Der 1. FC Passau 1911 e.V. zählt zu den frühen Vorreitern in der schulischen Ganztagsbetreuung. Bereits im Jahr 2001 erkannte Jugendtrainer und Vereinsmitglied Hans-Jürgen Ueberschaar den wachsenden Bedarf an verlässlicher Hausaufgabenbetreuung und sinnvoller Freizeitgestaltung am Nachmittag. In enger Abstimmung mit dem städtischen Jugendamt und dem Kultusministerium startete der Verein zum Schuljahr 2001/2002 eine „Mittags- und Nachmittagsbetreuung“ mit sportlichem Schwerpunkt – damals mit rund 30 Kindern.
Mit der Neuregelung des Ganztags 2009 suchte der 1. FC Passau erneut aktiv den Schulterschluss mit einer Bildungseinrichtung und wurde Kooperationspartner der damaligen Staatlichen Realschule Passau (heute Dreiflüsse-Realschule). In dieser Zeit wurden eine neue Mensa, weitere Betreuungsräume sowie ein Soccer Court geschaffen. Heute betreut der Verein dort täglich über 100 Schülerinnen und Schüler im offenen Ganztag.
Das Beispiel des 1. FC Passau zeigt: Sportvereine können starke und verlässliche Partner im Ganztag sein – zum Nutzen von Schulen, Eltern und vor allem der Kinder.
Im Schuljahr 2025/26 nehmen 111 Schülerinnen und Schüler der Jahrgangsstufen 5 bis 10 an der offenen Ganztagsschule (OGTS) der Dreiflüsse-Realschule teil – das entspricht rund 20 Prozent der gesamten Schülerschaft.
Die Mittagsverpflegung erfolgt in der schuleigenen Mensa „kostbar“ durch einen externen Caterer. Ausgabe, Essensabläufe und Tischregeln werden vom OGTS-Team begleitet, ebenso die anschließende Bewegungspause.
Aufgrund der teils weiten Schulwege und weiterer Vereinstrainings endet der Ganztag für die meisten Kinder gegen 15.30 Uhr, das offizielle Betreuungsende ist um 16 Uhr.
Die Finanzierung der offenen Ganztagsschule ist landesweit geregelt und bietet Vereinen eine verlässliche Grundlage. Das Bayerische Staatsministerium für Unterricht und Kultus stellt über die jeweilige Bezirksregierung für jede Betreuungsgruppe ein fest definiertes Jahresbudget zur Verfügung. Außerdem ist der Sachaufwandsträger – in diesem Fall die Stadt Passau – zur Mitfinanzierung verpflichtet.
Diese staatlichen Mittel sind zweckgebunden und dienen ausschließlich der Finanzierung des Personals. Für zusätzliche Sachkosten (z. B. Material, Ausstattung) muss pro Gruppe und Schuljahr ein weiterer Betrag beantragt werden, der allerdings auch vom Sachaufwandsträger getragen wird.
Da die Rahmenbedingungen regelmäßig angepasst und je nach Schulart unterschiedlich sind, empfiehlt sich ein Blick auf die aktuellen Informationen des Kultusministeriums Bayern.
Wichtig für Vereine: Die Abwicklung und Buchhaltung erfolgen zwar auf dem Papier über den Verein als Kooperationspartner, sind jedoch strikt von den eigentlichen Vereinsfinanzen getrennt. Dadurch entstehen weder finanzielle Risiken noch eine Vermischung von Haushaltsmitteln.
Gerade im Bereich Personal zeigt sich der Mehrwert einer Kooperation mit einem Sportverein. Wie auch die Schulleitung der Dreiflüsse-Realschule betont, profitiert das Ganztagsangebot in Passau von der starken Vereinsstruktur des 1. FC Passau – ergänzt durch den Universitätsstandort.
Die Gesamtverantwortung für die offene Ganztagsschule liegt formal bei der Schulleitung. Der Kooperationspartner benennt zusätzlich eine pädagogisch qualifizierte Person als Ganztagskoordinatorin bzw. Ganztagskoordinator, die oder der für Organisation und Umsetzung des täglichen Betriebs verantwortlich ist. Diese Voraussetzung wird derzeit über eine langjährige Mitarbeiterin erfüllt, die sich aktuell entsprechend weiterqualifiziert.
Etwaige Fort- und Weiterbildungen findet man auf der Seite des BLSV.
Zentral für den Erfolg sind:
Die größte Herausforderung für die Planung der Kooperation mit einer Schule sind die rechtlichen Bestimmungen des Freistaates Bayern, die im Vorfeld unbedingt in die Überlegungen einfließen sollten.
Pädagogische Anforderungen:
Organisatorische Anforderungen:
Wieder einmal zeigt sich auch hier der Vorteil eines starken Sportvereins: Als im Schuljahr 2024/25 kurzfristig zusätzliche Anmeldungen eingingen, konnte durch vereinsinterne Netzwerke schnell und flexibel zusätzliches Personal aktiviert werden.
Nach über zwei Jahrzehnten Erfahrung hat sich bewährt, Herausforderungen pragmatisch und auf kurzen Wegen zu lösen. Die enge, vertrauensvolle Zusammenarbeit mit Schulleitung, Kommune und zuständiger Regierungsebene erweist sich dabei als entscheidender Erfolgsfaktor – und macht die Kooperation auch langfristig tragfähig.
Die teilnehmenden Schülerinnen und Schüler sind während des offenen Ganztags vollständig über die Schule gesetzlich versichert.
Für den kooperierenden Sportverein ist der Abschluss einer Haftpflichtversicherung verpflichtend. Diese deckt die Tätigkeiten im Rahmen der Ganztagsbetreuung ab und stellt sicher, dass für den Verein kein zusätzliches Risiko entsteht.
Der Start des 1. FC Passau in die Ganztagsbetreuung im Jahr 2001 war ein viel beachtetes Pionierprojekt (z.B. durch die Egidius-Braun-Stiftung, Eurocard, Staats- und Bezirksregierung, Schulämter, Medien und 2011 Preis der Deutschen Bahn).
Wer sich engagiert, bringt Bewegung, Werte und Vereinsleben in den Schulalltag ein und schafft langfristige Bindungen zu Kindern und Jugendlichen.
Die Kooperation von Schule und Sportverein ist aus der Erfahrung des 1. FC Passau für beide Seiten klar gewinnbringend – fachlich, gesellschaftlich und in der öffentlichen Wahrnehmung. Ein sportliches Ganztagsangebot stärkt das Vereinsprofil, fördert den Nachwuchs und schafft nachhaltige Bindungen.
Auch wenn der Einstieg organisatorisch anspruchsvoll ist: Mit einem engagierten Umfeld bietet der Ganztag eine hervorragende Chance, den Verein weiterzuentwickeln.