15 Länderspiele, EM-Teilnahme 2021, mehr als 500 Einsätze im Profifußball: Das sind nur einige Zahlen aus der Vita von Kevin Volland. Nach seiner jüngsten Station beim TSV 1860 München, die mit dem Zwangsabstieg aus der 3. Liga in die Regionalliga Bayern endete, zog der 33 Jahre alte Angreifer nun einen Schlussstrich unter seine Profikarriere.
Stattdessen lässt Volland seine Laufbahn im Amateurfußball ausklingen und kehrt dafür zu seinen Wurzeln zurück. Er schloss sich seinem Heimatverein FC Thalhofen in der Bezirksliga Schwaben Süd an, will künftig mehr Zeit mit seiner Familie und Freunden genießen.
"Kevin ist sehr heimatverbunden, lebt direkt im Ort und kann praktisch zum Training radeln", sagt Thalhofens Sportlicher Leiter Marco Steinhauser im Gespräch mit BFV.de. "Kevin hat keine Starallüren, ist ein sehr bodenständiger Typ, war auch während seiner Zeit als Fußballprofi sehr oft bei uns auf der Platzanlage. Daher kennt er die meisten Leute beim FC Thalhofen seit Jahren." Der Wechsel zu seinem Heimatverein habe eine Rieseneuphorie ausgelöst, "die wir hoffentlich mit in die Meisterschaft transportieren können", sagt der 34-Jahre alte Sportchef, der im Berufsleben als Betriebswirt tätig ist.
Der Anfang konnte sich auf jeden Fall schon einmal sehen lassen. Im Testspiel gegen die Spielgemeinschaft Betzigau/Wildpoldsried (6:2) gelang dem gebürtigen Marktoberdorfer Kevin Volland mit dem Treffer zum zwischenzeitlichen 1:1-Ausgleich ein Einstand nach Maß beim FC Thalhofen, der in der abgelaufenen Saison den vierten Tabellenplatz belegt hatte.
Auch beim ersten Pflichtspiel im bayerischen Verbandspokal gegen den Regionalligisten FC Memmingen stand Volland in der Startformation, konnte jedoch die standesgemäße 0:6-Heimniederlage gegen den haushohen Favoriten auch nicht verhindern. Sein erstes Meisterschaftsspiel könnte der technisch beschlagene Offensivspieler am Samstag, 25. Juli, gegen den Landesliga-Absteiger SSV Niedersonthofen absolvieren.
Für den FC Thalhofen war der Ex-Nationalspieler als Kind bis zum Alter von 13 Jahren am Ball, ehe er nach nahegelegenen Stationen beim FC Memmingen und bei der TSG Thannhausen schließlich bei den Münchner "Löwen" ausgebildet wurde und auch den Sprung in den Profibereich schaffte.
Der Linksfuß, der allein in der Bundesliga für die TSG Hoffenheim, Bayer 04 Leverkusen und den 1. FC Union Berlin 277 Partien bestritt und 80 Tore erzielte sowie im Ausland drei Jahre lang für den französischen Topverein AS Monaco (115/39) kickte, hat seine ländliche Heimat im Ostallgäu nie vergessen.
Auch das gesamte familiäre Umfeld von Kevin Volland ist eng mit dem FC Thalhofen verbunden. "Stiefvater" Rajko Lätzig, der Lebensgefährte von Kevin Vollands Mutter, ist seit mehr als zehn Jahren 1. Vorsitzender des Klubs. Zum 75-jährigen Vereinsjubiläum wurde Kevin Vollands Großvater Werner Sandner 2023 zum Ehrenmitglied ernannt. Neben Kevins jüngerem Bruder Robin Volland (32) spielen auch seine beiden Cousins Nico Beutel (29) und Patrick Sandner (32) für die erste Mannschaft.
Sportlich läuft es für den Klub schon seit einigen Jahren gut. Durch die Erfolge im Herrenbereich konnte der FC Thalhofen auch eine hohe Anzahl an Jugendlichen dazugewinnen, die später ihr Können im Seniorenbereich zeigen wollen. "Wir haben in den zurückliegenden Jahren den Spagat zwischen einem Dorfklub und ambitioniertem Fußball ganz gut hinbekommen", meint der Sportliche Leiter Marco Steinhauser, der als Spieler selbst zweimal ganz knapp den Aufstieg in die Landesliga verpasste.
In der Bezirksliga Schwaben Süd steigt der Tabellenerste direkt in die Landesliga auf, der Tabellenzweite nimmt an der Relegation teil. "Vor drei Jahren sind wir in der ersten Runde gegen den FC Stätzling weitergekommen, hatten anschließend jedoch beide Spiele gegen den FV Illertissen II verloren", erinnert sich Steinhauser. Im folgenden Jahr scheiterte Thalhofen erst im Elfmeterschießen am SC Olching. Ganz nach dem Sprichwort "Aller guten Dinge sind drei" soll es mit der Unterstützung von Kevin Volland im dritten Anlauf klappen. "Mittelfristig peilen wir den Aufstieg in die Landesliga an", so Steinhauser.
Auch für den FC Thalhofen wird Kevin Volland übrigens mit der Rückennummer "31" auflaufen, die er auch bei all seinen Stationen auf nationaler und internationaler Bühne getragen hatte. Die Vorfreude auf sein Punktspieldebüt ist riesengroß. "Obwohl wir Kevin seit seiner Kindheit kennen, ist es immer noch ein wenig surreal, dass wir nun mit einem ehemaligen Nationalspieler die Kabine teilen", schwärmt Marco Steinhauser. "Für uns alle ist es ein Wechselbad der Gefühle und etwas ganz Besonderes. Das gesamte Umfeld des Vereins freut sich über seine Rückkehr."
Nach dem ersten Meisterschaftsspiel gegen Niedersonthofen wird es am Sonntag auch ein Einstandsfest für die Zugänge des Vereins geben. "Dann müssen die neuen Jungs jede Menge Kaltgetränke spendieren und einige Trinkspiele über sich ergehen lassen", verrät der Sportliche Leiter. Spätestens dann ist Kevin Volland im Amateurfußball richtig angekommen.
BFV-Autor: Peter Haidinger/MSPW