Im Bayerischen Toto-Pokal-Wettbewerb stehen in dieser Woche die beiden Halbfinals auf dem Programm – und die haben es in sich: Am Dienstagabend (24. März, 18.30 Uhr) empfängt der FC Würzburger Kickers Regionalliga-Konkurrent SV Wacker Burghausen, am Samstag steht dann der Kracher zwischen den beiden Drittligisten SSV Jahn Regensburg und TSV 1860 München an, der ab 14 Uhr live im Bayerischen Fernsehen und im Stream zu sehen sein wird.
Nur noch zwei erfolgreiche Schritte trennen die vier Halbfinalisten vom großen Ziel: Erst das Halbfinale, dann das Endspiel – und schon winken der Einzug in die DFB-Pokal-Hauptrunde 2026/27 sowie garantierte Einnahmen von rund 210.000 Euro aus Vermarktungserlösen. Ganz zu schweigen vom prestigeträchtigen Toto-Pokal-Sieg! Doch der Weg dorthin wird alles andere als einfach – die Aufgaben haben es in sich.
Im ersten Halbfinale am Dienstagabend (24. März) ab 18.30 Uhr empfängt der FC Würzburger Kickers in der heimischen AKON Arena Ligakonkurrent SV Wacker Burghausen. Eigentlich haben die Gastgeber im Ligaendspurt der Regionalliga Bayern Platz eins und die damit verbundene Teilnahme an der Aufstiegsrelegation zur 3. Liga im Visier – derzeit rangieren die Rothosen mit nur drei Punkten Rückstand auf Spitzenreiter SpVgg Unterhaching auf Platz drei. Aber der Einzug ins Pokalfinale, der mögliche vierte Toto-Pokal-Triumph der Vereinsgeschichte (zuletzt 2019) und die erneute Aussicht auf den Einzug in die erste DFB-Pokal-Hauptrunde sind natürlich greifbar und verlangt den vollen Einsatz der Gastgeber, die zuletzt nochmal mit einem Trainerwechsel und der Rückkehr von Michael Schiele einen neuen Impuls gesetzt haben. Der Wechsel auf der Kommandobrücke hat auch direkt gefruchtet: Die Rothosen überzeugten am Wochenende beim 4:0 im eigenen Stadion im unterfränkischen Derby gegen den SV Viktoria Aschaffenburg auf ganzer Linie und gehen dementsprechend selbstbewusst in den Pokalfight.
Aber auch der SV Wacker Burghausen wird hochmotiviert auftreten. Für die Salzachstädter, die in der Liga im gesicherten Mittelfeld rangieren, ist der Toto-Pokal-Sieg die letzte Chance, der Saison ein echtes Happy End zu verpassen. Und um das eigene Pokal-Trauma zu überwinden: Bereits fünfmal standen die Oberbayern im Toto-Pokal-Finale, fünfmal mussten die Spieler zusehen, wie am Ende der Gegner den Pott in den Himmel recken durfte (2009, 2010, 2011, 2013 und 2017). Auch für SVW-Trainer Lars Bender, der den Verein zum Saisonende verlassen wird, wäre es nochmal ein versöhnlicher Abschluss einer durchwachsenen Saison. Wackers Geschäftsführer Andreas Huber blickt deshalb auch voller Vorfreude auf die Begegnung: „Das Halbfinale in Würzburg ist ein absoluter Kracher und ein Spiel, auf das alle schon seit langer Zeit hinfiebern. Wir haben uns diese Ausgangslage hart erarbeitet und wollen jetzt den nächsten und letzten Schritt ins Finale gehen. Jeder im Verein weiß, wie wichtig dieses Spiel für uns ist. Wir werden alles daran setzen, mit der Unterstützung unserer Fans im Rücken das Finale zu erreichen und für ein weiteres sportliches Highlight in Burghausen zu sorgen. Besonders erfreulich ist die hohe Anzahl an Fans, die uns nach Würzburg begleiten werden. Das zeigt, dass unsere Anhänger trotz holprigem Auftakt in der Liga hinter der Mannschaft stehen.“
Vom Papier her gehen die Gastgeber natürlich favorisiert in die Partie, aber es ist nunmal „Pokal“, da gelten bekanntlich andere Gesetze. In der laufenden Saison trafen die Teams bislang nur in der Hinrunde aufeinander – in Burghausen trennten sie sich 1:1-unentschieden. Das Rückspiel in Würzburg steigt erst am 2. Mai. Der Sieger der Pokalpartie darf auch nicht nur weiter vom Pokalsieg träumen, sondern wird am 23. Mai 2026 definitiv auch Gastgeber des Toto-Pokal-Endspiels am „Finaltag der Amateure“ sein.
Am Samstag (28. März) wird dann ab 14 Uhr im Regensburger Jahnstadion auch direkt der zweite Toto-Pokal-Finalist ermittelt – und auch dieses Spiel wird nichts für schwache Nerven. Die Verantwortlichen beim Bayerischen Fernsehen wissen, warum sie diesen Pokalkracher im Free-TV und im Livestream auf BR24Sport im Web, in der BR24-App und der ARD-Mediathek zeigen: Der SSV Jahn Regensburg empfängt die Münchner Löwen zum Pokal-Showdown. Zwei Drittligisten, für die die Teilnahme am DFB-Pokal-Wettbewerb längst nicht mehr zum Tagesgeschäft gehört und die es sich nicht leisten können, im Toto-Pokal-Wettbewerb mit angezogener Handbremse zu spielen.
Löwen-Dompteur Markus Kauczinski steht noch am ehesten vor der Frage, ob er mit der „vollen Kapelle“ antritt, oder nicht. Das Saisonziel der Münchner ist klar der Aufstieg in die 2. Bundesliga, bei derzeit fünf Punkten Rückstand auf die Aufstiegsplätze kommt ein kräftezehrendes Pokalspiel gegen einen Ligakonkurrenten eigentlich ungelegen, doch bis zum erst zweiten Toto-Pokalsieg nach 2020 und zum Einzug in den DFB-Pokal-Wettbewerb sind es halt auch nur noch zwei Schritte. In der Liga müsste dafür am Saisonende mindestens Rang vier herausspringen, garantiert ist das keineswegs. Dazu kommt die 0:4-Klatsche im Liga-Hinspiel in Regensburg im November, die sowohl Team als auch Fans gerne vergessen machen würden. Kaum vorstellbar, dass es die Münchner mit Personalspielen riskieren, am Saisonende womöglich mit komplett leeren Händen dazustehen. Schon nach der Auslosung der Halbfinals ordnete 1860-Geschäftsführer Manfred Paula das Los entsprechend ein: „Mit Regensburg haben wir einen schweren Gegner erwischt, gegen den wir im Punktspiel nicht so gut ausgesehen haben. Ich bin mir sicher, dass wir diesmal ein anderes Gesicht zeigen und das Spiel entsprechend für uns entscheiden werden.“
Für die Gastgeber ist Rang vier in der Liga längst außerhalb ihrer Reichweite und der Toto-Pokal-Sieg der einzig verbliebene Weg in die DFB-Pokal-Hauptrunde – in der Liga ist mit Rang zwölf aktuell die Saison mehr oder weniger schon jetzt abgehakt. Da kommt ein Pokalfight gegen den TSV 1860 München und seinen zahlreichen und reisefreudigen Fans gerade recht, um der Saison noch einmal einen Punch zu verpassen und den eigenen Fans ein Schmankerl zu servieren – zumal der jüngste der bislang drei Toto-Pokal-Siege aus dem Jahr 2005 datiert. Die Generalprobe zuletzt in der Liga im Heimspiel gegen den TSV Havelse lief perfekt: Mit 5:2 fertigten die Oberpfälzer den Aufsteiger ab, während die Münchner nach einer starken Phase und dem Angriff auf die Aufstiegsregion zuletzt wieder zwei Dämpfer einstecken mussten. Erst kamen die Löwen daheim nicht über ein 0:0 gegen Wehen Wiesbaden hinaus, am vergangenen Wochenende mussten sie sich beim direkten Aufstiegskonkurrenten MSV Duisburg 1:2 geschlagen geben. Alles egal, wenn am Dienstagabend und Samstag der Anpfiff ertönt – denn dann ist Pokal!