen der Münchner für Nationalmannschaften auf den 9. April verlegt. Wie werden Sie das spielfreie Wochenende nutzen?

Seitz: Einer unserer Sponsoren hat uns ein Freundschaftsspiel gegen den Zweitligisten SV Darmstadt 98 ermöglicht. Das wird am Freitagabend ein interessanter Härtetest, auf den wir uns freuen. Klar ist aber, dass wir lieber unser Ligaspiel absolviert hätten. Nun haben wir wieder eine Nachholpartie, für deren Organisation unsere ehrenamtlichen Vereinsmitarbeiter unter der Woche einen großen Aufwand betreiben müssen.

Sie spielten früher selbst für die Viktoria, Ihr Heimatort Heimbuchenthal ist nur rund 30 Autominuten entfernt. Mit Ihrem Trainerjob in Aschaffenburg lassen sich Familie und Beruf derzeit perfekt vereinen, oder?

Seitz: Definitiv - und dafür bin ich auch sehr dankbar. Die Viktoria ist ja auch so etwas wie mein Heimatverein, ab der B-Jugend habe ich dort im Nachwuchsbereich gespielt. Auch deshalb stecke ich viel Herzblut in meine Arbeit und gebe alles, um dabei zu helfen, die positive Entwicklung des Vereins weiter voranzutreiben.

Sie befinden sich noch in den Anfangsjahren Ihrer Trainerlaufbahn, Aschaffenburg ist erst Ihre zweite Station. Können Sie sich dennoch ein längerfristiges Engagement vorstellen?

Seitz: Das hängt davon ab, wohin der Weg der Viktoria führt. Von der Rückkehr in den Profifußball zu sprechen, wäre bei unseren finanziellen Möglichkeiten vermessen. Wir sind aktuell ein Ausbildungsverein, der vor allem mit talentierten Spielern aus der Region arbeitet. Aber es sollte schon das Ziel sein, in den nächsten Jahren zumindest eine feste Größe in der Regionalliga Bayern zu werden. Wenn ich merke, dass der Verein bestrebt ist, in allen Bereichen auf dieses Ziel hinzuarbeiten, bin ich sicher nicht abgeneigt, meinen 2020 auslaufenden Vertrag zu verlängern.

Welche Ziele verfolgen Sie grundsätzlich als Trainer?

Seitz: Derzeit ist Viktoria Aschaffenburg die optimale Trainerstation für mich. Fakt ist aber auch, dass ich nicht für immer Trainer in der Regionalliga bleiben möchte. Mein Anspruch ist es, irgendwann im Profibereich zu arbeiten. Daher habe ich mich auch für die Ausbildung zum Fußball-Lehrer beworben.

Ihr Ex-Klub Schalke 04 sucht noch einen Trainer für die kommende Saison. Wäre das nicht etwas für Sie?

Seitz: (lacht) Zutrauen würde ich mir eine solche Herausforderung mit der Erfahrung aus meiner aktiven Zeit als Profi. Bis ich aber für einen solchen Posten in Frage komme, ist es noch ein langer Weg. Erst einmal hoffe ich, dass ich möglichst schon in diesem Jahr mit dem Lehrgang zur Fußball-Lehrer-Lizenz beginnen kann. Hauptsächlich geht es aber gerade erst einmal darum, Viktoria Aschaffenburg zum Klassenverbleib zu führen.

Wie bewerten Sie aus der Entfernung die prekäre Lage beim abstiegsgefährdeten FC Schalke 04?

Seitz: Ich weiß es aus eigener Erfahrung. Gerade auf Schalke ist es schwierig, sich aus einer solchen Krise zu befreien. Die Erwartungen sind riesig, der Druck ist immens. Damit kommt nicht jeder Spieler zurecht. Auch Bundesligaprofis haben Gefühle und sind keine Maschinen. Ich bin aber davon überzeugt, dass mit Trainer Huub Stevens die Trendwende geschafft wird. Er ist erfahren genug, um zu wissen, dass in einer solchen Situation besonders der mentale Aspekt Priorität genießen sollte. Es wird viele Einzelgespräche geben, um den Spielern neues Selbstvertrauen einzuflößen. Eine Bundesliga ohne Schalke 04? Das ist für mich schwer vorstellbar.

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BFV-Interview: Christian Knoth/mspw

 
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