Mit insgesamt zehn Teilnehmerinnen und Teilnehmern sowie sechs Begleitpersonen fand an der Sportschule Oberhaching der dritte Durchgang der länderübergreifenden Inklusionsschiedsrichter-Ausbildung statt. Aus Bayern waren die angehenden Schiedsrichter Patrick Jander, Florian Obiditsch und Florian Scheier mit dabei. Der Lehrgang wurde erneut in Kooperation mit den Landesverbänden Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen angeboten. Nach den Durchgängen 2024 in Jena (Thüringen) und 2025 in Halle (Sachsen-Anhalt) war nun Bayern in diesem Jahr Gastgeber. Bereits jetzt steht fest, dass die Schulung 2027 in Leipzig (Sachsen) weitergeführt wird.
Ein zentraler Unterschied zur regulären Schiedsrichterausbildung liegt in der konsequenten didaktischen, pädagogischen und sprachlichen Anpassung der Inhalte an die Zielgruppe von Menschen mit geistiger Beeinträchtigung. Geleitet wurde der Lehrgang von Julian Reinwald (Schiedsrichtergruppe Parsberg), der Theorie- und Praxiseinheiten eng miteinander verzahnte.
Im Theorieteil standen die 17 Fußballregeln, das Auftreten als Schiedsrichterin und Schiedsrichter sowie die Frage im Mittelpunkt, wie Spiele unter Berücksichtigung unterschiedlicher Mannschaftszusammensetzungen (z. B. Teilnehmende mit oder ohne Beeinträchtigung, Altersunterschiede) sicher und fair geleitet werden können. Ergänzend wurden Spielszenen per Video analysiert und insbesondere Entscheidungen rund um Verwarnungen und Feldverweise gemeinsam diskutiert.
Der Praxisteil legte den Fokus auf die Spielleitung auf dem Platz: Pfifftechnik (Lautstärke und Länge), die Platzbegehung vor Spielbeginn sowie das korrekte und klare Anzeigen von persönlichen Strafen wurden intensiv geübt.
Ein besonderes Highlight bildete der praktische Einsatz als Schiedsrichterassistenten beim Lokalderby TSV Waldtrudering III gegen SG Grasbrunn III/Haar III, das mit 4:1 endete. Die Spielleitung übernahm Tarik El-Hallag (Landesverband Thüringen). In der ersten Halbzeit unterstützten Mika Maurice Walper (Thüringen) und Alex Liesegang (Sachsen-Anhalt), in der zweiten Halbzeit kamen Patrick Jander (Bayern) und Christian Hanisch (Thüringen) zum Einsatz.
Die übrigen Teilnehmenden erhielten Beobachteraufgaben, die im Anschluss an das Spiel sowie in der Halbzeit gemeinsam ausgewertet wurden. Dabei bestand zudem die Möglichkeit, direkt mit dem Schiedsrichter Tarik El-Hallag über einzelne Spielsituationen und Entscheidungen kritisch ins Gespräch zu gehen.
Die Begeisterung und das Engagement aller Beteiligten waren über den gesamten Lehrgang hinweg spürbar. Verbands-Schiedsrichterobmann Sven Laumer betonte: „Es hat mich sehr gefreut, hier zu sein und die Begeisterung für die Schiedsrichtertätigkeit zu erleben. Die Ausbildung für Inklusionsschiedsrichter ist wichtig, weil sie Teilhabe ermöglicht und den Sport für alle zugänglich macht.“
Auch Referent Julian Reinwald zeigte sich beeindruckt: „Die Besonderheit dieses Lehrgangs liegt darin, dass die Inhalte bewusst vereinfacht und passgenau auf die Zielgruppe abgestimmt sind. Besonders beeindruckt haben mich die spannenden Beiträge der Teilnehmenden sowie die insgesamt sehr engagierte, interessierte und starke Teilnahme. Die Leitung des Lehrgangs hat großen Spaß gemacht.“
Teilnehmer Patrick Jander aus Bayern hob vor allem den Austausch hervor: „Mir hat besonders gefallen, dass ich hier Menschen auch außerhalb von Bayern kennenlernen konnte. Und weil ein Spiel ohne Schiedsrichter einfach nicht funktioniert, wollte ich unbedingt dabei sein.“