In der Bayernliga Süd lag Spitzenreiter FC Pipinsried gegen den SV Kirchanschöring bis zur 85. Minute 1:2 zurück. Nach dem Ausgleich schlug die große Stunde von Florian Gebert, der in nur fünf Minuten (87./89./90.+2) einen Hattrick zum 5:2-Endstand erzielte. Im Interview mit dem Bayerischen Fußball-Verband (BFV) spricht der 25 Jahre alte Angreifer, der als Industriemechaniker tätig ist, auch über seine Zeit beim FC Augsburg.
Sie hatten im Heimspiel gegen den SV Kirchanschöring einen Sahnetag, erzielten einen Hattrick innerhalb von nur fünf Minuten. Wie haben Sie selbst die Situation erlebt, Herr Gebert?
Florian Gebert: Wenn wir ehrlich sind, hätte die Partie gut und gerne auch in die andere Richtung laufen können. Ich hatte vor meinem Hattrick noch eine gute Chance liegengelassen. Nach dem ersten Tor ist jedoch der Knoten geplatzt. Ich konnte gar nicht so schnell begreifen, wie ich meine nächsten beiden Treffer erzielt habe. Erst mit dem Schlusspfiff habe ich realisiert, was mir gelungen war.
War aus Ihrer Sicht ein besonders sehenswerter Treffer dabei?
Gebert: Ich habe bei meinem zweiten Tor den Ball mit vollem Risiko volley genommen und mit meinem schwächeren linken Fuß versenkt.
Haben Sie so etwas schon einmal erlebt?
Gebert: Bei meinem Heimatverein TSV Bobingen habe ich in der Bezirksliga an meinen 21. Geburtstag als Einwechselspieler schon einmal drei Tore in 15 Minuten geschafft. (lacht) Das war diesmal aber schon eine andere Hausnummer.
Wie fielen die Reaktionen nach dem Spiel in Ihrem Umfeld aus?
Gebert: Keiner im Team hatte damit gerechnet. Alle haben mich nach dem Spiel gefragt, was mit mir in den letzten fünf Minuten los war. (lacht) Auch einige ältere Fans sagten, dass sie so etwas noch nicht erlebt hatten. Nach dem Spiel war ich bei einer Geburtstagsfeier. Auch dort bin ich von Freunden permanent auf meinen Hattrick angesprochen worden.
Sie führen jetzt mit zehn Treffern die Torschützenliste der Liga an. Wie viele Treffer trauen Sie sich in dieser Saison zu?
Gebert: In der zurückliegenden Saison waren mir insgesamt zehn Treffer gelungen. Diese Quote habe ich jetzt schon erreicht. Tatsächlich habe ich bislang aber noch keine Torvorlage beigesteuert, was ich unbedingt ändern möchte. Wenn ich bis zum Saisonende meine Scorerwerte auf 20 Torbeteiligungen steigern kann, wäre ich sehr zufrieden.
Wo sehen Ihre besonderen Stärken?
Gebert: Ich bin mit viel Tempo unterwegs. Vor dem Tor bin ich relativ cool und nutze meine Chancen. Auch wenn mir noch kein Assist gelungen ist, spiele ich sehr mannschaftsdienlich.
Sie wurden beim TSV Bobingen ausgebildet, wechselten 2023 in die Regionalliga Bayern zum FC Augsburg II. Wie schwer ist Ihnen die Umstellung gefallen?
Gebert: Der Schritt von der Bezirks- in die Regionalliga war extrem. Beim TSV hatte ich zuvor zweimal pro Woche Training, beim FCA waren es sechs Einheiten unter Profibedingungen. In meiner letzten Saison beim TSV Bobingen sind wir aufgestiegen. Dort habe ich noch das erste Landesligaspiel mitgemacht, bevor ich zum FCA gewechselt bin. Wegen der fehlenden Vorbereitung war es zunächst schwer für mich, dort Fuß zu fassen. Mein damaliger FCA-Trainer Tobias Strobl, der jetzt für den VfL Wolfsburg in der 2. Bundesliga tätig ist, hat mich aber sehr unterstützt.
Wie sehr schlummert in Ihnen noch der Traum von einer Profikarriere?
Gebert: Der FC Augsburg ist mein Lieblingsverein und ich war unglaublich stolz, dort spielen zu dürfen. Als Kind war es immer mein Traum, Fußballprofi zu werden. Ich bin jedoch Realist, habe damit mehr oder weniger abgeschlossen.
Was war der bisherige Höhepunkt Ihrer Karriere?
Gebert: Abgesehen von meinem Fünf-Minuten-Hattrick erinnere ich mich gerne an mein erstes Spiel für den FC Augsburg im alten Rosenaustadion. Dort bin ich als Kind hingegangen um mir die FCA-Spiele anzuschauen. Der Aufstieg mit meinem Heimatverein TSV Bobingen in die Landesliga werde ich aber auch nicht so schnell vergessen.
Der FC Pipinsried stellt in dieser Saison mit 34 Treffern auch die torhungrigste Angriffsreihe. Was kann man vom FCP in dieser Spielzeit noch erwarten?
Gebert: Ich hoffe, dass wir unseren guten Lauf fortsetzen können. Wir wollen bis zur Winterpause möglichst unsere Tabellenführung verteidigen. Wenn uns das gelingen sollte, können wir im letzten Drittel der Saison über andere Ziele reden.
BFV-Autor: Peter Haidinger/MSPW