Bei der SG Wölbattendorf/Konradsreuth liegen im Augenblick Freud und Leid ganz dicht beisammen. Während die erste Mannschaft von Erfolg zu Erfolg eilt, mit zehn Siegen aus zehn Spielen und einer unglaublichen Torbilanz von 90:4 Treffern die Tabelle in der A-Klasse Frankenwald Nord souverän anführt und damit aktuell ligenübergreifend das beste Team im Freistaat stellt, steht die zweite Mannschaft in der A-Klasse Frankenwald Süd mit drei Punkten aus zehn Partien und einem Torverhältnis von 13:53 im Tabellenkeller.
Wir haben mit dem 1. Vorsitzenden Markus Zeitler über Kantersiege und herbe Niederlagen, den Luxus, zwei Top-Stürmer im Kader zu haben und die sportlichen Perspektiven für die kommenden Jahre gesprochen.
Herr Zeitler, ist die Meisterfeier für die erste Mannschaft schon geplant?
Markus Zeitler: Jein (lacht). Wir haben im Augenblick eine großartig eingespielte Mannschaft auf dem Platz und die Euphorie trägt uns aktuell natürlich auch. Vielleicht ist unser Team auch etwas zu stark für unsere Spielklasse. Aber ich glaube, wir hätten auch in der Süd-Staffel gut mithalten können. Natürlich haben wir schon über den Titel nachgedacht. Aber die Tabelle ist aktuell nur eine Momentaufnahme. Wir schauen von Spiel zu Spiel und hoffen natürlich, dass wir den derzeitigen Lauf fortsetzen können und am Ende ganz oben stehen.
Sie kennen auch die Kehrseite der Medaille mit 897 Tagen ohne Sieg und den Abstiegen von der Kreisliga in die A-Klasse. Was haben Sie jetzt als Ziel vor Augen?
Zeitler: Unser Ziel ist aktuell natürlich der Aufstieg mit der ersten Mannschaft in die Kreisklasse. Weiter denken wir im Moment nicht. Dort wollen wir uns dann sportlich etablieren. Es kommt ja immer auch darauf an, wie stark die Staffel ist, in die man eingeteilt wird, welche Spieler bleiben, welche eventuell wechseln und welche wir neu dazu gewinnen können. Wir verstehen uns als klassischen Dorfverein – und schauen von Saison zu Saison, was mit unseren Voraussetzungen möglich ist.
Einer der Garanten für den aktuellen Lauf der ersten Mannschaft ist Ihr Sohn Sebastian, der in zehn Spielen bereits 26 Mal getroffen hat und damit der beste Torjäger im Freistaat ist. Weckt das nicht Begehrlichkeiten höherklassiger Teams?
Zeitler: Sebastian spielt bereits seit 2013/14 für uns und hat in dieser Zeit alles erlebt: Aufstiege, Abstiege, er war Torschützenkönig in A-Klasse und in der Kreisklasse. Jedes Jahr kommen während der Wechselperiode Anrufe über Anrufe und er hätte mehrmals zu höherklassigen Mannschaften wechseln können, die ihm neben der sportlichen Perspektive auch Geld geboten haben. Dennoch hat er sich immer dagegen entschieden, obwohl wir keinem Spieler Geld bezahlen – und das auch nicht machen werden, solange ich Vorstand bin. Ihm ist es wichtiger, mit seinen Brüdern und Freunden auf dem Platz zu stehen. Auch die Zeit für die Familie spielt eine Rolle.
Mit Christopher Montag geht auch der aktuell zweitbeste Stürmer der Liga für euch auf Torejagd…
Zeitler: Christopher stieß über den FC Konradsreuth zu uns, mit dem wir seit dieser Spielzeit eine Spielgemeinschaft bilden – und er ist natürlich ein absoluter Glücksfall für uns. Sebastian und Christopher verstehen sich blind, ergänzen sich perfekt und beide gemeinsam auf dem Platz zusehen, ist ein Augenschmaus. Beide sind falkenschnell – und wenn der mal nicht trifft, ist der andere zur Stelle.
Während die erste Mannschaft von Sieg zu Sieg eilt, läuft es bei der zweiten Mannschaft nicht ganz so rund. Was überwiegt aktuell: Die Freude über die Siegesserie oder das Mitgefühl, wenn die Zweite wieder einmal leer ausgeht?
Zeitler: Es ist aktuell ein Wechselbad der Gefühle. Während die eine Mannschaft alles gewinnt, verliert die andere fast immer zweistellig. Ich ziehe hier den Hut vor den Spielern, die trotzdem Woche für Woche auf dem Platz stehen, sich nicht entmutigen lassen und weitermachen, einfach weil sie Spaß am Fußball und an der Bewegung haben. Unser Problem ist, dass wir in der zweiten Mannschaft kein wirklich eingespieltes Team haben. Da steht gefühlt jede Woche eine neue Truppe auf dem Platz. Aber es kommen auch wieder besser Zeiten. Aber im Grunde unterscheiden wir nicht groß zwischen den beiden Mannschaften. Sollten wir am Ende in der Nord-Staffel vorne stehen, ist das ein Titel für unseren gesamten Verein, nicht für ein einzelnes Team – es wäre ein Erfolg, an dem jeder einzelne Spieler des Klubs seinen Anteil hat.