Wo sind unsere Nationalspieler eigentlich groß geworden? Wo haben sie ihre ersten fußballerischen Schritte gemacht? Klar, im Fußballverein um die Ecke! Anlässlich der Weltmeisterschaft in den USA, Kanada und Mexiko (11. Juni bis 19. Juli 2026) stellen wir die Heimatvereine der deutschen Nationalspieler aus dem Freistaat vor. Heute: Linksverteidiger Nathaniel Brown und der TSV Kümmersbruck.
In den USA, dem Heimatland seines Vaters, will Nathaniel Brown (21) mit der deutschen Nationalmannschaft bei der WM 2026 für Furore sorgen. Seine fußballerischen Anfänge erlebte der laufstarke Linksverteidiger dagegen in der Oberpfalz. Nach seiner Geburt in Amberg wuchs der aktuelle Nationalspieler in der nur etwa fünf Kilometer entfernten 10.000-Einwohner-Gemeinde Kümmersbruck auf und begann bereits im Alter von fünf Jahren beim dortigen TSV mit dem Fußball.
"Er wurde schon damals von allen nur 'Nene' gerufen", sagt Klaus Backes (69), der sich bereits seit 31 Jahren für den Amateurklub engagiert und seit fünf Jahren als 1. Vorstand an der Vereinsspitze steht.
Schon im Nachwuchsbereich des TSV Kümmersbruck stach "Nene" Brown, damals noch oft als Stürmer aufgeboten, mit seiner Geschwindigkeit, seinem guten linken Fuß und seinen technischen Qualitäten heraus. "Bei jedem Turnier hat er mit seiner Spielweise geglänzt, aber auch mit seinem kämpferischen Einsatz überzeugt", so Backes. Das hinterließ schon früh jede Menge Eindruck. In einem Zeitungsartikel aus dieser Zeit wurde der hochtalentierte Nachwuchskicker sogar einmal als "Schreck aus Kümmersbruck" bezeichnet.
Im Sommer 2012 machte Brown mit dem Wechsel ins Nachwuchsleistungszentrum des aktuellen Drittligisten SSV Jahn Regensburg den ersten Schritt in Richtung Profifußball. Auch beim nächsten Vereinswechsel blieb er in der erweiterten Umgebung. Beim 1. FC Nürnberg durchlief "Nene" ab 2016 die unterschiedlichen Nachwuchsteams. Am Valznerweiher arbeitete er sich kontinuierlich nach oben. Dabei setzte Brown aber keineswegs nur auf den Fußball. In einem Fitnessstudio in Kümmersbruck, in der seine Mutter nach wie vor zu Hause ist, absolvierte er parallel eine Ausbildung. Auch sonst blieb er stets bodenständig, trifft sich noch heute regelmäßig mit seinen Kumpels aus der Jugendzeit. Mit Michael Krell kickt sogar ein früherer Mitspieler jetzt für die erste Mannschaft des TSV Kümmersbruck in der Kreisklasse Amberg/Weiden Süd.
Seinen ersten Einsatz für die Profis des 1. FC Nürnberg verzeichnete der Linksfuß im März 2023. Schon kurz darauf durfte er sich regelmäßig von Beginn an in der 2. Bundesliga zeigen. Das sollte sich auch für seinen Heimatklub lohnen. Für die vier Jahre, die Brown als Jugendkicker für den TSV Kümmersbruck am Ball, durfte sich der Verein über eine Ausbildungshonorierung von DFL und DFB in Höhe von rund 25.000 Euro freuen. "Das Geld konnten wir als kleiner Verein natürlich sehr gut gebrauchen", so Klaus Backes.
Nur ein halbes Jahr nach seinem Profidebüt folgte für Brown bereits die erste Nominierung für die U21-Nationalmannschaft des DFB. Auch im Auswahlteam fasste er schnell Fuß und wurde Stammspieler. So war er auch 2025 bei der U21-Europameisterschaft dabei, als die deutsche Mannschaft erst im Finale gegen England (2:3 nach Verlängerung) unterlag.
Zu diesem Zeitpunkt war Nathaniel Brown bereits Spieler von Eintracht Frankfurt. Der Bundesligist hatte sich im Januar 2024 die Dienste des Linksverteidigers gesichert, ihn aber zunächst noch bis zum Saisonende an seinen vorherigen Klub 1. FC Nürnberg verliehen.
In Frankfurt war für Brown zunächst Geduld gefragt. Seinen ersten Einsatz für die Eintracht verzeichnete er zwar gleich in der ersten Runde des DFB-Pokals (4:1 bei Eintracht Braunschweig). In der Bundesliga musste er aber bis Ende Oktober auf sein Debüt warten. Seitdem kamen 58 weitere Begegnungen in der Bundesliga hinzu. Schnell wurde er zu einem Leistungsträger, lediglich zwei Partien verpasste er jeweils krankheitsbedingt.
Auch im DFB-Team von Bundestrainer Julian Nagelsmann ist "Nene" Brown auf einem guten Weg, eine feste Größe zu werden. In den Testspielen gegen Finnland (4:0) und die USA (2:1) gehörte er jeweils zur Startformation. Für Klaus Backes kommt diese positive Entwicklung nicht überraschend. "Neben seinem großen Talent war Nene immer schon sehr diszipliniert und ehrgeizig", so der TSV-Vorstand: "Er hat es sich mit seinen Leistungen absolut verdient, auch in der Nationalmannschaft aufzulaufen."
Mitglieder und Anhänger des TSV Kümmersbruck werden in den nächsten Wochen die WM-Spiele auf einer Großbildleinwand im Vereinsheim besonders aufmerksam verfolgen und ihrem "Nene" ganz besonders die Daumen drücken. "Dass unser Verein erstmals in seiner Geschichte einen Nationalspieler und WM-Teilnehmer hervorgebracht hat, ist für uns alle etwas ganz Besonderes", betont Klaus Backes.
Autor: Ralf Debat/MSPW