SCHWABACH/LANDKREIS ROTH – Der Deutsche Fußballbund (DFB) gibt jährlich ein Lagebild zu Gewalt und Diskriminierung auf bundesdeutschen Fußballplätzen heraus. 2025 ist es zum elften Mal erschienen. Danach ist der Amateurfußball in Deutschland ein ziemlich sicheres Pflaster. Zum zweiten Mal in Folge stellt der DFB einen Rückgang fest. Bayern, Mittelfranken und der Kreis Neumarkt-Jura liegen bei Gewalt- und Diskriminierungsmeldungen unter dem bundesdeutschen Schnitt.
Bei 1,286 Millionen Amateurspielen aller Klassen, Altersstufen und Geschlechter bundesweit in der Saison 2023/24 gab es 3494 Meldungen (Vorsaison: 3719) zu einem Gewaltvorfall. Der Anteil der Partien mit gemeldeten Gewalt- oder Diskriminierungsvorkommnissen ist auf 0,43 Prozent gesunken (2023/2024: 0,45 Prozent). Das ist der geringste Wert seit 2021. Ebenso wurden 829 gewalt- oder diskriminierungsbedingte Spielabbrüche im organisierten Spielbetrieb registriert. Das sind neun Prozent weniger als im Vorjahr und bedeutet den niedrigsten Stand seit Ende der Corona-Pandemie vor vier Jahren. Bezogen auf die Gesamtzahl der Partien mit abgeschlossenem Spielbericht waren 0,06 Prozent der Spiele von einem Abbruch betroffen.
Im Kreis Neumarkt-Jura liegen die Zahlen deutlich unter dem Bundesschnitt. Bei 6904 Spielen gab es neun Gewalt- und drei Diskriminierungsmeldungen. Das entspricht 0,17 Prozent aller Begegnungen. Abgebrochen wurde keine einzige Partie. Im gesamten Bezirk Mittelfranken lagen die Meldungen bei 0,33 Prozent von 23 679 Spielen. Sechs Spielabbrüche kommen hinzu.
Im gesamten bayerischen Amateurfußball bewegen sich die Zahlen der Gewalt- und Diskriminierungsvorfälle weiter auf konstant niedrigem Niveau und liegen unter dem Bundesdurchschnitt. So kam es in der Spielzeit 2024/25 bei den insgesamt 187 095 elektronisch erfassten Partien im Freistaat mit Blick auf Gewalt und Diskriminierung zu 444 Vorkommnissen (Gewalt: 296, Diskriminierung: 174), was – wie schon im Vorjahr – einem Anteil von 0,24 Prozent entspricht. Ebenfalls gleichgeblieben ist im Vergleich zur Vorsaison 2023/24 der Anteil der Spielabbrüche, der erneut bei 0,04 Prozent (81 Spiele) liegt. Grundlage für das „Lagebild Amateurfußball“ sind die Angaben der Schiedsrichterinnen und Schiedsrichter im Elektronischen Spielbericht (ESB).
Thaya Vester von der Universität Tübingen ist „Kriminologin mit Fußballherz“, wie sie selbst sagt. Sie hat bei der Schiedsrichtergruppe Jura-Nord zum Thema „Gewalt gegen Unparteiische“ referiert. „Jeder 25ste Schiedsrichter kann über eine relativ frische Gewalterfahrung berichten“, zitierte sie dabei das Ergebnis einer Umfrage im Verband Württemberg. Die insgesamt geringere Anzahl an Gewalt im Fußball allgemein und gegen Schiedsrichter im Besonderen in Bayern führt Vester auf die gute Organisation des Schiedsrichterwesens in Bayern zurück. Mit Blick auf die bundesweite Lage stellte die promovierte Juristin fest, dass es in den untersten Klassen die meisten Gewaltvorfälle gegen Schiedsrichter gebe. Außerdem seien in der Stadt mehr Angriffe festzustellen als auf dem Land.
Beim Bayerischen Fußballverband heißt es dazu, es gebe auch noch andere Faktoren. So würden neue DFB-Instrumente zur Beruhigung im Spiel konsequent genützt und es gebe eine Zusammenarbeit mit der Generalstaatsanwaltschaft. Ungeachtet der sportgerichtlichen Aufarbeitung meldet der BFV Fälle von Tragweite auch an die zentrale Anklagebehörde weiter. Sie kann nach Prüfung eigene Strafverfahren anstrengen und damit auch Urteile vor ordentlichen Gerichten erwirken. Seit dem Startschuss der seinerzeit deutschlandweit ersten Kooperation des BFV mit der Generalstaatsanwaltschaft München im Februar 2024 hat der Bayerische Fußball-Verband 13 Fälle weitergereicht.
Thaya Vester zeigte den Schiedsrichtern der Gruppe Jura-Nord auf, dass die Selbstauskünfte der Unparteiischen aus dem württembergischen Verband auf eine gute Sicherheitslage auf den Fußballplätzen hinweisen. Die Quote der Referees, die häufig bedroht wurden, pendelt im von 2011 bis 2023 um 0,5 Prozent. Nie angegriffen wurden in diesem Zeitraum regelmäßig über 80 Prozent der eingesetzten Schiedsrichter. Knapp 70 Prozent fühlen sich auf dem Fußballplatz regelmäßig sicher. Eine Mehrheit von knapp 70 Prozent der Fußball-Referees in Württemberg würde sich jüngst mehr Schutz durch den Verband wünschen. Fast 80 Prozent plädieren für Weiterbildung zum Umgang mit Konflikten.
Dennoch hält Vester jeden Gewaltvorfall auf deutschen Fußballplätzen für einen zu viel. Sie spricht sich deshalb für gezielte Prävention aus, damit es gar nicht erst nicht zu Gewalt gegen Schiedsrichter, Spieler oder Zuschauer kommt. Dabei plädierte sie für entsprechende Maßnahmen auf jeder Ebene: Vorbeugend für alle am Fußball Beteiligten und für konkrete Risikogruppen sowie für Eingreifen, wenn sich gewalttätiges Handeln bereits gezeigt habe. „Ausschluss vom Spielbetrieb, Geldstrafen oder Auflagen wie Mediation könnten zielführend sein“, so Vester.
Text und Bild: Robert Schmitt