Die Siegertafel im Pokalwettbewerb des Bayerischen Fußball-Verbandes (BFV) hat eine große Lücke: Zwischen 1955 und 1997 gab es in Bayern keinen Pokalsieger – obwohl es weiterhin einen Pokalwettbewerb gab. Der Grund: In diesen 42 Jahren ging es nur um die Qualifikation für den Pokalwettbewerb des Süddeutschen Fußball-Verbandes (SFV) und – später – für den DFB-Pokal. Und dafür waren immer zwischen zwei und 12 (!) bayerische Vereine qualifiziert. Erst ab 1998 erlangte der bayerische Verbandspokal durch den Einstieg des Namensgebers Toto wachsenden Stellenwert.
Der erste Verbandspokal nach dem Zweiten Weltkrieg wurde 1946/47 ausgespielt. Wobei „Pokal“ der falsche Ausdruck ist: Einen bemalten Holzteller gab es als Trophäe zu gewinnen, denn Metall war rar und kostbar. „Holzpokal“ hieß der Wettbewerb daher im Volksmund. Die Vereine aus der Oberliga und der 2. Liga Süd kamen erstmals 1950/51 dazu. Ein Jahr später ging es erstmals um den Einzug in den wiederbelebten DFB-Pokal. Doch die Erst- und Zweitligisten stiegen gleich auf der SFV-Ebene ein. Auf dem Verbandstag 1955 ging sogar der Antrag durch, den bayerischen Pokalwettbewerb abzuschaffen.
Und auch beim SFV hatte man wenig Lust auf den Pokal und seine eigenen Gesetze. 1956 nominierte der Verband kurzerhand den Titelverteidiger Karlsruher SC für den DFB-Pokal-Wettbewerb und konnte zwei Jahre später nur auf sanften Druck des DFB dazu bewegt werden, wieder einen eigenen Pokalwettbewerb zu veranstalten. Der DFB-Pokal-Wettbewerb selbst bestand in diesen Jahren nur aus der Endrunde der fünf Sieger aus den Regionalverbänden.
Für den SFV-Pokal waren erst neun Vereine aus Bayern qualifiziert, nach Gründung der Bundesliga zur Saison 1963/64 waren es fünf, die unter den sieben Bezirks-Pokalsiegern ausgespielt wurden. Sobald diese ermittelt waren, war der Wettbewerb zu Ende, an ein Pokalfinale dachte niemand. 1973/74 wurde der SFV-Pokal zum letzten Mal ausgespielt, von da an stiegen die fünf bayerischen Vertreter direkt in den DFB-Pokal-Wettbewerb auf. Als der 1978 auf 128 Teilnehmer aufgebläht wurde, waren zwölf Amateurvereine aus Bayern dabei. Bis 1993 sank die Zahl auf zwei.
Einen Pokalsieger gab es erst 1998 wieder: Der damalige Bezirksoberligist SV Schalding-Heining gewann den ersten „Toto-Pokal“. Als dessen „Vater“ gilt der langjährige BFV-Geschäftsführer Willy Küffner. Für mehr Spannung sorgte ab der Saison 1998/99 an eine Neuregelung: Nun war bei einem Unentschieden nicht mehr die klassentiefere Mannschaft weiter oder – innerhalb der gleichen Klasse – der Gast. Nach 90 Minuten ging es nun direkt ins Elfmeterschießen. Diese Regel gilt bis heute.
Doch den Durchbruch brachte erst die Saison 2009/10. Nun qualifizierten sich alle 24 (heute 22) Kreis-Pokalsieger direkt für den Toto-Pokal-Wettbewerb auf Verbandsebene. Bayern- und Landesligisten müssen sich dorthin in einer eigenen Qualifikation durchkämpfen. Der Clou: Die Kreispokalsieger dürfen sich in der Auslosungszeremonie einen der „Großen“ auswählen, bis 2018 innerhalb ihrer Region, seit 2019 bayernweit, so dass auch Ober- oder Unterfranken in den Genuss eines Duells mit einem bayerischen Profiklub kommen können. „Darauf bin ich richtig stolz. Das war meine Erfindung“, erinnert sich der langjährige BFV-Präsident und heutige Ehrenpräsident Rainer Koch. Der bayerische Toto-Pokal-Sieger qualifiziert sich für den DFB-Pokal, der zweite bayerische Startplatz geht an den Amateurmeister aus der Regionalliga Baydern. Und seit 2025 gibt es endlich auch einen richtigen Wanderpokal für den Sieger, mit allen Namen der Pokalsieger – und viel Platz für weitere Sieger.