Seit acht Spieltagen ist Viktoria Aschaffenburg in der Regionalliga Bayern unbesiegt, davon wurden sechs Partien gewonnen. Am Samstag (ab 14 Uhr) bekommt es die Viktoria mit Spitzenreiter Türkgücü München zu tun. Im BFV-Interview spricht Aschaffenburgs Trainer Jochen Seitz über die starke Saison und das Topspiel.
Was sind aus Ihrer Sicht die Gründe für den Aufschwung von Viktoria Aschaffenburg, Herr Seitz?
Jochen Seitz: Die Mannschaft setzt das, was wir ihr vorgeben, hervorragend um. Der Einsatzwille ist fantastisch und auch die Ersatzspieler ziehen immer zu 100 Prozent mit. Wir sind eine Einheit und haben viel Spaß gemeinsam. Deshalb zahlen sich die harte Arbeit und die taktische Disziplin auch aus. Außerdem haben wir schon mehrfach mentale Stärke bewiesen. Unabhängig vom Spielstand: Wir geben nie auf und kämpfen bis zum Schluss.
Großen Anteil am Erfolg hat Torjäger Björn Schnitzer, der bereits zehn Treffer und sechs Vorlagen auf dem Konto hat. Wie wichtig ist er für die Mannschaft?
Seitz: Björn ist extrem wichtig für uns. Er hat sich zu einem absoluten Führungsspieler entwickelt und kann in engen Partien den Unterschied ausmachen. Seine Beidfüßigkeit und seine ständige defensive Unterstützung machen ihn besonders wertvoll.
Zuletzt gab es ein 1:1 im Traditionsduell bei der SpVgg Oberfranken Bayreuth. Waren Sie mit dem Ergebnis einverstanden?
Seitz: Definitiv. Die SpVgg Bayreuth ist in der Regionalliga Bayern eines der Spitzenteams. Auch wenn wir derzeit einen Lauf haben: Es ist nicht selbstverständlich für Viktoria Aschaffenburg, dort zu punkten. Das Remis war ein Erfolg für uns.
Intern wurde bei der Viktoria bereits betont, dass es mittelfristig um mehr gehen soll, als "nur" den Klassenverbleib in der Regionalliga Bayern anzustreben. Perspektivisch wird die 3. Liga anvisiert. Wie realistisch ist das aktuell?
Seitz: Noch gar nicht realistisch. Wir bewegen uns sportlich weit über dem Limit. Um uns über die 3. Liga Gedanken machen zu dürfen, müssen wir uns wirtschaftlich und infrastrukturell weiterentwickeln. Wir benötigen mehr Sponsoren und einen höheren Etat. Dann wäre der nächste Schritt, auf Profifußball umzustellen. Derzeit trainieren wir drei- bis viermal die Woche unter Amateurbedingungen. Es ist noch nicht die Zeit, um sich in Aschaffenburg mit der 3. Liga zu befassen.
Dass der Rückstand auf die Spitze trotz einer bisher starken Saison zehn Punkte beträgt, liegt am Aufsteiger Türkgücü München, der mit 41 Zählern vornewegmarschiert. Ihre Meinung zum ambitionierten Liganeuling?
Seitz: Die bisherige Saisonleistung von Türkgücü ist schon beeindruckend. Bei der Kaderplanung wurde hervorragende Arbeit geleistet, die Mannschaft ist sehr stark. Dazu muss man aber auch sagen, dass der Verein die nötigen finanziellen Möglichkeiten hat, um sich ein solches Aufgebot zusammenzustellen. Davon können wir nur träumen.
Am Samstag kommt es zum direkten Duell mit dem Tabellenführer. Kann die Viktoria in der derzeitigen Verfassung Türkgücü München stoppen?
Seitz: Wir wollen Türkgücü ein Bein stellen und sind heiß auf die Partie. Uns werden sicher viele Teams die Daumen drücken. Mit einem Sieg können wir das Titelrennen wieder etwas spannender gestalten. Dass wir dazu in der Lage sind, auch gegen einen so starken Gegner zu punkten, wissen wir. Bei unserem 1:3 im Hinspiel wäre bereits mehr möglich gewesen. Dennoch ist uns klar, dass wir einen Sahnetag benötigen.
Was erwarten Sie für eine Begegnung?
Seitz: Da beide Mannschaften ihre Stärken in der Offensive haben, rechne ich mit einem für die Zuschauer sehr interessanten und ansehnlichen Spiel. Es werden bestimmt einige Tore fallen und ich hoffe, dass wir eines mehr als Türkgücü erzielen.
BFV-Interview: Christian Knoth/MSPW