Mit 400 Pflichtspielen in 14 Jahren ist Aleksandro Petrovic eine Ikone beim TSV Buchbach. Nach der überraschenden Vizemeisterschaft in der abgelaufenen Spielzeit geht der 37-jährige Rekordspieler der Regionalliga Bayern (340 Partien) nun schon in seine dritte Saison als Cheftrainer bei den Rot-Weißen. Im BFV.de-Interview spricht Petrovic über seine weiterhin gültige Rekordmarke sowie die bevorstehende Saison.
Die Sommerpause war mit knapp vier Wochen nicht besonders lang. Wie konnten Sie neue Energie sammeln, Herr Petrovic?
Petrovic: Ich habe gemeinsam mit meiner Frau für acht Tage Belgrad besucht. Danach hatten wir noch einige Zeit bei meiner Cousine in Dubrovnik verbracht. Die Spieler haben von uns keine strikten Laufpläne erhalten. Uns war wichtig, dass die Spieler vernünftig regenerieren, abschalten und die Akkus wieder aufladen sollen.
Wie oft denkt man dabei noch an Fußball oder an die zurückliegende Saison?
Petrovic: Ganz ehrlich: Ich denke jeden Tag an Fußball. Manchmal ist mir sogar schlecht vom vielen Nachdenken darüber. (lacht) Nach der Vizemeisterschaft in der letzten Saison war es schwer, sich in der Sommerpause davon zu lösen. Mir ist wichtig, dass jeder im Team realisiert, dass dieses Thema erledigt ist. Ich möchte nicht mehr über die Vizemeisterschaft reden, sondern vielmehr den Fokus auf die Zukunft legen.
In der Rückrunde holte der TSV Buchbach die meisten Punkte aller Klubs. In welchen Bereichen hat das Team die größten Fortschritte gemacht?
Petrovic: Jeder Spieler hat in der letzten Saison - statistisch gesehen - seine beste Runde gespielt und meine Spielphilosophie verinnerlicht. Die Spielintelligenz hat im Team zugenommen. Die Abstände in den einzelnen Mannschaftsteilen stimmen, die Passschärfe ist gut und jeder kann ein Spiel nun besser lesen.
Weckt die Vizemeisterschaft im Umfeld Begehrlichkeiten für die neue Spielzeit?
Petrovic: Die Leute in unserem Umfeld sind glücklich und unfassbar stolz auf die positive Entwicklung im Verein. Bei aller Euphorie sind unsere Anhänger, aber auch die handelnden Personen im Verein realistisch und erwarten jetzt nicht, dass wir das wiederholen. Wir sind in der zurückliegenden Saison vom Verletzungspech verschont geblieben, hatten darüber hinaus einen unfassbaren Lauf. Wir streben einen Platz unter den Top-Ten der Liga an.
Die Veränderungen am Kader halten sich mit vier Zu- und Abgängen bislang in Grenzen. Ist das eine bewusste Entscheidung?
Petrovic: Bei den Transfers mussten wir diesmal die U 23-Reglung ganz stark beachten, weil einige Jungs nicht mehr darunterfallen. Im Rahmen der finanziellen Möglichkeiten haben wir ganz gut gearbeitet. Wir beobachten weiter den Markt und halten nach möglichen Verstärkungen Ausschau. Wir werden aber nur etwas machen, wenn es passt.
Sie sind mit 340 Einsätzen weiterhin Rekordspieler der Regionalliga Bayern. Was bedeutet Ihnen das?
Petrovic: Als Spieler war es cool, wenn darüber berichtet wurde. Ich bin nun aber an einem Punkt angekommen, wo ich als Trainer wahrgenommen werden möchte.
Hat Ihnen diese Erfahrung auch als Trainer geholfen?
Petrovic: Ich bin seit mehr als 14 Jahren für den TSV Buchbach tätig und mit dem Verein stark verwurzelt. Außerdem kenne meine Spieler in- und auswendig. Mit den meisten Spielern bin ich sogar befreundet, ohne die natürliche Distanz dabei aus den Augen zu verlieren.
Auf Rang zwei der Rekordliste mit nur zehn Spielen weniger liegt Ihr Spieler Sammy Ammari. Werden Sie der erste Gratulant sein, falls er Sie überholt, oder werden Sie ihn nur noch "taktisch" einsetzen?
Petrovic: Wir scherzen schon und sagen, dass Sammy nur noch neun Einsätze bekommt. (lacht) Ganz im Ernst: Wenn das Team und ich Sammy benötigen, dann wird er auch spielen. Ich kann es kaum abwarten, dass er mich ablöst. Er hat bislang 330 Spiele in der Regionalliga Bayern absolviert. Ich bin sogar ganz froh, wenn ich diesen "Titel" los bin.
Wie würden Sie sich selbst als Trainer beschreiben?
Petrovic: Mir wird nachgesagt, dass ich ein Kumpel-Typ bin. Ich bin gegenüber jedem Spieler freundlich, kann aber auch autoritär sein. Ich möchte mit den Jungs möglichst immer auf einer Wellenlänge sein. Dabei muss das Team aber wissen, wer am Ende das Sagen hat. Nicht, weil ich das Verlangen habe, sondern weil es vielmehr immer einen Platzhirsch geben muss. Inhaltlich bin ich sehr detailbesessen, was die Jungs bei den Videoanalysen zu spüren bekommen. Ich möchte, dass wir attraktiven und dominanten Fußball spielen.
Worauf werden Sie in den Wochen bis zum Saisonstart vermehrt den Fokus legen?
Petrovic: Wir werden mit dem Trainerteam neue Impulse setzen. Ich werde auf gar keinen Fall die Zügel schleifen lassen, bin in dieser Hinsicht sehr fanatisch. Ich werde es nicht zulassen, dass jemand den Erfolg der Mannschaft gefährdet, indem er weniger Meter macht.
BFV-Interview: Peter Haidinger/mspw