Ein Ex-Profi mit der Erfahrung von 302 Bundesliga-Einsätzen läuft in der Kreisliga Aschaffenburg auf? Das könnte schon bald Realität sein. Daniel Baier, Rekordspieler des FC Augsburg, ist inzwischen offiziell als Spieler für die SpVgg Niedernberg gemeldet. Trainer beim Tabellendritten ist Vater Jürgen Baier.
„Dass Daniel für uns spielen darf, hat große Wellen geschlagen“, berichtet Jürgen Baier im Gespräch mit dem BFV. „Das zeigt, welche große Rolle er beim FC Augsburg und in der Bundesliga eingenommen hat.“ Nicht ganz unschuldig an der Aufmerksamkeit ist auch der Zeitpunkt der Verkündung. „Ich wusste im Vorfeld nicht, dass wir das am 1. April verkünden. Unsere Social Media-Abteilung hat sich einen Spaß daraus gemacht, ob das vielleicht ein Aprilscherz sein könnte.“ Ist es aber nicht.
Vielmehr kam die Idee, dass Daniel Baier für die SpVgg Niedernberg auflaufen könnte, bereits vor der Winterpause auf. „Daniel war damals bei uns zu Besuch und hatte sich dann auch das Spiel unserer zweiten Mannschaft angeschaut“, sagt Jürgen Baier. „Er meinte dann, dass er schon Lust hätte, auch mal wieder auf dem Platz zu stehen. Ich hatte ihm daraufhin vorgeschlagen, dass er ja für unser erstes Team spielen könnte.“
Mit der Spielberechtigung für Daniel Baier, der beim TSV 1860 München im Juli 2003 den Schritt in den Profibereich geschafft hatte und bis zu seinem Karriereende im Sommer 2020 auch noch für den VfL Wolfsburg (2007/2008 und Juli 2009 bis Januar 2010) und den FC Augsburg (2008/2009 sowie ab Januar 2010) am Ball war, hatte es noch nicht unmittelbar geklappt. „Da er mehr als vier Jahre lang nicht mehr gespielt hatte und zuvor Profi war, konnten wir ihn erst während einer Transferphase melden.“ Bei seinen neuen Teamkollegen hat die Nachricht „einen gewissen Hype ausgelöst. Es ist eine große Vorfreude spürbar, wann Daniel denn zum ersten Mal für uns auflaufen kann.“
Nach seiner aktiven Laufbahn blieb Daniel Baier dem Fußball erhalten und führt inzwischen beim Bundesligist RB Leipzig als Sportkoordinator die Bereiche Scouting, Data Analytics und Career Center. „Da ist er natürlich ordentlich eingespannt und mit der Qualifikation für die Champions League arbeitet er mit dem Verein aktuell noch an einem großen Ziel", weiß Jürgen Baier. „Wenn er Zeit hat, wird er aber bestimmt vorbeischauen. Mit seiner Erfahrung kann er unseren Jungs viel beibringen.“
Dass es Daniel einmal bis in die Bundesliga schaffen würde, war bei Vater Jürgen, der als Aktiver selbst 392 Partien in der 2. Bundesliga und 31 Begegnungen in der höchsten Spielklasse absolviert hatte, früher „kein Gedanke. Es ist schließlich ein weiter Weg. Als junger Spieler muss man zur richtigen Zeit am richtigen Ort sein. Man hat allerdings schnell gemerkt, dass er über außergewöhnliche Fähigkeiten verfügt. Daniel hat einen unbändigen Willen und eine tolle Spielübersicht.“
Qualitäten, die Daniel Baier für die SpVgg Niedernberg zum Beispiel in einem besonderen Spiel einbringen könnte. „Unser Kreispokal-Finale am 30. April wäre ein schöner Rahmen“, meint Vater Jürgen Baier. Gegner ist dann ab 18.30 Uhr der Bezirksligist TuS Röllbach. Dem Sieger winkt die Teilnahme am bayerischen Verbandspokal. Aber auch in der Meisterschaft spielt die SpVgg als Tabellendritter eine gute Rolle. „Eigentlich alle Jungs aus dem Team kommen aus Niedernberg. Nach den Spielen oder dem Training sitzen wir häufig noch einige Zeit zusammen und trinken gemeinsam Äppelwoi oder Bier“, sieht der Trainer im Zusammenhalt eine große Stärke.
„Irgendwann wollen wir auch in die Bezirksliga aufsteigen“, so Jürgen Baier, der seit Saisonbeginn das Team betreut - und das im Alter von 67 Jahren. „Mir macht es Freude, mit jungen Menschen zusammenzuarbeiten und den Jungs das eine oder andere beibringen zu können. So bleibe ich auch selbst jung. Im Training spiele ich noch hin und wieder mit.“
Aus seiner Zeit als Profi fällt Jürgen Baier sofort das DFB-Pokal-Finale mit Fortuna Köln gegen den Stadtrivalen 1. FC Köln ein. „Ich habe noch ein Foto mit Pierre Littbarski zu Hause hängen. Ich durfte mein Hobby zum Beruf machen - etwas Schöneres gibt es nicht.“
Den Schritt in den Profifußball schaffte neben Daniel auch der jüngste Sohn Benjamin (37). Nach Stationen bei Kickers Offenbach, RB Leipzig, SV Darmstadt 98 und Rot-Weiss Essen ist er aktuell als Kapitän für den benachbarten SV Viktoria Aschaffenburg in der Regionalliga Bayern am Ball.
„Benni hat immer zu seinem Bruder aufgeschaut. Die beiden haben ein super Verhältnis und sich immer gegenseitig geholfen.“ Sieht man in Zukunft also Jürgen Baier gemeinsam mit beiden Söhnen bei der SpVgg Niedernberg? „Benni hatte bislang den Anspruch, so hoch wie möglich aktiv zu sein. Wenn es aber irgendwann so kommen sollte, wäre das eine schöne Sache.“
Dominik Dittmar/MSPW