Wo sind unsere Nationalspieler eigentlich groß geworden? Wo haben sie ihre ersten fußballerischen Schritte gemacht? Klar, im Fußballverein um die Ecke! Anlässlich der Weltmeisterschaft in den USA, Kanada und Mexiko (11. Juni bis 19. Juli 2026) stellen wir die Heimatvereine der deutschen Nationalspieler aus dem Freistaat vor. Heute: Mittelfeldspieler Angelo Stiller und der TSV München-Milbertshofen.
Tobias Pollinger kann sich noch sehr gut an die Anfänge von Angelo Stiller erinnern. "Schon während seiner Kindheit war er viel weiter als seine Mitspieler und hat Dinge auf dem Platz gesehen, die andere nicht gesehen haben", sagt der 60 Jahre alte Abteilungsleiter und langjährige Jugendleiter des TSV München-Milbertshofen über den Mittelfeldspieler des VfB Stuttgart, der erstmals an einer WM teilnimmt.
Stiller startete einst beim TSV im Münchner Norden, dessen Heimspielstätte sich ganz in Sichtweite des Olympiastadions befindet, in dem unter anderem auch 1974 das Finale der Fußball-Weltmeisterschaft in Deutschland ausgetragen worden war. "Angelo war und ist Fußballer mit Leib und Seele. Er hat nie ein Training ausfallen lassen, auch wenn die Oma Geburtstag hatte", sagt Pollinger mit einem Augenzwinkern: "Grundsätzlich kommt Angelo aus einer total fußballverrückten Familie."
Als kleiner Junge begann Angelo Stiller mit dem Vereinsfußball, wurde in der G-Jugend von Milbertshofen zunächst von seinem Vater Matthias trainiert. Sein zweieinhalb Jahre älterer Bruder Marco spielte bis vor zwei Jahren noch für die erste Mannschaft des Klubs, die in der in der Kreisklasse zu Hause ist. "Während seiner Zeit bei den Bayern-Amateuren war Angelo noch regelmäßig bei uns auf der Sportanlage, hatte seinem Bruder zugeschaut. Jetzt hat er seinen Lebensmittelpunkt in Stuttgart, kann deshalb nicht mehr so oft zu uns kommen", sagt Pollinger.
Schon früh hatte Angelo Stiller wegen seines großen Talents das Interesse des FC Bayern München geweckt, sagte aber beim ersten Versuch des Rekordmeisters ab, weil er lieber bei seinen Freunden in Milbertshofen bleiben wollte. Insgesamt drei Jahre war Angelo im TSV-Nachwuchsbereich aktiv, bis er sich als U11-Spieler entschloss, doch den Weg an die Säbener Straße einzuschlagen.
Das Aushängeschild des bodenständigen Amateurvereins TSV München-Milbertshofen ist zweifelsohne die starke Nachwuchsarbeit, bei der alle Altersklassen vertreten sind. Von den Fünfjährigen bis zu den A-Junioren stellt der Verein insgesamt 18 Nachwuchsteams, darunter auch eine U15- und eine U17-Mädchenmannschaft. Die U13-Junioren spielen bereits in der der höchsten Bezirksoberliga, die U15 sogar in der Regionalliga.
Der Verein gibt fast in jedem Jahr regelmäßig sieben bis acht Spieler aus der U15 in die umliegenden Nachwuchsleistungszentren (NLZ) ab. "Viele unsere Jungs setzen ihre fußballerische Ausbildung beim FC Bayern, FC Augsburg, 1. FC Nürnberg, SpVgg Greuther Fürth, TSV 1860 München oder bei der SpVgg Unterhaching fort", sagt Pollinger voller Stolz.
Die positive Entwicklung von WM-Fahrer Angelo Stiller ist beim TSV München-Milbertshofen daher auch kein Einzelfall. Die etwas älteren Fußballfans können sicherlich noch etwas mit dem Namen Thomas Kastenmaier anfangen. Der heute 59-Jährige wurde mit dem FC Bayern München 1889/1990 Deutscher Meister und nach seinem Wechsel zu Borussia Mönchengladbach 1994/1995 DFB-Pokalsieger mit den "Fohlen", absolvierte insgesamt 191 Bundesligaspiele (41 Tore). Auch Kastenmaier hatte seine ersten Schritte beim TSV München-Milbertshofen gemacht. Einen ähnlichen Weg schlug auch Volkan Yaman (43) ein. Der ehemalige türkische A-Nationalspieler wurde ebenfalls in der Nachwuchsabteilung des TSV ausgebildet.
Defensivspieler David Santos Daiber (19), U19 Nationalspieler von Portugal, wechselte 2016 vom TSV München-Milbertshofen zum FC Bayern, sammelte beim Rekordmeister unter anderem im Auswärtsspiel beim 1. FC Heidenheim (4:0) und zu Hause gegen Borussia Mönchengladbach (4:1) erste Spielpraxis in der Bundesliga.
Dazu ist neben Angelo Stiller sogar noch ein weiterer ehemaliger Nachwuchsspieler des TSV München-Milbertshofen bei der Weltmeisterschaft in den USA, Kanada und Mexiko dabei. Der erst 19 Jahre alte Mittelfeldspieler Jussef Nasrawe (19) hat sich mit der Nationalmannschaft des Irak für das größte Fußballereignis der Welt qualifiziert.
Autor: Peter Haidinger/MSPW