Intensiver Austausch, fundierter fachlicher Input, klare strategische Leitlinien für die kommenden Spielzeiten – und am Ende Standing Ovations für den scheidenden bayerischen „Mr. Spielbetrieb“: Mehr als 90 Spielleiterinnen und Spielleiter des Bayerischen Fußball-Verbandes (BFV) aus den Bereichen Herren, Senioren, Freizeit- und Breitensport sind jetzt zur diesjährigen Arbeitstagung im niederbayerischen Bad Gögging zusammengekommen.
Den Auftakt am Samstag gestaltete BFV-Präsident Christoph Kern, der in seiner Eröffnungsrede zunächst Verbands-Spielleiter Josef Janker sowie allen Spielleiterinnen und Spielleitern ausdrücklich für ihren täglichen Einsatz an der Basis dankte. Im Mittelpunkt seines Impulsvortrags standen die anstehenden Umstrukturierungen/personellen Veränderungen? innerhalb des Verbandes sowie die künftige Entwicklung des Fußballs. Kern machte deutlich, dass die kommenden Jahre von umfassenden Veränderungsprozessen geprägt sein werden – organisatorisch wie inhaltlich. Zugleich betonte er den Zusammenhalt im Verband und sagte: „Ihr seid ein unverzichtbarer Bestandteil des Spielbetriebs im Freistaat – von Präsidium und Vorstand habt ihr die volle Rückendeckung!“
Mit Blick auf die gesellschaftlichen Entwicklungen unterstrich Kern: „Die Gesellschaft verändert sich immer schneller, deshalb müssen auch wir schneller werden. Das ist ein klarer Auftrag für die kommenden Jahre.“ Vor diesem Hintergrund kündigte er an, dass der BFV-Vorstand beim Verbandstag im Mai einen Antrag einbringen werde, der eine Überprüfung und gegebenenfalls Anpassung der Verbandsstrukturen vorsieht.
Zudem appellierte der BFV-Präsident an die Spielleiterinnen und Spielleiter, ihre Rolle künftig weiterzuentwickeln: Neben der verantwortungsvollen Verwaltung der Ligen gelte es, verstärkt auch als Gestalterinnen und Gestalter aufzutreten und eigene Ideen in die Weiterentwicklung des Fußballs einzubringen. „Wir müssen uns immer wieder fragen, was wir noch besser machen können – lasst uns einfach mutig sein!“, erklärte Kern.
Ein weiteres zentrales Thema bleibt die Digitalisierung. Als konkretes Beispiel nannte Kern eine Pilotphase im Kreis Augsburg, in der die Ligeneinteilung erstmals mithilfe von Künstlicher Intelligenz (KI) unter Berücksichtigung der Fahrtstrecken zwischen den Vereinen vorgenommen wurde.
Nach dem Vortrag des BFV-Präsidenten und einem kurzen Grußwort von Harald Haase, dem Vorsitzenden des gastgebenden Fußball-Bezirks Niederbayern, begann die Workshop-Phase. In mehreren Arbeitsgruppen vertieften die Teilnehmerinnen und Teilnehmer zentrale Themen des Spielbetriebs. Ein Workshop beschäftigte sich unter der Leitung von Frank Seitz und Jens Reitstetter (beide Beisitzer im Verbands-Spielausschuss) sowie Walther Michel, Beisitzer im Verbands-Sportgericht, mit den auf den Kreistagen eingeholten Meinungsbildern und den geplanten Änderungen der Spielordnung, die beim Verbandstag 2026 vorgeschlagen werden sollen.
Die Verbands-Spielausschuss-Beisitzer Andreas Mayländer und Patrick Garbe richteten den Blick derweil auf die strategische Ausrichtung des Ausschusses für die Legislaturperiode 2026 bis 2030. Im Fokus standen dabei insbesondere Spielgemeinschaften, das Aufstiegsrecht, die Relegation sowie mögliche strukturelle Anpassungen innerhalb des Gremiums. Ein weiterer Workshop unter der Leitung von Verbands-Spielleiter Josef Janker und Ausschuss-Mitglied Martin Steininger widmete sich dem überarbeiteten Paragrafen 34 der Spielordnung („Einsatz in verschiedenen Mannschaften“), der dem Verbandstag zur Abstimmung vorgelegt werden soll. Zwischen den Arbeitsphasen blieb ausreichend Raum für aktuelle Fragestellungen aus Bezirken und Kreisen sowie für den kollegialen Austausch.
Ein besonderer Moment der Tagung war die Ehrung verdienter Spielleiter sowie die Verabschiedung ausscheidender Funktionäre. BFV-Schatzmeister Jürgen Faltenbacher und Verbands-Spielleiter Josef Janker würdigten im Rahmen der Abendveranstaltung unter anderem Manfred Neumeister, der nach 14 Jahren seine Tätigkeit als Kreis-Spielleiter beendet, dem BFV aber als Kreis-Vorsitzender erhalten bleibt. Auch Kreis-Spielleiter Jürgen Friedrich sowie die Gruppen-Spielleiter Daniel Scheble und Thomas Strobel wurden verabschiedet.
Der Sonntag stand im ganz Zeichen des fachlichen Austauschs und des strategischen Ausblicks. Nach Gesprächen auf Bezirks- und Kreis-Ebene folgten Berichte aus den Fachausschüssen. Michael Völk überbrachte den Dank des gesamten Verbands-Schiedsrichterausschusses für die enge und konstruktive Zusammenarbeit. Positiv hob er die Entwicklung der Schiedsrichterzahlen hervor: Für die Saison 2025/26 sind über 12.500 aktive Unparteiische gemeldet – so viele wie seit Langem nicht mehr. Dennoch bleibe eine flächendeckende Besetzung aller Spiele weiterhin eine Herausforderung.
Aus der Arbeit der Satzungskommission berichtete Walther Michel. Ziel sei ein verständlicheres und zugleich rechtssicheres Regelwerk. Futsal-Beauftragter Michael Tittmann informierte über die Entwicklung der Futsal-Ligen mit dem Ziel, insbesondere die Futsal-Bayernliga nachhaltig zu stabilisieren.
Abschließend gab Jürgen Faltenbacher, der im Präsidium den Spielbetrieb im Freistaat verantwortet, einen umfassenden Überblick über die zurückliegenden vier Jahre im BFV-Präsidium, im Vorstand sowie im DFB-Spielausschuss. Er blickte auf zahlreiche Meilensteine der Jahre 2022 bis 2026 zurück – darunter den UEFA Regions‘ Cup, die Einführung des „Sozialeuro“, Live-Übertragungen der Regionalliga Bayern sowie die vielbeachteten Organspende-Aktionsspieltage. Mit der Saison 2025/26 wurde zudem ein digitales Zulassungsverfahren in der Regionalliga Bayern eingeführt, das perspektivisch ausgeweitet werden soll.
Mit Blick auf die Legislaturperiode 2026 bis 2030 kündigte Faltenbacher weitere strukturelle Anpassungen, eine stärkere Digitalisierung und neue inhaltliche Impulse an – unter anderem eine BFV-Kampagne für den Ü-Fußball ab 32 Jahren.
Zum Ende seiner Rede würdigte Faltenbacher die Amtszeit von Josef Janker, die beim Verbandstag im Mai nach 16 Jahren an der Spitze des Verbands-Spielausschusses enden wird. „Du hast Spielbetrieb in Bayern über 16 Jahre geprägt, der Bayerische Fußball-Verband hat dir enorm viel zu verdanken. Du hast den Fußball gelebt und während dieser Zeit Herausragendes geleistet: Ich denke hier insbesondere an die Einführung der Regionalliga Bayern und die Ligen-Reform. Dafür möchte ich schon heute Danke sagen und dich vor versammelter Mannschaft würdigen“, sagte Faltenbacher, nach dessen Worten sich alle Anwesenden von ihren Stühlen erhoben und Josef Janker ihren Respekt zollten. Als Nachfolger wird das BFV-Präsidium beim Verbandstag Andreas Mayländer (Beisitzer im Verbands-Spielausschuss) vorschlagen.