Das "Spiel des Jahres" ist es ohnehin, vielleicht das bislang größte Fußballmatch in der Vereinsgeschichte, wenn an diesem Samstag (26. März, live im BR Fernsehen und im Stream, Liveticker) ab 14 Uhr der Fußball-Regionalligist TSV Aubstadt im Halbfinale des BFV-Toto-Pokal-Wettbewerbs die „Löwen“ des TSV 1860 München empfängt. Das knapp unter 800 Einwohner zählende Dorf im unterfränkischen Grabfeld kurz vor der Landesgrenze zu Thüringen wird an diesem Tag definitiv Kopf stehen.
"Das ist ein Jahrhundert-Highlight und für alle eine Riesensache. Für die Gemeinde, für die Fans, für die Mannschaft", weiß Herbert Köhler. Der 71-Jährige führt seit nunmehr neun Jahren den TSV als Vorsitzender, ist ein waschechter "Aubschter". Er hat schon die Zeiten in der Bezirksliga erlebt oder bis 2008 in der Bezirksoberliga - drei Klassen tiefer als heute. "Es ist zwar schon länger her. Aber wir hatten auch mal unter 100 Zuschauern bei einer Heimpartie", weiß Köhler. Aktuell sind es wie in der Aufstiegssaison 2019/21 durchschnittlich knapp 700. Man könnte also sagen: Das gesamte Dorf schaut zu.
Kommenden Samstag werden es allerdings 3000 Fans sein, 300 Tickets gingen offiziell an die Anhänger der Münchner Löwen. Aubstadt meldet also: Ausverkauft! Was für die neu überdachte, kleine, 152 Personen fassende Tribüne dann natürlich auch gilt. Und mit dem TSV 1860 München kommt der wohl prominenteste Gegner zu den Nord-Unterfranken. Nach Bayer Leverkusen gastiert zum zweiten Mal ein (Ex-)Bundesligist beim TSV. Die „Werkself“ vom Rhein gastierte in den 1980er Jahren allerdings „nur“ zur Einweihung des Sportplatzes in Aubstadt. Rund 2000 Anhänger sahen damals Trainer Erich Ribbeck, Herbert Waas oder Bum Kun Cha. Doch der TSV 1860 München kommt zu einem echten Pflichtspiel, bei dem es um nichts Geringeres als den Toto-Pokal-Finaleinzug geht.
Erinnerungen an Heimspiel gegen Schweinfurt 2014
Einen ähnlichen Fan-Ansturm wie am Samstag zu erwarten erlebte Aubstadt am 27. Mai 2014 mit offiziell 2820 Zuschauer in der damals noch Schulstadion heißenden heutigen NGN-Arena (Foto oben). Damals standen die an der Straßenseite parkenden Autos bis weit in Richtung des knapp vier Kilometer entfernten Nachbarorts Großeibstadt. Als Vizemeister der Bayernliga bestritt der TSV sein erstes Aufstiegsspiel zur Regionalliga ausgerechnet gegen den großen Nachbarn FC Schweinfurt 05, der sich am Ende in den zwei Partien durchsetzte und der auch das Duell im Grabfeld 3:2 gewann.
In Christian Köttler und Dominik Grader gehören heute noch zwei Spieler der Hausherren von damals zum aktuellen Kader des TSV Aubstadt. Ein weiterer schnürte damals noch für Gegner Schweinfurt die Schuhe: Max Schebak.
Wie man einen Drittligisten aus München schlägt, demonstrierte Aubstadt schon im Oktober letzten Jahres beim 3:1 gegen Türkgücü München im Pokal-Viertelfinale. Leon Heinze, Joshua Endres und Timo Pitter hießen damals die Torschützen für die Hausherren. Seitens der Löwen wird man diese Namen sicher auf dem Zettel haben. "Ganz chancenlos sind wir sicher nicht", hofft Herbert Köhler, "wenn wir einen guten Tag erwischen und 1860 einen nicht so guten. Wir werden uns auf alle Fälle ordentlich präsentieren", sagt der Vereins-Vorstand voraus.
Das soll nicht nur für die spielenden Vereinsmitglieder gelten, sondern auch für das Team hinter dem Team, das sich für die Rahmenbedingungen verantwortlich zeichnet und den Klub im besten Licht erscheinen lassen möchte. Denn die Partie wird live im Bayerischen Fernsehen übertragen. Es ist zwar nach dem Regionalliga Bayern-Saisoneröffnungsspiel 2019 bei Schweinfurt 05 die zweite BR-Liveübertragung für den TSV Aubstadt, aber in Aubstadt feiert der Bayerische Rundfunk Premiere. In Sachen Stromanschlüssen, Podeste für die Kameraleute oder einem eigenen Raum für den Moderator packen die rund 100 ehrenamtlichen Helfer aber natürlich gerne an. "Einmalig" sei das bevorstehende Ereignis, so Köhler.
Mit vier Verkaufsständen will der TSV den Andrang bewerkstelligen und hofft auch auf großen Umsatz. Überregional bekannt sind die guten Bratwürste in Aubstadt, 4000 davon dürften am Samstag vom Grill in die Brötchen wandern und auch die Weißwurst-erprobten Münchener Fans überzeugen. Dass diese wohl akustisch den Ton angeben werden, stört die Grabfelder in keinster Weise. Im Gegenteil. Sportlich freilich erhofft sich die Mannschaft um den erst 30 Jahre jungen Trainer Victor Kleinhenz aber eine Partie auf Augenhöhe, so wie schon in den zwei Regionalliga-Heimspielen gegen die Profi-Nachbarn aus Schweinfurt. Den 05ern rang Aubstadt daheim jeweils ein 2:2 ab.
Die aktuelle Form der Aubstädter passt, wie das 3:0 am vergangenen Samstag auswärts in der Wacker-Arena zu Burghausen bewies. Zweifacher Torschütze war da Außenbahnspieler Ingo Feser. Insgesamt teilen sich 13 Akteure die 49 erzielten Liga-Tore des TSV.
Wie bereits in den vergangenen Spielzeiten spendet LOTTO Bayern im Rahmen einer Werbeaktion erneut für jeden erzielten Pokal-Treffer ab der 1. Hauptrunde bis zum großen Finale zehn Euro für die BFV-Sozialstiftung. In der vergangenen Saison kamen so 2960 Euro zusammen, die unverschuldet in Not geratenen Mitgliedern der bayerischen Fußballfamilie zugutekommen. Aktuell sind in der jetzt laufenden Toto-Pokal-Runde bereits 407 Treffer gefallen, der Prämienstand liegt demnach bei 4070 Euro.
Der Toto-Pokal-Wettbewerb wird in Bayern bereits seit 1998 ausgespielt. Dabei geht es nicht nur um Prestige und einen großen Pokal, sondern auch um einen Startplatz in der lukrativen 1. Hauptrunde des DFB-Pokal-Wettbewerbs – inklusive der garantierten Prämien in Höhe von rund 130.000 Euro aus den Vermarktungserlösen. In der Saison 2020/21 hatte sich Drittligist Türkgücü München im Endspiel gegen Regionalligist FV Illertissen mit 8:7 nach Elfmeterschießen durchgesetzt und sich erstmals den Titel im bayerischen Toto-Pokal-Wettbewerb gesichert. Namensgeber des bayerischen Verbandspokals ist der langjährige BFV-Partner LOTTO Bayern.
mhg/BFV