Ein Fußball mit eingebauten Rasseln, Dunkelbrillen über den Augen der Spieler und lautstarke Kommandos – ein typischer Anblick auf dem Fußballplatz, zumindest wenn Blindenfußball gespielt wird. Ab dem 15. April rollt wieder der Rassel-Ball in den deutschen Großstädten: Die Blindenfußball-Bundesliga startet in die 16. Saison. Mit dabei: nach mehrjähriger Pause wieder ein bayerisches Team – der FC Ingolstadt 04.
Neben Liganeuling Ingolstadt gehen acht weitere Teams auf Torejagd: der aktuelle Deutsche Meister FC St. Pauli, Rekordchampion MTV Stuttgart, Sportfreunde Blau-Gelb Blista Marburg, Borussia Dortmund, Hertha BSC, der FC Schalke 04, die Spielgemeinschaft Fortuna Düsseldorf/PSV Köln, sowie der VSC/ABSV Wien. Der Saisonauftakt ist am 15. und 16. April in Stuttgart. Die Schanzer treffen am ersten Spieltag auf die Spielgemeinschaft Fortuna Düsseldorf/PSV Köln sowie auf Hertha BSC. In fünf Spieltagen wird der Deutsche Blindenfußballmeister ermittelt. Die Partien werden nicht nur auf den Vereinsgeländen der Gastgeber ausgetragen, sondern öffentlichkeitswirksam auch inmitten der Stadt: Auf dem Hollerplatz in Wolfsburg sowie auf dem Roncalliplatz in Köln werden in dieser Saison Spiele der Blindenfußball-Bundesliga ausgetragen.
Dass wieder ein bayerisches Team in der Blindenfußball-Bundesliga an den Start geht, ist vor allem Jan Adrian zu verdanken. „Fußball hat in meinem Leben schon immer eine große Rolle gespielt – egal, ob als Fan oder als Spieler in meinem Heimatverein. Trotz meiner Sehbehinderung wollte ich unbedingt weiterhin Fußball spielen und so bin ich auf den FC Ingolstadt zugegangen“, berichtet Jan. Dort traf er auf offene Ohren. Die Initiative des FC Ingolstadt „SchanzenGeber“ unterstützt viele soziale Projekte. Darunter fällt auch der Blindenfußball sowie das Schanzer Inklusionsteam „Elf Freunde“. „Unser Ziel ist es, jedem Menschen die Chance zu geben Fußball zu spielen. Der Spaß und das gemeinsame Erleben stehen hierbei im Vordergrund“, erklärt Alexandra Vey, CSR-Verantwortliche des FC Ingolstadt. Gestartet mit drei Spielern, entwickelte sich die Blindenfußball-Mannschaft im Laufe der Jahre zu einem vollständigen Team aus acht Akteuren und drei Trainern. Das Ziel war klar: Blindenfußball-Bundesliga spielen! Durch den Ehrgeiz der Jungs und die tatkräftige Unterstützung des FC Ingolstadt wird dieser Traum ab Samstag Wirklichkeit. Voller Vorfreude blickt Jan Adrian auf den Saisonstart: „Wir sehnen uns schon lange danach, uns mit anderen Vereinen zu messen und in einen Wettkampf miteinander zu treten. Wir freuen uns sehr, ein Teil der Blindenfußball-Bundesliga zu sein.“ Erfahrungen sammeln, als Mannschaft noch stärker zusammenwachsen und einige Siege bejubeln – diese Ziele verfolgen die Schanzer in dieser Saison. „Die gemeinsamen Reisen an den Wochenenden werden uns als Team noch enger zusammenschweißen“, erzählt Jan und ergänzt: „Natürlich wollen wir Tore schießen, viele Punkte sammeln und die Gegner ärgern. Der Spaß und die Freude stehen für uns aber erstmal im Vordergrund.“
Die Feldspieler sind blind oder haben einen geringen Sehrest. Damit alle Feldspieler die gleichen Voraussetzungen haben, müssen Dunkelbrillen getragen werden. Lediglich der Torhüter darf sehen. Der Torwart darf jedoch den kleinen Torraum nicht verlassen und nur dort den Ball aufnehmen. Eine zentrale Rolle auf dem Spielfeld spielt das spanische Wort „Voy“ („Ich komme“). Jeder Spieler, der sich dem ballführenden Akteur nähert, muss laut „Voy“ rufen. Da sich mögliche Zusammenstöße aber nicht komplett verhindern lassen, tragen alle Spieler einen Kopfschutz. Die Fußballer spielen nach Gehör. In den Ball sind Rasseln eingebaut, die den Akteuren signalisieren, wo sich die Kugel befindet. Außerdem ist der Ball auch etwas kleiner und sprungreduziert. Auch die Größe des Spielfeldes sowie des Tores unterscheidet sich erheblich zum „normalen“ Fußball: Der Spielraum ist kleiner (20 mal 40 Meter) und seitlich durch eine Bande begrenzt, die aktiv ins Spiel einbezogen wird. Gespielt wird auf Hockey-Tore.
2006 startete die Blindenfußball-Geschichte in Deutschland: Im Rahmenprogramm der Fußball-Weltmeisterschaft fand das erste große internationale Turnier auf deutschem Boden statt: der International Blind Challenge Cup (IBCC). Im März 2008 startete die BLINDENBFUSSBALL-Bundesliga (DBFL) in ihre Premieren-Saison. Ins Leben gerufen wurde die Spielserie von der Sepp-Herberger-Stiftung des Deutschen Fußball-Bundes (DFB), vom Deutschen Behindertensportverband (DBS) und vom Deutschen Blinden- und Sehbehindertenverband (DBSV).