Für Menschen mit Beeinträchtigung ist der Fußballsport, wie ihn Millionen Menschen jede Woche erleben, meist wie eine Erzählung aus einer anderen Welt. In der öffentlichen Wahrnehmung spielt deren Fußballbegeisterung kaum eine Rolle und echte Angebote, wie sie selbst auf dem Platz dem Ball hinterherjagen können sind rar gesäht. Und wenn es dabei auch noch um Frauenfußball geht, wird es gleich noch einmal eine Spur schwerer, Angebote zu finden. „Das ist natürlich ein echtes Problem. Dabei spielt es für die Fußballbegeisterung überhaupt keine Rolle, ob jemand eine Beeinträchtigung hat oder nicht. Natürlich möchten wir als Verband auch für die Menschen mit Beeinträchtigung die Rahmenbedingungen so verbessern, dass jeder seiner Fußballleidenschaft auch nachgehen kann“, erklärt Krissi Höhn, Inklusionsbeauftragte beim Bayerischen Fußball-Verband (BFV).
Ein großer Hebel für eine bessere Wahrnehmung und den Abbau von Hürden bei der Umsetzung sind Pilotprojekte und überregionale Events. Der BFV-Fußballtag für Frauen mit Beeinträchtigung ist so ein Event. Und der fand zuletzt in Kooperation mit Profi-Klub SpVgg Greuther Fürth auf dem Vereinsgelände der „Kleeblätter“ statt.
21 Frauen mit Beeinträchtigung erlebten den wohl bisher schönsten Tag ihres Fußballerinnen-Lebens. Training auf dem top präparierten Geläuf der Fürther Nachwuchsteams, gemeinsames Mittagessen im Fürther Bundesliga-Stadion „Ronhof“, Stadionführung durch die mittelfränkische Traditions-Sportstätte, Meet&Greet mit Ex-Nationalspielerin Renate Lingor, Abschlussspiel mit der Spielführerin des Frauen-Bayernligateams der Spielvereinigung und Erinnerungsurkunden für die Teilnahme am BFV-Fußballtag.
Die Teilnehmerinnen – allesamt Frauen ab 16 Jahre mit Behinderung und mit mehr oder weniger Vorkenntnissen – kamen aus dem Staunen nicht mehr heraus. Es war wie ein Ausflug in eine vollkommen neue Fußballwelt und die Liebe zum Fußballsport dürfte an diesem Tag bei jeder einzelnen bestimmt nicht kleiner geworden sein. Auch nicht bei Christina Schellenberg. Die A-Lizenz Inhaberin, ehemalige Bundesligaspielerin und Jugendnationalspielerin konnte neben Marina Plakhotnik-Hastler vom Heilpädagogischen Zentrum (HPZ) Irchenrieth als Trainerin für den Fußballtag gewonnen werden.
Frank Schweizerhof, beim BFV für den Bereich „Soziales“ verantwortlich, weiß um die Signale und Impulse, die von einem solchen Event ausgehen können. „Mit jedem Menschen, der hier an diesem Fußballtag teilgenommen hat – egal ob aktiv, als Organisator oder Zaungast – nimmt die Wahrnehmung für fußballbegeisterte Menschen mit Beeinträchtigung zu und werden wichtige Erfahrungen für künftige Projekte und auch interessierte Vereinsvertreter gesammelt. Natürlich sind es kleine Schritte, die wir derzeit machen. Aber es sind wichtige Schritte, nach denen dann auch Großes entstehen kann.“ So ist zumindest die Hoffnung. Dass beim Fußballtag wichtige Koordinatoren wie Astrid Bartholomeyczik, Sportkoordinatorin der Lebenshilfe Bayern und Multiplikatoren wie Ella Rothenhöfer von der SpVgg Greuther Fürth (Bereich Spielbetrieb/Soziales Engagement), dabei waren, unterstreicht diesen Ansatz.