Wie können Kinder bestmöglich gefördert, Trainerinnen und Trainer langfristig gebunden und der Spielbetrieb zukunftsfähig gestaltet werden? Mit diesen und weiteren Fragen beschäftigte sich der Vereinsdialog des Bayerischen Fußball-Verbandes (BFV) beim TSV Feucht. Vertreterinnen und Vertreter des Verbandes sowie Verantwortliche des Vereins tauschten sich dabei offen und konstruktiv über aktuelle Themen der Vereinsarbeit aus.
Für den TSV Feucht nahmen Trainer Wolfgang Schoderer, Jan Völkel (Teammanager der ersten Mannschaft), Fußball-Abteilungsleiter Martin Grünbeck sowie U19-Trainer Uwe Fein am Gespräch teil. Den BFV vertraten unter anderem Vizepräsidentin Inge Pirner, Geschäftsführer Jürgen Igelspacher, Nils Schumacher als Projektmanager der Kampagne „Pro Amateurfußball“ sowie die Bezirks- und Kreis-Vorsitzenden Uwe Mauckner und Tanja Fascella.
Ein Schwerpunkt des Austauschs war der Zwillingsspielbetrieb im Nachwuchsbereich. Die Verantwortlichen des TSV Feucht bewerteten das Modell ausdrücklich positiv. Dieses ermöglicht es, Kinder entsprechend ihres aktuellen Leistungsstands einzusetzen und ihnen regelmäßige Spielzeit auf einem passenden Niveau zu geben.
Gerade Spielerinnen und Spieler, die in größeren Mannschaften weniger Einsatzzeiten erhalten würden, profitieren von diesem Ansatz. Mehr Ballkontakte, häufigere Erfolgserlebnisse und eine individuelle Förderung tragen aus Sicht des Vereins dazu bei, die Freude am Fußball zu steigern und Kinder langfristig an den Sport zu binden.
„Der Vereinsdialog auf Augenhöhe beim TSV Feucht hat viele Themen aufgezeigt, die teils individuell, aber teils auch strukturell für viele Vereine sind, etwa die mittlerweile oftmals problematische ehrenamtliche Unterstützung im Bereich der Verwaltung oder der Platzpflege. Die herausragende Jugendarbeit stellt einen Verein wie den TSV vor Herausforderungen, wenn es beispielsweise um die Trainergewinnung geht. Der BFV kann mit seinen Formaten wie der Vereinsberatung oder den Ehrenamtstreffs mögliche Lösungen aufzeigen, was auch in diesem Dialog deutlich wurde“, erklärte BFV-Vizepräsidentin Inge Pirner.
Kontrovers diskutiert wurde die Entwicklung der Junioren-Förder-Gemeinschaften (JFG). Beim TSV Feucht besteht teilweise die Sorge, dass solche Zusammenschlüsse dazu genutzt werden könnten, möglichst viele talentierte Nachwuchsspielerinnen und Nachwuchsspieler an einzelnen Standorten zu bündeln. Kleinere Vereine stünden dadurch vor der Herausforderung, genügend Spielerinnen und Spieler für eigene Jugendmannschaften zu gewinnen. Gleichzeitig wurde darauf hingewiesen, dass die Einflussmöglichkeiten des Verbandes in diesem Bereich begrenzt sind. Zudem zeigen aktuelle Entwicklungen, dass die Zahl der JFGs inzwischen rückläufig ist.
Auch die Finanzierung des Spielbetriebs und die Kommunikation von Mitgliedsbeiträgen waren Thema des Dialogs. Einigkeit bestand darin, dass notwendige Beitragserhöhungen für Mitglieder und Eltern nachvollziehbar erklärt werden müssen.
Eine transparente Darstellung der tatsächlichen Kosten für Training, Betreuung und Infrastruktur könne dabei helfen, das Verständnis für Vereinsbeiträge zu stärken. Gleichzeitig sei wichtig, zusätzliche Einnahmen mit einem klaren Leistungsversprechen zu verbinden. Beim TSV Feucht könnte dies insbesondere durch Investitionen in die Aus- und Fortbildung von Trainerinnen und Trainern sichtbar werden.
„Der Vereinsdialog mit dem BFV war für den TSV 1904 Feucht ein sehr konstruktiver und offener Austausch auf Augenhöhe. Gemeinsam wurden aktuelle Themen wie neue Spielformen, das Zwillingsfeld, die Entwicklungsligen sowie die Gewinnung und Bindung von Trainerinnen und Trainern intensiv diskutiert. Besonders wertvoll waren die praxisnahen Anregungen und der Erfahrungsaustausch, aus denen wir viele Impulse für die Weiterentwicklung unserer Fußballabteilung mitnehmen konnten. Diese gilt es nun anzugehen. Wir bedanken uns beim BFV für den gelungenen Dialog und hoffen, die eine oder andere Anregung der Basis mit nach München gegeben zu haben“, sagte Martin Grünbeck, Fußball-Abteilungsleiter des TSV Feucht.
Ein weiterer Diskussionspunkt war die Terminierung des Spielbetriebs im Herrenbereich. Dabei wurde die Möglichkeit eines späteren Saisonstarts erörtert. Ein Beginn nach dem August könnte den Vereinen während der Haupturlaubszeit entgegenkommen. Gleichzeitig bestand Einigkeit darüber, dass ein späterer Start nur dann sinnvoll ist, wenn die Saison dennoch rechtzeitig abgeschlossen werden kann und ausreichend Zeit für Relegationsspiele bleibt. Spielverlegungen sollen weiterhin möglich sein, müssen jedoch frühzeitig und in Abstimmung mit den anderen Vereinen der Liga erfolgen. Oberstes Ziel bleibt ein sportlich fairer und termingerechter Abschluss aller Wettbewerbe.
Der Vereinsdialog in Feucht machte erneut deutlich, wie wichtig der direkte Austausch zwischen Vereinen und Verband ist. Die BFV-Vereinsdialoge sind Teil der Kampagne „Pro Amateurfußball“ und bieten Vereinen die Möglichkeit, aktuelle Herausforderungen offen anzusprechen und gemeinsam mit den Spitzenvertreterinnen und Spitzenvertretern des Verbandes praxisnahe Lösungsansätze zu entwickeln. Durch den persönlichen Austausch vor Ort sollen Anliegen der Basis unmittelbar in die Verbandsarbeit einfließen.