Am DFB-Campus in Frankfurt am Main diskutieren vom 22. bis 24. September 2023 auf dem 4. Amateurfußball-Kongress (AFK) Führungskräfte des DFB, der 21 Landesverbände und Vertreter aus Amateurvereinen über Lösungsansätze und Handlungsempfehlungen zur Stärkung des Vereinsfußballs. Der Bayerische Fußball-Verband (BFV) schickt eine 15-köpfige Delegation nach Frankfurt, die von BFV-Präsident Christoph Kern angeführt wird.
Drei Fragestellungen stehen im Fokus: Welche Auswirkungen hat das veränderte Freizeitverhalten auf den organisierten Spielbetrieb, und welche Anpassungen sind nötig, um weiterhin bundesweit Menschen jedes Alters für den Fußball zu begeistern? Wie lassen sich noch mehr Frauen und Mädchen für den Fußball auf und neben dem Platz gewinnen? Wie gehen wir im Fußball miteinander um, und was hat das mit dem Mangel an Schiedsrichter*innen zu tun?
Der DFB richtet nach 2003 in Barsinghausen, 2012 und 2019 – jeweils in Kassel – zum vierten Mal einen Amateurfußball-Kongress aus. Schauplatz ist vom 22. bis 24. September 2023 der DFB-Campus in Frankfurt am Main. Schwerpunkte der Veranstaltung sind die aktuellen und künftigen Herausforderungen des Vereinsfußballs im Amateurbereich. Im Fokus des Kongresses stehen die Perspektive der Amateurklubs sowie die Interessen der aktiven Fußballer und Fußballerinnen. Darüber hinaus soll sich intensiv der Frage gewidmet werden, wie eine positive Vereinsentwicklung im Schulterschluss zwischen Verbänden, Vereinen und Kreisen gestaltet werden kann.
Vor der EURO 2024 in Deutschland soll zudem die Frage diskutiert werden, wie Amateurvereine mithilfe der Verbände das Heimturnier bestmöglich nutzen können. Gegliedert ist der Kongress in drei Kernthemen:
1. Entwicklung Spielbetrieb: Die Organisation des Spielbetriebs ist das Kerngeschäft der Verbände. Beim Kongress soll diskutiert werden, wie die Spielbetriebsangebote für Männer-, Frauen- und Jugendmannschaften der Vereine weiterentwickelt werden können.
2. Frauen- und Mädchenfußball: Frauen und Mädchen stellen eine wichtige, aber weiterhin unterrepräsentierte Gruppe im Fußball dar. Wie ihre Beteiligung sowohl im sportlichen Bereich (Spielerinnen, Trainerinnen und Schiedsrichterinnen) als auch in leitender Vereinsarbeit und den Fußballorganisationen (DFB, Landesverbände und Kreise) verbessert werden kann, soll beim AFK beleuchtet werden.
3. Schiris: Latente Respektlosigkeiten bis hin zu Gewaltvorfällen gegenüber den Unparteiischen machen deutlich, dass Handlungsbedarf besteht. Die Zahl der aktiven Schiedsrichter in Deutschland soll und muss wieder steigen. Im Jahr der Schiris soll es unter anderem darum gehen, wie eine Wertschätzungskultur aufgebaut werden kann und durch welche Maßnahmen Amateurvereine die Schiris noch stärker in die Fußballfamilie einbinden können.
Zu jedem Thema sollen konkrete Handlungsempfehlungen formuliert werden.
In Frankfurt kommen Vertreter und Vertreterinnen sowie Führungskräfte aller Organisationsebenen des deutschen Amateurfußballs zusammen – nämlich von: DFB, Regional- und Landesverbänden, Fußballkreisen und Amateurvereinen. Im direkten Austausch sollen gemeinsam Lösungen und Handlungsempfehlungen zur Stärkung der Basis erarbeitet werden. 276 Teilnehmerinnen und Teilnehmer werden erwartet, darunter 15 aus dem Bayerischen Fußball-Verband (BFV). 97 davon rekrutieren sich aus Amateurvereinen, 51 aus den Fußballkreisen. Die Landesverbände entsenden 93 Vertreterinnen und Vertreter, die übrigen Delegierten kommen aus den Regionalverbänden und vom DFB.
Der Modus, nach dem die Teilnehmer*innen aus dem Amateurfußball ausgewählt wurden, variiert von Landesverband zu Landesverband. In Bayern lief die Auswahl über die Bezirks-Vorsitzenden, die entsprechend der Anforderungsprofile auf geeignete Kandidat*innen aus den Vereinen zugegangen sind. Die Verbands-Vertreter wurden entsprechend ihrer Aufgabenbereiche vom Verbands-Vorstand zur Mitarbeit eingeladen.
Alle Teilnehmer*innen reisen am Freitagmittag nach Frankfurt an. Im Mittelpunkt des Kongresses stehen drei umfangreiche Workshop-Phasen zu den drei Schwerpunktthemen. Diskutiert wird an Kleingruppentischen, an denen Vertreter*innen aller Fußballebenen gemeinsam Handlungsempfehlungen entwickeln. Zusätzlich zu den Workshops gibt es weitere interaktive Formate, zum Beispiel Bar-Camps oder einen Open Space, in denen sich die Teilnehmenden austauschen können, um Erfahrungen zu teilen.
Natürlich sollen konkrete Ergebnisse erzielt werden. Am Ende jeder Workshop-Phase werden konkrete Handlungsempfehlungen formuliert und anschließend von den Teilnehmenden priorisiert. Die TOP-Handlungsempfehlungen finden Eingang in den Masterplan Amateurfußball, der durch die unterschiedlichen Perspektiven beim Kongress zielgerichtet weiterentwickelt werden wird.
Auf Basis der priorisierten Handlungsempfehlungen des Kongresses koordiniert die Steuerungsgruppe Amateurfußball unter Leitung von DFB-Vizepräsident Peter Frymuth die weiteren Arbeitsprozesse. In vertiefender und enger Einbindung der verschiedenen Fachbereiche der Fußballorganisation, aber auch der Kongressteilnehmer*innen, werden Maßnahmen zur Ergänzung des laufenden „Masterplan Amateurfußball“ entwickelt. Die Maßnahmen werden dem DFB-Vorstand zum Beschluss vorgelegt und sollen anschließend bundesweit umgesetzt werden.
Beim 3. Amateurfußball-Kongress 2019 in Kassel haben Vertreter*innen von Vereinen, Bezirken und Kreisen sowie Verbänden und dem DFB fünf zentrale Themen erarbeitet, die die Amateurfußballentwicklung nachhaltig vorantreiben sollten. Ziel war es unter anderem, ein vereinseigenes strategisches Konzept zu entwickeln und die Transparenz für finanzielle Förderungsmöglichkeiten zu erhöhen. 2022 initiierte der DFB gemeinsam mit den 21 Landesverbänden das Projekt „Club 2024“. Ziel ist die Verbesserung der Vereinsqualität.
Mit dem Amateurfußball-Barometer ist der DFB zudem dem Wunsch der Vertreter*innen nachgekommen, ein Beteiligungstool für Verbände, Kreise und Vereine zu schaffen. Das Barometer ist im Oktober 2021 an den Start gegangen – und zählt bereits 22.296 registrierte User*innen, die an Umfragen zu verschiedenen Themen teilnehmen können. Du bist noch nicht registriert? Jetzt anmelden und Benachrichtigungen erhalten, sobald die nächste Umfrage startet.
Praxisprofi: Teilen von Wissen – dieser Wunsch wurde auf dem Kongress 2019 häufig geäußert. Der DFB entwickelte daraufhin das Best-Practice-Tool „Praxisprofi“. Dort werden Erfolgsprojekte aus den Amateurvereinen vorgestellt. Sie sollen Inspiration und detaillierter Leitfaden zugleich sein. Während Amateurvereinen Lösungsansätze zu verbreiteten Herausforderungen wie der Ehrenamtsgewinnung oder der Gewinnung von Spieler*innen präsentiert werden, können erfolgreiche Klubs ihre Aktivitäten eigenständig einreichen, um ihr wertvolles Wissen mit der Fußballfamilie zu teilen.
Zusätzlich rief der DFB gemeinsam mit den 21 Landesverbänden in den zurückliegenden viereinhalb Jahren weitere Großprojekte ins Leben. Zum Beispiel die Einführung der neuen Spielformen im Kinderfußball und das „Jahr der Schiris“ . Aktuell wird darüber hinaus an Weiterbildungsangeboten für lizenzierte Trainer*innen, der Zukunft der Vereinsberatung und vielen weiteren Themen gearbeitet, damit der Amateurfußball nachhaltig gestärkt wird.
Unmittelbares Ergebnis des 2. Amateurfußball-Kongresses 2012 war das Projekt DFB-Junior-Coach.