Die Herausforderungen der bayerischen Amateurklubs sind irgendwie ähnlich und dann doch höchst individuell. Alle Vereine brauchen zwar Mannschaften mit Trainerinnen oder Trainern, einen intakten Fußballplatz mit entsprechender Infrastruktur und Menschen, die sich im Hintergrund darum kümmern, dass auch organisatorisch alles rund läuft. Aber es macht nun mal einen großen Unterschied, ob der Verein in einer Großstadt, Kleinstadt oder ganz klassisch auf dem Land beheimatet ist, ob es ein Netzwerk zur finanziellen und organisatorischen Unterstützung gibt und die fußballbegeisterten Sportlerinnen und Sportler da sind oder um jeden einzelnen gekämpft werden muss.
„Am Ende braucht es für jeden Verein eine passgenaue Lösung“, weiß Yvonne Hemmerich aus Unterfranken. Sie ist eine der bayernweit neun Vereinsberaterinnen und Vereinsberater des Bayerischen Fußball-Verbandes (BFV), die sich fast ausnahmslos neben ihren Berufen leidenschaftlich für die Fußballbasis einsetzen. Die Aufgabe besteht darin, den Vereinsverantwortlichen mit Rat und Tat zur Seite zu stehen und Hilfe zur Selbsthilfe zu leisten. Und das funktioniert gut. Im vergangenen Jahr sind sie in 197 Fällen aktiv geworden, bis Ende April dieses Jahres weitere 72-mal.
Wie begeistere ich Menschen für die ehrenamtliche Mitarbeit, von welchen Förderungen können Vereine profitieren, wie ist die Modernisierung der Infrastruktur zu realisieren? Das sind die Topthemen, mit denen sich Hemmerich und Co. regelmäßig konfrontiert sehen. Manches ist mit nur einem Telefonat zu klären, doch in der Regel ist es damit nicht getan. „Meist stellt sich schnell heraus, dass es Sinn macht, im Erstgespräch die Kernanliegen herauszufiltern und dann bei einem persönlichen Treffen in die Tiefe zu gehen“, berichtet Hemmerich.
So lief es bei fast allen Klubs, die in der Vergangenheit auf das BFV-Netzwerk zugegriffen haben. Beim SV Schonstett aus Oberbayern, der gemeinsam mit Vereinsberater Christoph Rottmüller einen für den kleinen Verein wirklich umsetzbaren Plan zum Ausbau der Trainings-Infrastruktur entwickelte. Beim FC Bad Rodach aus Oberfranken, bei dem es nicht an engagierten Ehrenamtlichen mangelt, den Vereinsberaterin Alexandra Kemnitzer aber mit ihrem Input und ihrem Erfahrungsschatz helfen konnte, sich effizienter und moderner zu organisieren und von bestehenden Angeboten und Förderkampagnen zu profitieren.
Beim niederbayerischen FC Bürgerholz-Regen konnten dank der Unterstützung von Vereinsberater Matthias Simmet neue Trainingsanzüge für den Nachwuchs gekauft und sogar ein Spielturm für Kinder auf dem Vereinsgelände gebaut werden. Verhältnismäßig kleine Projekte mit großer Wirkung für die Motivation und Bindung der Vereinsmitglieder. Oder beim SV Vilshofen bei Amberg in der Oberpfalz, wo in Zusammenarbeit mit Vereinsberater Konstantin Beck der Plan zur nachhaltigen Neuausrichtung des Vereins mit neuer Herrenmannschaft entwickelt werden konnte.
Die Liste der Beispiele im Freistaat ist lang und fast alle eint, dass am Ende die Hilfe weit über das ursprüngliche Anliegen hinausging. „Es stellt sich eigentlich immer wieder heraus, dass viele Potenziale und Möglichkeiten ungenutzt sind“, sagt Hemmerich. „Das ist aber auch kein Wunder. Woher sollen die Vereine auch wissen, welche Bandbreite an Fördermöglichkeiten es für Sportvereine gibt. Das geht ja auch über die vielen Angebote des Bayerischen Fußball-Verbandes hinaus und für viele Herausforderungen in den Vereinen gibt es ja auch bewährte Konzepte. Die können die Verantwortlichen in den Vereinen ja gar nicht alle kennen und für sich bewerten.“
Marcel Chevalier ist Fußball-Abteilungsleiter bei der Eintracht Leidersbach, einem kleinen Klub im Kreis Aschaffenburg, und ist froh, dass es Menschen wie Hemmerich gibt. „Die Vereinsberatung mit Yvonne ist für den Verein ein echter Glücksfall gewesen. Wir standen als Verein vor zwei gravierenden Herausforderungen: Die Frage, ob die Zukunft des Vereins in einer Fusion liegt, oder ob wir den Verein komplett neu aufbauen müssen und wie wir den Verein wieder besser in unserer kleinen Gemeinde verankern, neue Mitglieder gewinnen und langfristig begeistern.“
Hemmerich setzte sich im Frühjahr mit den Vereinsverantwortlichen im Vereinsheim zusammen. „Da kam jemand, der wirklich Ahnung und Erfahrung hatte. Bei manchen Beratungen hat man ja das Gefühl, dass da irgendwelche schönen Theorien skizziert werden, die sich gut anhören, aber wenig mit der Realität zu tun haben. Das war hier anders“, erinnert sich Chevalier. Kein Wunder, denn aus Hemmerich sprechen mehr als zwei Jahrzehnte Erfahrung im Amateurfußball – als Trainerin mit C-Lizenz, als Beirat und Vorstand in einem Verein, als Mutter von zwei fußballbegeisterten Töchtern, Ehefrau eines Amateur-Trainers und Mitgründerin des FFC Adelsberg-Karsbach, der seit 2024 eine neue Heimat für die fußballbegeisterten Frauen und Mädchen im Landkreis Main-Spessart ist. „Ich glaube schon, dass ich bei vielen Themen gut weiterhelfen kann“, sagt Hemmerich zurecht selbstbewusst und ergänzt: „Und bei allen anderen Themen – wenn es zum Beispiel um eine fundierte Rechtsberatung oder Förderung von größeren Infrastrukturprojekten geht, weiß ich, wo die richtigen Ansprechpartner sitzen.“
Denn natürlich gibt es Grenzen – fachlich wie auch organisatorisch. „Es geht immer um Hilfe zur Selbsthilfe. Wir bieten Know-how und Unterstützung und versuchen, passgenaue Lösungen zu entwickeln. Am Ende sind aber natürlich die Verantwortlichen in den Vereinen mit ihrem Engagement entscheidend für den Erfolg“, sagt Hemmerich. Doch die seien grundsätzlich sehr motiviert und ja auch interessiert, bei ihnen vor Ort etwas Gutes auf die Beine zu stellen. Nicht zuletzt ein überzeugendes Konzept sorgt da für den nötigen Motivationsschub.
„Wir befinden uns mitten im Prozess“, sagt Chevalier. „In die nächste Saison gehen wir noch mit der bestehenden Spielgemeinschaft an den Start, wir arbeiten aber kontinuierlich an der angestrebten Vereinsfusion – alles nach Plan. Und auch bei der Weiterentwicklung unserer Vereinsangebote hat sich bereits richtig was getan. An den neuen professionell aufgezogenen Full-Body Workout-Kursen nehmen 20 bis 25 Frauen teil. Das sind auch zum Teil Frauen und Freundinnen von aktiven Spielern, die jetzt auch eine sportliche Heimat bei uns gefunden haben und sich als Vereinsmitglieder natürlich auch potenziell engagieren, wenn es darum geht, das neue Familienfest im September 2025 oder unseren regelmäßigen ‚Eintracht Sommergarten‘ umzusetzen.“
„In den Vereinen stecken durch die vielen unterschiedlichen Menschen so viele Talente“, sagt Hemmerich. „Man muss sie nur sichtbar machen und aktivieren.“ Dafür gibt es natürlich auch bewährte Konzepte wie zum Beispiel die sogenannten „Talentkarten“. Man kann als Verein aber auch einfach bei den Vereinsberaterinnen und -beratern des BFV anrufen oder eine Mail schreiben. Nahezu ausgeschlossen, dass man nicht am Ende sagt: „Danke! Das habe ich noch nicht gewusst!“